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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Metas KI-Brille teilt intime Momente: Man hätte es ahnen können
Netzwelt

Metas KI-Brille teilt intime Momente: Man hätte es ahnen können

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 10. März 2026 13:47
Von Benjamin Lehmann
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5 min. Lesezeit
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Machen wir uns nichts vor: Die großen Tech-Firmen kennen unsere intimsten Nachrichten, sie wissen wie wir aussehen, wen wir wählen, was wir gerne essen. Dafür versuchen sie uns ganz nah zu sein – natürlich kostenlos. Allein der Meta-Konzern vereint mit WhatsApp, Facebook, Instagram, seinem Messenger und der überall integrierten Meta AI diverse Lifestyle-Gadgets, die für viele Menschen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind. Nur eines konnten die Unternehmen lange nicht: mit unseren Augen sehen. Das hat sich geändert, seit Meta im Herbst 2023 zusammen mit der Lifestyle-Marke Ray-Ban eine KI-Brille auf den Markt brachte. Die jüngste Generation soll demnächst auch in Europa auf den Markt kommen.

Inhaltsübersicht
Meta blickt in Schlafzimmer und auf BankkartenWas Meta so nicht auf seinen Websites sagt – und was schonNutzer fühlen sich getäuschtBehörden schauen genauer hinFazit: Transparenz bleibt das Kernproblem

Wer sie nutzt, soll nicht nur klarer sehen, sondern auch dem integrierten KI-Bot Fragen stellen können zu allem, was man selber sieht – und die Antworten direkt angezeigt bekommen. Gleichzeitig gewähren die Nutzenden so Meta Einblicke in ihr Leben. Das weiß der Konzern für sich zu nutzen. Denn das Unternehmen wertet einige der Aufnahmen aus. Das legt eine Recherche der schwedischen Zeitungen Svenska Dagbladet (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) und Göteborgs-Posten nahe – und eine Recherche in Metas Datenschutzerklärungen.

Meta blickt in Schlafzimmer und auf Bankkarten

Demnach nutzt Meta die Brillenvideos, um die Meta-KI-Modelle zu trainieren. Mitarbeitende des Unternehmens Sama in Nairobi, Kenia, sichten das Material. Einige von ihnen sagten den schwedischen Journalisten, dass sie auch hochsensible Aufnahmen sehen würden: Szenen aus Schlafzimmern und Badezimmern sowie Bankkarten. Meta würde zwar Gesichter automatisch unkenntlich machen, das aber funktioniere nicht immer.

Was Meta so nicht auf seinen Websites sagt – und was schon

Wer sich für Datenschutz interessiert, konnte auch vor dieser Recherche ahnen, dass die Meta-KI die Videos nicht allein zur Erhellung des Brillenträgers verwendet. Auf der Datenschutzseite zur Brille schreibt Meta (externer Link): „Wir ergreifen bei deiner Nutzung der Brillenkamera für KI-Funktionen Schritte zum Schutz der Privatsphäre der Menschen, indem wir zum Beispiel wichtige personenbezogene Informationen entfernen.“

Das klingt gut. Gleichzeitig darf man sich fragen, warum Meta das so explizit erwähnt. Denn warum sollte Meta Informationen von einem persönlichen Gerät wie einer AI-Brille entfernen, deren ureigendste Aufgabe neben dem klaren Blick in die analoge Welt es doch ist, seinem Träger Informationen zu liefern? Doch nur dann, wenn auch Dritte auf diese Informationen zugreifen sollen.

Einen Hinweis auf diese Dritten wiederum erhält, wer sich zusätzlich die EU-KI-Nutzungsbedingungen der Meta-AI (externer Link) durchliest. Dazu aber muss man wissen, dass jene Meta-AI auch in Metas Ray-Ban-KI-Brille werkelt. Auf dieser Seite heißt es ausdrücklich: „In einigen Fällen überprüft Meta deine Interaktionen mit AIs, einschließlich der Inhalte deiner Unterhaltungen mit oder Nachrichten an AIs, und diese Überprüfung kann automatisiert oder manuell (durch einen Mitarbeiter) erfolgen.“

Bleibt die Frage. Ist es zumutbar, da als Brillen-Nutzender eigenverantwortlich durchzublicken?

Nutzer fühlen sich getäuscht

Definitiv nein, geht es nach zwei US-Nutzenden. Sie ließen sie über ihre Anwälte Sammelklage einreichen. Der Vorwurf: Meta habe mit Slogans wie „designed for privacy, controlled by you“ irreführend geworben. Man habe nicht erwartet, dass persönlichste Momente von Fremden gesichtet würden.

Behörden schauen genauer hin

Auch staatliche Stellen reagieren auf die schwedischen Recherchen. Die britische Datenschutzbehörde ICO hat Meta um Auskunft gebeten (externer Link) zur Erfüllung seiner Pflichten nach dem britischen Datenschutzrecht.

Für die EU stellt sich die Frage, ob personenbezogene Daten überhaupt nach Kenia übertragen werden dürfen. Nach der DSGVO ist das nur mit einem Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission erlaubt. Für Kenia gibt ein keinen solchen Beschluss.

Fazit: Transparenz bleibt das Kernproblem

Ob Meta, Alexa, Siri oder Whatsapp: Wir zahlen mit unseren Daten für die kostenlose Nutzung. Die Klage und die behördlichen Ermittlungen werden zeigen, ob Metas Werbeversprechen rechtlich haltbar sind. Die Nutzungsbedingungen zu lesen ist lästig. Aber oft steht dort doch ziemlich klar, was mit den Daten passiert. Meta schreibt übrigens auf seiner Datenschutzseite unmissverständlich: „Schalte die Brille in privaten Umgebungen aus.“

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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