Ein blauer Kleinbus rollt um die Ecke, hält an, die Schiebetür öffnet sich. „Das ist unser umgebauter VW ID Buzz, von der Firma IAV als autonomes Fahrzeug umgerüstet“, erklärt Susanne Lischka, Projektleiterin Autonomes Fahren bei der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG. Elektrisch, mit Kameras an den Seiten und auf dem Dach sowie zahlreichen Sensoren ringsum.
Blaue autonome Rufbusse der MVG in München per App rufen
Seit Anfang September sind drei solcher Busse im Münchner Stadtteil Gern unterwegs. Testweise, mit Fahrern, ohne Fahrgäste. In ein paar Jahren sollen die Rufbusse autonom unterwegs sein, selbstfahrend, ohne Mensch hinterm Steuer.
Künftig sollen Kunden die autonomen Busse per App rufen können. Eingesammelt werden sie dann entweder entlang einer klassischen Buslinie oder an bestimmten Haltepunkten. Ein Algorithmus berechnet aus den Anfragen die optimale Tour.
Weiße selbstfahrende Robotaxis von Waymo zum Test in München
Auf einem Parkplatz in Heimstetten östlich von München stehen rund zehn weiße Robotaxis. Die E-SUVs gehören der Google-Schwester Waymo und sollten eigentlich schon auf den Münchner Straßen unterwegs sein. Ebenfalls zu Testzwecken, ebenfalls vorerst mit Fahrern hinterm Steuer.
„Die werden jetzt ein paar Monate lang in München die Netze kartografieren. Dann werden die ein bisschen ihre neuronalen Netze trainieren. Und dann ist die große Frage: Schaffen die die regulatorischen Hürden – ja oder nein?“ erklärt Allistair Loder, Professor und Experte für Mobilitätspolitik an der Technischen Universität München.
Wie zuverlässig und sicher sind die autonomen Fahrzeuge?
Ende 2027 will Waymo seine autonomen Robotaxis in München im Regelbetrieb haben – ohne Fahrer, mit zahlenden Fahrgästen. In San Francisco zum Beispiel gibt es sie bereits seit drei Jahren. Dabei klappt längst nicht alles: Bei einem Stromausfall in der Stadt blieben die fahrerlosen Taxis einfach stehen. Offenbar wussten sie ohne Ampeln nicht, wie sie weiterfahren sollen.
Laut einer Studie des Insurance Institute for Highway Safety (IIHS, externer Link) waren die in San Francisco, Phoenix, Los Angeles und Austin eingesetzten fahrerlosen Fahrzeuge von Waymo – bezogen auf die gefahrene Strecke – an insgesamt 68 Prozent weniger Unfällen beteiligt und in 81 Prozent weniger Unfälle mit Personenschaden verwickelt als menschliche Fahrer.
Wenn autonome Robotaxis Menschen in der Stadt befördern: Was passiert mit dem etablierten Verkehr?
Vermutlich werden erstmal mehr Autos unterwegs sein. Aber das dürfte sich einspielen. Martin Kagerbauer, Professor und Mobilitätsforscher am Karlsruher Institut für Technik, setzt auf eine Kombination aus behördlichen Regeln und Markt: Die Behörden regeln, wie viele Taxis sie zulassen – und legen normalerweise auch Mindestpreise fest. Und wenn der Stau durch zu viele Taxis zunimmt, wollen weniger Menschen damit fahren.
Mit eindeutigen Prognosen halten sich die vom BR interviewten Experten zurück. Offenbar gibt es noch zu viele Unwägbarkeiten, was die Auswirkungen der selbstfahrenden Taxis und Busse angeht.
Einig sind sich die Experten darin, dass die autonomen Fahrzeuge in Deutschland den öffentlichen Nahverkehr nicht verdrängen werden – wie es in Teilen der USA durch Uber-Taxis passiert ist. Der öffentliche Verkehr habe bei uns einen anderen Stellenwert. Und die Menschen wollten auch nicht zu viel Geld fürs Herumfahren ausgeben. „Es ist kein Entweder-oder, sondern ein Und aus meiner Sicht“, meint Mobilitätsforscher Kagerbauer.
Betrieb autonomer Fahrzeuge ist billiger – mehr Geld für erweitertes fahrerloses Angebot
In vielen Regionen wird das On-Demand-System mit autonomen Fahrzeugen bereits getestet, derzeit noch mit Fahrern. Der angestrebte fahrerlose Betrieb hat aus Sicht der Betreiber zwei Vorteile: Man reagiert auf den Mangel an Busfahrern und es wird billiger.
Was für Kommunen zwei Dinge bedeuten kann: Geld sparen und das Angebot so lassen, wie es ist. Oder mit genauso viel Geld mehr Verkehr ermöglichen – für Martin Kagerbauer der eindeutige Favorit und eine Riesenchance für Stadt und Land.
Susanne Lischka von der Münchner Verkehrsgesellschaft verspricht, dass mit dem gesparten Geld das Angebot erweitert werde. In der Stadt, den Außenbezirken und möglichst verzahnt mit Anbietern in der Region. Mit vielleicht kleineren, aber dafür mehr Bussen: „Dass ich sage, ich habe alle zwei Minuten ein Angebot, anstatt alle 20 Minuten einen großen Bus.“

