Wenn man es schafft, schon mit dem ersten Album einen eigenen Sound zu entwickeln, Genregrenzen zu sprengen und alle bisherigen Singles und EPs plötzlich wie eine andere Welt wirken zu lassen, ist einem schon mal ein sehr starkes Debüt gelungen. Die österreichische, aber in Deutschland lebende Musikerin Uche Yara hat mit ihrem neuen Album „Bodyscanner“ all das abgeliefert, auch dank einer besonderen Herangehensweise.
Priorität hat die Intuition des Körpers
Beim Songwriting hat Uche Yara nämlich nicht mit den Themen, sondern mit dem Körper begonnen. „Das Thema kommt fast nie zuerst“, sagt sie im Interview. Priorität haben Atmosphäre und die Intuition ihres Körpers. Wenn man mit sieben Jahren schon beginnt, klassisches Schlagwerk zu spielen, und dann mit 13 den ersten E-Gitarren-Unterricht bekommt, fällt es nicht schwer, die Musik die Kontrolle übernehmen zu lassen. Doch als Erstes hat Uche Yara an etwas gedacht, das gar kein Instrument benötigt: das Tanzen.
Denn früher war Uche Yara beim Tanzen gehemmt, sah es als „Performance“ und fühlte sich ständig „gescannt“. Während der Arbeit am Album wurde Tanz für sie immer mehr zu Emotion und Ventil. Und das hört man vielen Tracks von „Bodyscanner“ an. Der gleichnamige Titeltrack oder auch „Diva Club“ holen die Erotik und Spannung der 80er und 90er ins Jetzt. Selbst wenn es in „Diva Club“ um die Kapitänin eines Roller-Derby-Teams geht. Hemmungen wegtanzen, fällt dabei nicht schwer.
Der Körper zuerst – der Kopf immer mit
Uche Yara bleibt aber nicht beim reinen Fühlen. Im entscheidenden Moment schaltet sie den Kopf dazu, um auch in den Köpfen der Tanzenden etwas auszulösen. In „Be Something“ geht es um den Druck, jemand „sein zu müssen“, in einer Kultur, die von Status und Selbstoptimierung besessen ist. „Hello Hello“ handelt von Ohnmacht und Verdrängung beim Verfolgen der Nachrichten. Sie sagt, obwohl sie einen österreichischen Pass habe, eine schwarze, queere Person sei und trotzdem frei sprechen könne, käme es ihr sehr paradox vor, dass sie sich trotzdem so hilflos fühle.
Doch sie will raus aus dieser Passivität. Kraft dafür zieht die Künstlerin aus der queeren Clubkultur und wie diese die heutige Clubkultur nicht nur prägt, sondern gar erst ermöglicht habe.
Ein Problem mit dem Club
Auch auf der Tanzfläche funktionieren die Songs. Sie bringen die Message über Beat und Tanz an die Leute. Doch gerade mit der kommerziellen Clubkultur hat die in Berlin lebende Österreicherin ein Hühnchen zu rupfen.
„Da ist etwas sehr verloren gegangen“, sagt sie über ihre Club-Erfahrungen. Die Normalisierung des Individualismus, die permanente Selbstinszenierung, der Konsumdruck und hohe Eintrittspreise – das alles sollte nicht selbstverständlich sein. Sie wünscht sich wieder mehr Community.
Ein mehr als gelungenes Debüt
Uche Yaras Debütalbum „Bodyscanner“ macht aus der Multiinstrumentalistin eine Multi-Genre-Künstlerin. Aus einer Newcomerin wird eine souveräne Diva mit Lust auf Experimente. Das Album verwandelt Tanzen in Nachdenken und in eine Diskussion über Clubkultur, Privilegien und Gemeinschaft. Und macht einfach sehr, sehr viel Spaß.
Bei so einem Debüt klingt es fast schon absurd, dass die Österreicherin seit einem halben Jahr auch Lead Gitarristin bei Bilderbuch ist. Doch daran, dass es für sie „das heftigste der Welt“ sei, mit der Lieblingsband auf der Bühne zu stehen, merkt man auch, dass sie noch am Anfang ihrer Karriere steht.

