Weg von der Einzelanfertigung
Denn in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts explodierte die Mode geradezu. Zahlreiche Häuser entstanden, viele verschrieben sich aufwändig geschneiderten Kleidern, die in kleiner Stückzahl und manchmal sogar als Einzelstücke entstanden. Echte Haute Couture also. Das brachte Aufsehen, Berichte in Modemagazinen, beschränkte aber die Kundinnenzahl, da diese Modelle sehr teuer in der Herstellung waren.
Yves Saint Laurent erkannte Mitte der 60er-Jahre diese historische Beschränkung und gründete die erste Prêt-à-porter-Linie, die nicht maßgeschneiderte Designermode in großer Stückzahl anbot. 1969 folgte ihm Valentino nach mit einer eigenen Damenlinie. Damit öffnete sich die Mode größeren Käuferinnenschichten – und aus relativ kleinen Häusern mit wenigen Schneiderinnen entstanden Modekonzerne.
Markennamen statt Designerpersönlichkeiten
Anders als der fast gleichaltrige Armani gelang es Valentino aber nicht, seinen Erfolg über die Jahrzehnte aufrecht zu erhalten. 1998 verkauft Valentino Garavani, wie er eigentlich hieß, sein Modeimperium an eine Holding, die es bald weiterverkaufte. Heute gehört die Marke zum Modegiganten Kering.
Auch das ist eine typische Entwicklung, viele Designer haben ihre Marke veräußert, so Calvin Klein, Helmut Lang oder Yves Saint Laurent. Deren Nimbus ist immer noch interessant, denn in der Modewelt gilt es als extrem schwer, eine Marke im Hochpreissegment aufzubauen. Ein eingeführter Markenname stellt also einen Wert dar.
Momentan entwirft Alessandro Michele die Valentino-Kollektionen. Der kam von Gucci, das er zu einem der spannendsten und zeitweise sehr erfolgreichen Modehäuser gemacht hatte. Seine aktuelle Kollektion sieht allerdings mehr nach Michele als nach Valentino aus – die Zukunft des Valentino-Looks ist also ungewiss.

