Anfang der Woche zitierte die SZ aus nicht-veröffentlichten Sitzungsunterlagen der Stadt München. Demnach droht dem Ticketanbieter „München Ticket“ bald die Insolvenz. Fast durchgehend, seit der Pandemie 2020, habe das Unternehmen keine Schwarzen Zahlen mehr geschrieben.
Da „München Ticket“ als städtisches Unternehmen der Stadt München gehört, muss diese eine schnelle Lösung für das Finanzproblem finden. Und die Stadt sei schon dran, sagt Grünen-Politiker Beppo Brem im BR-Interview. Als Stadtrat ist er Mitglied im Aufsichtsrat von „München Ticket“ und zugleich der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Er versichert, dass die Stadt München es nicht zulassen werde, dass einer ihrer Betriebe insolvent geht.
Eventim und Co. verändern die Ticketbranche
Schon seit Jahren macht sich eine deutliche Veränderung in der Ticketbranche bemerkbar. Große Veranstalter koppeln den Ticketbetrieb mittlerweile entweder an eigene (Partner-)Unternehmen, oder übernehmen ihn sogar direkt selbst, wie der Marktriese Eventim. Das Unternehmen agiert als Konzertveranstalter, aber auch als Ticketverkäufer. Ein anderes bekanntes Beispiel der letzten Jahre: Die Adele-Konzerte 2024 in München, veranstaltet von Live Nation, vertrieben über Ticketmaster. Gerade bei den großen, teureren Veranstaltungen ist das für die Veranstalter ein lukratives Geschäft.
Für die Stadt ein Dilemma. Sie will die großen Veranstaltungen nicht absagen, nur weil „München Ticket“ übergangen wird. Gleichzeitig verstärkt das weiter die Misere, wenn gar keine oder nur noch ein eigenes, kleineres Kontingent an Karten für den Verkauf über die städtische Plattform zur Verfügung stehen. Dabei war das immer das Alleinstellungsmerkmal des 1993 gegründeten Unternehmens mit knapp 100 Mitarbeitenden: Die ganze Bandbreite an Tickets. Vom absoluten Superstar im Olympiastadion bis hin zur Theatervorstellung im Kultursaal in Aschheim. Und dazu ein hilfreicher Kundenservice, telefonisch oder in Präsenz am Schalter.
Online-Angebot und Marktführer vs. lokale Ticketkasse
Wie sehr lokale Ticketanbieter unter den Marktführern in der Branche leiden, zeigte zuletzt ein Beispiel aus Berlin. Nach mehr als drei Jahrzehnten musste das „Koka36“ im Stadtteil Kreuzberg Insolvenz anmelden. Nicht nur kaufen immer weniger Menschen Tickets in persona an der Kasse, auch bleibt den unabhängigen Ticketverkäufern durch die großen Veranstalter und Vertreiber kein finanzieller Spielraum mehr.
Finanzspritze in Millionenhöhe für „München Ticket“
Um also das Dilemma in München zu lösen, braucht es eine bessere, wirtschaftliche Grundlage für „München Ticket“. Diese Woche hat die Stadt München durch eine Aufstockung der Kapitalrücklage die aktuellen Liquiditätsprobleme behoben und die Insolvenzgefahr vorerst ausgeräumt. Bei dem Geld in Höhe von 1,25 Millionen Euro soll es sich, laut SZ, um nicht verbrauchte Zuschüsse der Gasteig München GmbH handeln.
Mehrere Optionen in der Prüfung
Ist das dann also die Zukunft von „München Ticket“? Ein dauerhafter Zuschussbetrieb, der von der Stadt geduldet wird, in der Hoffnung auf bessere Zeiten? Es wäre eine mögliche Option, aber für Stadtrat Beppo Brem nicht die beste. Er befürwortet eine der anderen möglichen Optionen. Zum Beispiel die einer möglichen Zusammenarbeit mit einem neuen Partner oder aber einer grundlegenden Veränderung des Geschäftsmodells.
Gerade liegt das Thema beim Wirtschaftsreferat, das mit externen Partnern diverse Modelle durchspielt. Eine Lösung soll es vielleicht schon vor der Sommerpause geben, spätestens ab Herbst. Beppo Brem gibt sich zuversichtlich, eine passende Lösung werde kommen: „Am Ende gibt es ein Ziel, ‚München Ticket‘ soll in seiner Idee als Anbieter für die lokale Kulturszene erhalten bleiben.“

