Spiele begleiten Menschen seit Jahrhunderten. Wie gespielt wird, in welchem Medium, das hat sich mit der Digitalisierung verändert. Eine geradlinige Entwicklung weg vom Analogen gibt es jedoch nicht. Die Ausstellung „Games-Geschichte(n)“ im Nürnberger Spielzeugmuseum zeigt, wie eng klassische Gesellschaftsspiele und moderne Videogames zusammenhängen. Kuratiert ist die Schau vom Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln in Kooperation mit dem Deutschen Spielearchiv Nürnberg.
Analog und digital sind kein Widerspruch
In der Ausstellung sind analoge und digitale Spiele keine Konkurrenten. „Es ist immer dieses Wechselspiel verschiedener Inspirationen. Immer ein Vor und Zurück“, erklärt Benjamin Beil von der Universität Köln. „Es gibt eine analoge Variante, dann gibt es die digitale, dann gibt es meistens wieder die analoge“, führt der Medienwissenschaftler weiter aus. Er ergänzt, dass es auch sogenannte Hybridspiele gibt. Also Spiele, die sowohl digital als auch analog sind: „Ein Brettspiel, was vor einem Fernseher liegt, an dem eine Konsole angeschlossen ist“, erklärt er.
Erst Bildschirm, dann Brettspiel
Wie eng analoge und digitale Welten zusammenwirken, zeigt sich am Spiel „Dorfromantik“. Dieses wurde zunächst als Computerspiel entwickelt und später erfolgreich als Brettspiel adaptiert. „Das hat spielmechanisch alles enthalten, was ein klassisches Brettspiel auch enthält. Aber es wurde anfangs nur als Computerspiel konzipiert“, erklärt Sebastian Pfaller vom Spielearchiv Nürnberg. „Spielmechanisch sind Computerspiel, Brettspiel und Kartenspiel viel näher beisammen, als man denkt.“ Im Fall von „Dorfromantik“ sei das Brettspiel fast genauso gut wie die digitale Variante.
Spiele-Fails
Neben Erfolgen wie Super Mario oder Tetris thematisiert die Ausstellung auch gescheiterte Projekte. Ein berühmtes Beispiel ist das „E.T.“-Spiel von Atari von 1982. Isabelle Hamm von der Universität Köln erklärt: „Die Entwickler wollten eine Spieleadaption zum Kinofilm E.T. veröffentlichen, was damals noch ein ganz neuer Gedanke war. Das Ganze hat leider nicht so richtig funktioniert.“ Die Realität war: Es gab wahnsinnig viele Rückrufe und schlechte Kritiken. Nach diesem Misserfolg wurde das Spiel dann massenhaft in der Wüste von New Mexico vergraben. Solche Geschichten gehören ebenso zur Mediengeschichte wie Verkaufserfolge.
Wandel im Umgang mit Spielen
Im Laufe der Zeit hat sich der Umgang mit Spielen verändert. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte Cheating – also das bewusste Umgehen von Spielregeln, um im Game schneller voranzukommen. Laut Isabelle Hamm war es früher durchaus üblich, sich Cheatcodes per Fax für zwei D-Mark zu bestellen. Heute sind viele Cheats direkt in die Spiele integriert. Auch Barrierefreiheit, Schwierigkeitsanpassungen und Assistenzfunktionen gehören inzwischen zum Standard. Spiele sind dadurch für deutlich mehr Menschen zugänglich geworden. Gaming ist kein Nischenhobby mehr, sondern fest in der Gesellschaft verankert.
Mitmachen statt nur Zuschauen
Die Besucher der Ausstellung sollen die Spielgeschichte nicht nur betrachten, sondern auch erleben. Dafür gibt es mehrere interaktive Gaming-Stationen: Ein originales Super Nintendo mit Röhrenfernseher steht neben einer modernen Mini-Konsole mit Flachbildschirm. „So lässt sich direkt vergleichen, wie sich Technik und Spielerlebnis verändert haben“, erzählt Christian Pfaller. Ergänzt wird das Angebot durch eine große Auswahl an Brettspielen. Hinzu kommt eine Leseecke mit alten Computerspiel-Zeitschriften. Sie ermöglicht einen Blick zurück in die 1990er-Jahre.
Alte Spiele müssen bewahrt werden
Für Pfaller ist klar: Spiele sind mehr als Unterhaltung. Sie sind kulturgeschichtliche Dokumente. In alten Brettspielen stecken Illustrationskunst, Produktionsmethoden und gesellschaftliche Normen ihrer Zeit. Mit einem Spiel aus dem Jahr 1890 hält man zugleich ein Stück Geschichte in den Händen. Genau deshalb ist das Bewahren alter Spiele so wichtig: Sie spiegeln Werte, Regeln und Denkweisen vergangener Jahrzehnte wider – ähnlich wie Literatur oder Film.
Spielgeschichte ist Kulturgeschichte
Egal ob Brettspiel im Wohnzimmer oder Zocken in der Online-Welt: Die Ausstellung „Games-Geschichte(n)“ macht deutlich, dass Spielen Generationen verbindet und digitale und analoge Spiele nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Sie zeigt, wie Ideen entstehen, sich wandeln und neu interpretiert werden. Wer verstehen will, warum Gaming heute so präsent ist, findet hier einen spannenden Blick zurück.
Die Ausstellung ist noch bis zum 13. September 2026 im Nürnberger Spielzeugmuseum zu sehen.

