Unüberhörbar in den ersten drei Songs des neuen Albums: Voodoo Jürgens und seine Band haben den Synthesizer-Sound für sich entdeckt. Das ist anders und neu. Und dann geht’s im Opener auch gleich noch um Wandel. Und wie Menschen infolgedessen einander fremd werden können.
Nicht stehenzubleiben – für Musiker ist das entscheidend. Aber auch heikel. Suchen sie die Veränderung, legen ihnen manche Fans das schnell als Verrat aus. „Ja, aber nach dem kann ich mich einfach nicht richten. Für uns ist es wichtig, dass wir uns weiterentwickeln und Dinge ausprobieren. Und ich glaub, das wäre einfach fatal, so Lieder zu schreiben, wo man glaubt, dass die gefallen könnten“, sagt Voodoo Jürgens.
„Ein bisschen mehr Selbstreflexion“
Einfach die alte Erfolgsmasche weiter zu stricken, kam für Voodoo Jürgens jedenfalls nicht in Frage. Zumal er ja auch selbst nicht mehr der Alte ist; nicht mehr der Underdog von einst, der als Friedhofsgärtner jobbte, weil er von seiner Musik nicht leben konnte; sondern längst einer der angesagtesten österreichischen Acts, dekoriert mit mehreren Amadeus Austrian Music Awards. „Die Geschichten ändern sich natürlich, weil man in anderen Kreisen unterwegs ist.“
Das wovon Voodoo Jürgens 2016 erzählt habe, „das sind halt nicht mehr die Geschichten, mit denen ich jetzt zu tun gehabt habe. Von dem her ist es vielleicht auch ein bisschen mehr Selbstreflexion als wie Geschichten, die man erlebt hat. So würde ich’s vielleicht beschreiben“.
Nicht mehr der Straßenköter von einst
Voodoo Jürgens selbst ist nicht mehr der Straßenköter von einst. Eher, wenn es sowas gibt, eine schüchterne Rampensau. Ein Grübler, der das Scheinwerferlicht gleichermaßen sucht, wie er es scheut. Und natürlich bewegt er sich nach wie vor meilenweit abseits des Mainstreams.
Auch das neue Album lebt vom räudigen Charme der Petite Bourgeoisie, der Voodoo Jürgens so unverwechselbar macht und sogar den kettenkarussell-jahrmarktsorgelig Beschwingten unter seinen Liedern etwas Beschwertes verleiht. Dass das neue Album ausgerechnet „Gschnas“ heißt – „Gschnas“ ist Wienerisch für einen ausgelassenen Maskenball – steht zu dieser Melancholie nur scheinbar im Widerspruch.
Nur wer sich wandelt, bleibt mit sich verwandt
Voodoo Jürgens sieht das Gschnas doch „als Sehnsuchtsort vielleicht in einer Welt, die eh recht düster ist. Das eine wünscht man sich, das andere ist die Situation. Also vom dem her ist das eigentlich stimmig, dass man sich, wenn’s düster ist, eine buntere Zeit wünscht.“
Auf „Gschnas“ feiert Voodoo Jürgens den bunten Trubel als Antwort auf eine tiefsitzende Traurigkeit. Und so blendend wie sich dabei Schwermut und Überschwang vertragen, so wenig schließen sich Veränderung und Vertrautes in der Anmutung der Songs auf dem neuen Album aus. Nur wer sich wandelt, bleibt mit sich verwandt.

