„Ich komm mir hier langsam wirklich ganz alleine vor, weil wenn jemand um die Ecke kommt, dann erschrecke ich immer“, sagt die Architektin Enrica Ferruci. Aus dem lebendigen Kulturkosmos Fat Cat ist ein Geisterhaus geworden. Schon über die Hälfte der Mieter ist ausgezogen. Ferrucci kann es noch gar nicht glauben, dass jetzt auch sie dran ist mit Packen. „Ich hab jetzt keine Alternative gefunden, bei mir kommt alles jetzt nach Hause. Da wo alles vor zehn Jahren begann – im Homeoffice.“
Aus für Fat Cat: „Sehr schade und sehr ärgerlich“
Im Fat Cat starteten die Mieten ab 12 Euro pro Quadratmeter. Einen normalen Münchner Gewerberaum kann sich Enrica, die mit Kindern und Jugendlichen zu Baukultur, Stadt und Klima arbeitet, nicht leisten. „So einen bezahlbaren Raum, wo ich mich ausspielen kann, wo es ein Netzwerk mit anderen Künstlern gibt, in das ich mich da auch mit reinbegeben kann, das wird es so schnell nicht mehr geben in München und das ist sehr schade und sehr ärgerlich.“
200 Ateliers, Werkstätten, Proberäume
Vor drei Jahren begann das Projekt. Aus den ehemaligen Seminarräumen, Büros und Sälen des Gasteigs wurden über 200 Ateliers, Werkstätten, Proberäume. Mit dem Ziel: Leerstand bis zum Sanierungsstart des alten Gebäudes zu vermeiden. Obwohl von Anfang an klar war, dass es sich im Fat Cat um eine befristete Zwischennutzung handelt, fällt es nun doch schwer loszulassen. Fat Cat-Projektleiter Tobias Friedel: „Das war wahrscheinlich so eine ‚Once in a liftetime‘-Arbeit was man hier hat.“
Drei Jahre lang hat er als Projektleiter den Betrieb zusammengehalten, Probleme gelöst. Jetzt organisiert er den Auszug – auch seinen eigenen Auszug muss er nun angehen. Ende Oktober löst sich das Fat Cat Team auf. Was nimmt er mit aus dieser Zeit? „Dass man mit so einfachen Mitteln – also ohne große finanzielle Mittel, ohne riesige Teams – wahnsinnig viel bewegen konnte. Dass es Lösungen gab, die vielleicht nicht so in einem Lehrbuch drin stehen, sondern dass aus dem Moment entschieden werden konnte. Hey! Die machen die Musik, die fragt man an, die machen Theater, die bringen wir jetzt zusammen und dann entsteht da vielleicht wieder was Neues.“
Wenn aus einer Zwischenlösung etwas Dauerhaftes wird
Während manche einen Musikkoffer mitnehmen, ist der Umzug für Benjamin Domnick logistisch schon schwieriger. Er baut mit seinem Team Nachbarschaftstreffpunkte wie Parklets oder Schanigärten – und zieht mit einer Holzwerkstatt um, die bisher auf 200 Quadratmetern verteilt war. „Gerade mit dem ganzen Material und den Maschinen hat sich einfach auch sehr viel angesammelt und bis in die hintersten Ecken haben wir auch versucht jeden Winkel auch auszunutzen und das merkt man jetzt. Man findet was, was man seit drei Jahren sucht.“
Benjamin hat bereits neue Werkstatträume gefunden, expandiert sogar auf über 400 Quadratmeter. Trotzdem verliert er jetzt etwas, das sich nicht einfach in einen Umzugswagen packen lässt. „Wir haben so viele Menschen, die hier zusammenkommen. Alle an einem Ort. Die einfach sonst auch nicht aufeinander treffen.“ Was bleibt, ist die Erfahrung, dass ausgerechnet dort, wo eigentlich nur eine Zwischenlösung geplant war, etwas Dauerhaftes entstanden ist: Ein Netzwerk von Menschen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären.

