Das hat sich Ryan Gosling als Ryland Grace in „Der Astronaut“ wohl etwas anders vorgestellt. Einsam und verlassen driftet er in einem Raumschiff durchs All. Er hat keine Ahnung, wo er ist, wann er ist und warum er ist: „Ich bin mehrere Lichtjahre von meiner Wohnung weg. Und ich bin kein Astronaut. Ich bin kein Astronaut!“
Ryland Grace ist eigentlich ein ganz normaler Mittelschullehrer, auserwählt für eine Mission – die Menschheit zu retten – denn die Sonne stirbt und Grace, der auch einen Doktor in Molekularbiologie hat, könnte wissen, woran das liegt.
Ryan Gosling spielt, wie ein großer, alter Hollywoodstar
Es ist ein irrwitziges, irrsinniges Unterfangen. Für alle Beteiligten. Für Grace vor allem eines mit One-Way-Ticket. „Der Astronaut“ entspinnt daraus eine doppelte Geschichte. In elliptischen Rückblenden geht es um die Frage, wie er an Bord des Raumschiffes gelandet ist, linear geht es um Grace allein im All, wie er das Raumschiff erkundet und Kontakt zu einer anderen Spezies aufnimmt, einem spinnenartigen Alien, der aussieht wie ein riesengroßer Stein: „Ich werde dich Rocky nennen.“
Allein die Interaktion zwischen den beiden ist großes Kino. Die erste Kontaktaufnahme, die entstehende Freundschaft, das Erlernen der Kommunikation. Auf der einen Seite Ryan Gosling, der wieder einmal spielt wie ein großer, alter Hollywoodstar, von denen es nicht mehr viele gibt. Auf der anderen Seite eben Rocky, nicht computergeneriert, sondern von einem Puppenspieler gesteuert. Obwohl die beiden im All sind, abgeschnitten von der Außenwelt, hat das etwas zutiefst Menschliches.
Sandra Hüllers Hollywooddebüt
Die Regisseure Phil Lord und Chris Miller werden nach „22 Jump Street“ und den animierten Spiderverse-Filmen mit „Der Astronaut“ wieder einmal ihrem Ruf als anarchische, avantgardistische Regisseure gerecht.
Mit dem nötigen Ernst, aber auch mit unglaublich viel Humor und großem Vertrauen in ihren menschlichen Hauptdarsteller Ryan Gosling legen sie in ihrer Inszenierung eine unglaubliche Verspieltheit an den Tag. Und bescheren gleichzeitig Sandra Hüller ein Hollywooddebüt als resolute. aber kompetente Projektleiterin Eva Stratt. Bislang habe sie noch nie eine Rolle gespielt, sagt sie, die „so viel Einfluss hat und nicht die Emotionalität einer Geschichte validieren muss mit eigenen Emotionen, sondern tatsächlich auf der rationalen Seite steht und deswegen trotzdem aber nicht kalt und abweisend ist, sondern ein kompletter Mensch, aber eben mit ganz viel Macht, die Verantwortungsbewusste eingesetzt wird“.
Hüller ist mit ihrem präzisen und fast schon spröden Spiel immer ebenbürtig mit Charmebolzen Ryan Gosling. Sie ist in dieser kosmischen Geschichte über interstellare Kommunikation das menschliche Gravitationszentrum. „Der Astronaut“ ist ein genauso spektakuläres wie intimes Weltraumdrama mit Humor und einem steinernen Nebendarsteller, der allen die Show stiehlt.

