Mit seinem neuen Klavieralbum hatte Danger Dan schon eine Debatte ausgelöst, da war es noch gar nicht erschienen. Vor zwei Monaten sagte das ZDF seinen Auftritt kurzerhand ab, weil ein Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könnte. Der Song „Keine Angst“ stieß in Deutschland eine Diskussion darüber an, wie weit der Kampf gegen Rechtsextremismus gehen darf.
Nun veröffentlicht der Berliner Musiker Danger Dan – der bürgerlich Daniel Pongratz heißt – sein dazugehöriges neues Album, das ebenfalls „Keine Angst“ heißt. Und auch wenn er darauf politisch noch einmal nachlegt, erzählt das Album vor allem von persönlichen Geschichten.
Vom Liebeslied zum Kampflied in Moll
So geht es zum Beispiel ums Abschiednehmen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit. „Dass es hier so schön ist, hätte ich vielleicht sonst nie gesehen“, singt der 43-Jährige, der an der Augenerkrankung Retinitis pigmentosa leidet, die ihn langsam erblinden lässt. Und der dazugehörige Song („Dass es hier so schön ist“) ist vielleicht eine der schönsten Balladen des Jahres. Auch wegen dieser wehmütigen Zeile: „Ich will nicht, dass ich Angst hab‘, aber mich dran erinnern: Irgendwann holt auch mich die Nacht.“
Mangelnde Akrobatik mit der linken Piano-Hand gleicht Danger Dan wieder mit Kreativität aus. Die überspringt im Laufe des Albums sogar mehrere Oktaven vom Kampflied in Moll zum satirischen Chanson á la Georg Kreisler mit dem Titel „Wenn man Nazis so behandelte wie Frauen“. „Kapiert – wir sollen Nazis also lieber nicht verhauen“, singt Danger Dan darin. „Doch wie wär’s, wenn wir stattdessen – ich weiß, es klingt vermessen, doch man könnt‘ es ja mal testen – sie behandelten wie Frauen?“ Und dann zählt er auf, wie Frauen in der Gesellschaft benachteiligt werden oder welche Gewalt ihnen widerfährt.
Kein Konjunktiv mehr
Daneben finden sich auf dem neuen Album von Danger Dan, der mit der „Antilopen Gang“ bekannt wurde, auch zwei Liebeslieder. Einmal geht es darum, dass er für seine Freundin jederzeit zum Späti gehen würde. Und ein anderes Mal um eine Liebesbeziehung zu einem Mann. „Es tut mir leid, wenn ich dich damals verletzt habe, und dass ich dich einhunderttausend Mal versetzt hab‘. Mein Leben war ein Chaos, doch ich will’s nicht darauf schieben“, heißt es im Text. „Ich war auch überrascht, mich in ’nen Mann zu verlieben.“
Überwog auf seinem letzten Solo-Album „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ der Konjunktiv, so merkt man „Keine Angst“ an, dass Danger Dan angekommen ist – und es ist vielleicht auch deswegen weniger aufregend als der Vorgänger. Die musikalische Revolution fällt diesmal zwar aus. Trotzdem: Bitte keine Angst vor „Keine Angst“.

