Die Zukunft wird entspannt: Sie ist der Traum einer Gesellschaft, in der alle Menschen genug zum Leben haben, friedlich koexistieren und Kinder an den Ufern sauberer Flüsse spielen. Das ist die Vision, die sich in diesen Tagen entspinnt auf der Hauptbühne der DLD (externer Link), der Digital Life Design Conference in München. Gekommen sind Größen aus Wirtschaft, Politik, Forschung. Visionäre, Wirtschaftsbosse, Shooting-Stars der KI-Szene, Kritiker und Mahner von Weltruf. Sie diskutieren zweieinhalb Tage lang über nichts weniger als die Zukunft Europas – und auch die Rolle Bayerns in ihr.
Der Weg in die Zukunft wird wild
Im Mittelpunkt: Künstliche Intelligenz und wie sie gerade die Welt auf den Kopf stellt. Die DLD gilt als kleine Schwester der Wirtschaftskonferenz von Davos, weitgehend unbeachtet von der breiten Masse. Dabei skizzieren hier Entscheider, Ideengeber und Investoren, wie sie sich den Weg in die Zukunft vorstellen. Der werde wild, so viel sei klar.
Wie wir in einer KI-Welt das Menschsein bewahren
Wild werde es aber nicht nur für diejenigen, die sich hier versammelt haben. Sondern für uns alle, für die Gesellschaften weltweit. Die Rolle des Menschen sei die zentrale Herausforderung, vor der unsere Zeit stehe. Das machen die Speaker zum Auftakt immer wieder klar.
Wenn sich Menschen in die Wildnis wagten, dann gäbe es zwei Arten: diejenigen, die sich fürchteten vor dem Unbekannten, und diejenigen, die sie eroberten. So skizziert es Steffi Czerny, Mitgründerin der DLD und vielapplaudierte Keynote-Speakerin. Czerny mahnt: Die Frage sei nicht, wie wir der Wildnis entkommen, sondern wie wir sie zähmen, ohne unsere Menschlichkeit zu verlieren. Ihr Applaus lässt erahnen, dass die Konferenzteilnehmer das in weiten Teilen genauso sehen. Inwieweit es ihre Entscheidungen prägt, darüber diskutieren sie bei dieser Konferenz.
Das Who is Who der digitalen Aventgarde
„Sie“, das sind die Entscheider vom deutschen KI-Hoffnungsträger Aleph Alpha über die US-Tech-Giganten Amazon und Google bis zu den bayerischen Weltkonzernen BMW und Siemens. Dazu gesellen sich Institutionen wie das Ifo-Institut und die Max-Planck-Gesellschaft.
Die Speaker-Liste liest sich wie das Who is who der digitalen Avantgarde: Mit dabei sind KI-Pioniere wie Björn Ommer, Spitzenökonomen wie Clemens Fuest, politische Entscheider wie Markus Blume oder die frühere EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Wissenschaftler wie Patrick Cramer und Mahner wie die Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa stehen ebenfalls auf der Bühne.
Die Menschheit erlebt gerade einen Paradigmenwechsel
Nicht nur wild, gar erratisch seien diese Zeiten, resümiert auch BMW-Topmanagerin Ulrike von Mirbach. Und Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume nennt es einen riesigen Paradigmenwechsel, in dem wir derzeit leben. Die Dinge änderten sich in exponentieller Weise, alles drehe sich um KI.
Ja, sagt auch er, es werde wild. Bayern sei dafür übrigens der perfekte Boden, denn nirgends sonst in Deutschland sei es so wild wie hier. Sagt’s, und humpelt an Krücken von der Bühne, ein Bein geschient.
KI – und sonst? Die Themen der DLD
Bis Samstag tauschen sich die Konferenzteilnehmer noch aus, auf zwei Bühnen mit rund 80 Panels. Ihre Themen lassen sich grob in sieben Cluster und Grundsatzfragen zusammenfassen:
- Gesundheit, Longevity & Biotechnologie: Werden wir dank KI unsterblich?
- Wahrheit, Medien & Gesellschaft: Wem können wir im Zeitalter der Deepfakes noch trauen?
- Künstliche Intelligenz: Bestimmen wir noch das Tempo oder treibt uns die Maschine?
- Natur, Klima & Ökonomie: Ist die Natur die eigentlich überlegene Technologie?
- Geopolitik & Sicherheit: Muss Europa sich digital bewaffnen, um frei zu bleiben?
- Kunst & Kreativität: Braucht die große Kunst künftig noch den Menschen?
- Wirtschaft & Finanzen: Woher kommt unser Wohlstand, wenn die alte Industrie schwächelt?
Ob am Ende tatsächlich die entspannte Zukunft steht, von der die Visionäre träumen, bleibt abzuwarten – sicher scheint nur: Der Weg dorthin hat gerade erst begonnen.

