„Ich kann Eltern nicht leiden“, sagte Janosch einmal. „Die meisten Kinder kriegen ja nicht die Eltern, die sie verdienen. Ich habe eine Abneigung gegen schlechte Eltern. Und deswegen tun mir die Kinder leid – viele von ihnen. Ich habe natürlich auch fantastische Kinder gesehen. Das ist ein Glücksfall. Gute Eltern zu haben, ist ein Glücksfall, passiert aber sehr selten. Und man muss nicht die Eltern fragen, wie sie waren, sondern man muss die Kinder fragen, nachher, wenn die Kindheit vorbei ist, und die meisten werden sagen: Es war grauenhaft. Ich bin ein Anwalt der Kinder.“
Kinderbuchautor mit schwerer Kindheit
Das sagt einer, der selbst keine Kinder hat, weil ihn seine eigene schwere Kindheit voller Hass, Groll und „Welt-Unheil“ nie losgelassen hat. Horst Eckert, wie Janosch mit bürgerlichem Namen heißt, wurde von seinem Vater oft im Vollsuff verprügelt. Eine traumatische Erfahrung, die ihn nicht davor bewahrte, später selbst viel zu oft zur Flasche zu greifen.
„Ich war beim Schreiben und Zeichnen besoffen“, erzählt Janosch rückblickend auf jene Zeit, in der er 1960 in einem Atelier am Ammersee einen Klassiker der Kinderliteratur schrieb: „Der Josa mit der Zauberfiedel“. Josa, Sohn eines Köhlers, fürchtet, den Vorstellungen seines Vaters nicht gerecht werden zu können, der ihn für zu schmächtig und nicht stark genug hält. Bis ihm sein bester Freund, ein Vogel, ein magisches Instrument schenkt und ihn darauf zu spielen lehrt. Alle, die seine Musik hören, werden groß und stark.
Die Geschichte hat viel zu tun mit der Lebensgeschichte des gebürtigen Oberschlesiers, dem die Krakauer Germanistin Angela Bajorek eine Biografie gewidmet hat.
Auf Teneriffa in der Hängematte
Angela Bajorek korrespondierte viel mit dem hochsensiblen Schnauzbartträger, der seit 1980 auf Teneriffa lebt und angeblich am liebsten in der Hängematte liegt. „An sich finde ich die Welt nicht zum Kuscheln. Wenn ich die Welt beschreiben würde, wie sie wirklich ist, das habe ich ja manchmal gemacht, – die Bücher müssten eingestampft werden. Das kauft keiner. Die sagen: So wie die Welt ist, so sehen wir sie nicht. Wir wollen sie so geschildert sehen, wie sie sein soll, aber niemals sein wird. Man lebt ja nur von Illusionen. Wenn ich keine Illusionen hätte, wäre ich schon längst tot, ich lebe heute noch von Illusionen.“
„Katholisch verblödet“ sei er aufgewachsen, sagte Janosch seiner Biografin Angela Bajorek: „Alles das ist ein Kaspertheater.“ Lange schon ist der Kirchenkritiker Buddhist. Das Malen lernte Janosch bei Gerhard Kadow, einem Schüler Paul Klees und Wassily Kandinskys. Seine Zeichnerei hält er, der einst an der Münchner Akademie der Bildenden Künste abgelehnt wurde, für nichts weiter als „Kritzelei“.
„Wer fast nichts braucht, hat alles“
„Janosch hat oft und mehrmals schon betont, dass er nicht malen kann“, sagt Biografin Angela Bajorek. „Am Anfang seiner Karriere fühlte er sich sehr unterschätzt. Niemand wollte seine Bilder kaufen. Er hat sich solche Mühe gegeben, zu malen und v.a. richtige große Kunst zu schaffen. Weil er davon nicht leben konnte, hat er sich einen anderen Job gesucht und kam so zum Kinderbuch. Um glücklich zu sein, hat er gesagt, brauche ich nur Hosen und eine neue Flasche Wein.“
„Wer fast nichts braucht, hat alles“, dieses Janosch-Zitat gibt Angela Bajoreks Biografie den Titel. „Ich halte mich für einen Sieger, was die Freude am Leben angeht“, sagte Janosch einmal. Heute feiert dieser Sieger seinen 95. Geburtstag.

