Bislang kannten die meisten Julio Iglesias so: mit Anzug und Krawatte auf den Bühnen der 80er-Jahre. Doch jetzt sind es andere Schlagzeilen, die den spanischen Sänger und Weltstar mit mehr als 300 Millionen verkauften Tonträgern einholen.
Zu „unangemessenen Berührungen“ gezwungen
Zwei Frauen werfen dem heute 82-Jährigen vor, sie sexuell missbraucht zu haben. Das machte eine Recherche der spanischen Nachrichtenseite „elDiario“ und des spanischsprachigen Fernsehsenders „Univision Noticias“ öffentlich.
Stattgefunden haben die mutmaßlichen Vorfälle im Jahr 2021. Es gehe um anzügliche und erniedrigende Kommentare, berichtet die Journalistin Ana Requena Aguila von „elDiario“. Iglesias habe den beiden Frauen intime Fragen gestellt. „Und dann hat er sie zu unangemessenen Berührungen gezwungen.“
Vorwürfe stammen von ehemaligen Angestellten
Erhoben werden die Vorwürfe von einer Hausangestellten und einer Physiotherapeutin, zwei ehemalige Angestellte des Sängers in seinen Villen in der Dominikanischen Republik und auf den Bahamas. Sämtliche Übergriffe hätten im Arbeitsumfeld stattgefunden, so Ana Requena Aguila. Iglesias habe seine Machtposition ausgenutzt, ihm sei klargewesen, dass die beiden Frauen finanziell von ihm abhängig gewesen seien. „Immer wieder hat er betont, dass im Zweifel ihm geglaubt werde.“
Doch jetzt, fünf Jahre nach den mutmaßlichen Übergriffen, haben sich die Frauen, die mittlerweile nicht mehr für Iglesias arbeiten, offensichtlich für die Veröffentlichung entschieden. Es gibt auch eine Anzeige gegen den Sänger. Laut „elDiario“ decken sich die Vorwürfe zu einem Arbeitsumfeld ständiger Belästigung und Kontrolle mit den Aussagen weiterer Betroffener.
Sogar die spanische Regierung schaltet sich ein
Die spanische Staatsanwaltschaft prüft nun, ob es Ermittlungen geben wird. Denn auch wenn die mutmaßlichen Taten in der Karibik stattgefunden haben, kann Iglesias in Spanien angeklagt werden, weil er Spanier ist.
Dort sorgen die Vorwürfe gegen den Star für große Empörung. Inzwischen hat sogar die Regierung ihre Unterstützung für eine konsequente Aufklärung zugesichert. Die Regierung positioniere sich entschlossen gegen Gewalt gegen Frauen, sagte eine Sprecherin. Nirgendwo in der Gesellschaft, egal wo, egal bei wem, dürfe es dabei Straffreiheit geben.
Nun sind die Ermittlungsbehörden am Zug. Ihre Arbeit wird zeigen, wie Iglesias in Erinnerung bleiben wird – ob als Weltstar oder als jemand, der seine Macht missbraucht hat.

