Auch wenn das Prinzip „Versteckte Kamera“ oft gleichgesetzt wird mit harmlosen TV-Späßen und lustigen Lockvögeln – in Investigativ-Formaten kommt es weit häufiger zum Einsatz, dient nicht der Unterhaltung, sondern dem Aufdecken von Missständen und kriminellen Machenschaften. Wobei es natürlich auch Zwischenformen gibt, deren Seriosität entsprechend fragwürdig ist.
Ein solches Format erfreute sich zwischen 2004 und 2007 im US-Fernsehen enormer Popularität. In der Sendung „To catch a predator“ machte Investigativ-Journalist Chris Hansen Jagd auf Menschen mit pädophiler Neigung. Die potenziellen Straftäter stellte er in einem mit versteckten Kameras präparierten Raum zur Rede.
Robert Pattinson als zwielichtiger Charakter
Fragwürdig war das Trash-TV-Format zum einen, weil sich Hansen so demonstrativ in den Mittelpunkt seiner Show stellte. Zum anderen standen Methode und Aufbau der Reality-Serie in der Kritik: Erwachsene Mitarbeiter gaben sich in Onlineforen als Minderjährige aus, lockten die Männer mit anzüglichen Formulierungen in extra angemietete Häuser, in denen sie von einem höchstrichterlich auftretenden Hansen mit den Chats konfrontiert und am Ende der Sendung verhaftet wurden.
Als einer dieser Männer Suizid beging, wurde das Format eingestellt. Hansen aber lancierte weitere Formate mit True-Crime-Anstrich und hält bis heute daran fest, dass es nie um Selbstinszenierung ging, sondern um das Allgemeinwohl.
Es ist also ein zwielichtiger Charakter und definitiv kein Sympathieträger, den Robert Pattinson in seinem neuen Film „Primetime“ spielt, einer fiktionalisierten Version von Hansens „Predator“-Jahren. Den Leinwand-Hansen treiben Selbstjustiz-Ambitionen und der nächste Überego-Push – daran lässt der zwischen Halbdunkel und Fieberwahnfarben wechselnde Film keinen Zweifel.
Klaustrophobische Enge durch das 4:3-Format
Pattinson interpretiert ihn von Anbeginn als Karrieristen, der auf der Jagd nach permanenter Quotensteigerung und dem „next big predator“ zunehmend die Bodenhaftung verliert und selbst zum Monster mutiert.
Wie im Rausch verfolgt Hansen seine Mission. Die Kamera zoomt ihm unangenehm nah ins Gesicht, fokussiert die irrlichternden Augen. Fast schon klaustrophobische Enge erzeugt wird durch Anwendung des 4:3-Formats, das dem Betrachtenden das Gefühl vermittelt, selbst in einer Falle zu stecken: Ob man will oder nicht, man muss hinschauen. Ein irritierender Effekt, den auch die Show selbst hatte.
Trotzdem: Wirklich greifen lässt sich der Film nicht. Regisseur Lance Oppenheim konzentriert sich so sehr auf die Dekonstruktion der Hauptfigur, dass Medien- und Gesellschaftskritik diffus bleiben. Und so bleibt „Primetime“ vor allem als überästhetisierte und oscarreife Show von Robert Pattinson im Gedächtnis, in der er gegen Ende so furios schwitzt und schreit wie einst der junge Al Pacino.

