Die Gefahr von Desinformation durch Deepfakes und KI ist massiv angestiegen. Das Weltwirtschaftsforum sieht darin sogar einen der Hauptrisikofaktoren für die kommenden zehn Jahre.
Dirk Müller, auch bekannt als „Mr. Dax“, gibt online Finanztipps. Seit einiger Zeit muss er sich jedoch mit etwas anderem beschäftigen: Betrüger machen sich seine Persona zu eigen und locken mit Fake-Videos des ehemaligen Fondsmanagers arglose Anleger in die Falle. Dirk Müller hat schon 46.000 solcher Videos löschen lassen. In der Münchner Runde im BR Fernsehen sagte er: „Gerade aktuell habe ich Strafanzeige erstattet, weil man meinen Personalausweis gefälscht hat“. Das Verfahren gegen die Betrüger wurde Müller zufolge jedoch eingestellt.
Täter agieren häufig aus dem Ausland
Sind Polizei und Justiz machtlos gegenüber Fake-Profilen, die mithilfe neuer Technologien massenhaft im Internet auftauchen? Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) sagte, das Problem des Online-Betrugs sei gewaltig: „Teilweise steckt organisierte Kriminalität dahinter.“ Das bedeute, die Täter agieren aus dem Ausland mit Tätern vor Ort. Deshalb sei die Strafverfolgung ein „ganz, ganz großes Thema.“
Schulze begrüßt Gesetzesentwurf der Bundesregierung
Auch Katharina Schulze begrüßte, dass die Bundesregierung Gesetzeslücken beim Thema Deepfakes schließen möchte. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag lenkte den Blick vor allem auf Mädchen und Frauen, die Opfer von Deepfakes werden. Tatsächlich zeigen Studien, dass mehr als 95 Prozent aller Deepfake-Videos sexualisierte Inhalte zeigen. Und fast immer waren es Frauen, die in den Videos gezeigt wurden.
„Allein wenn ich darüber spreche, finde ich das widerlich“, so Schulze. Es sei gut, dass die Bundesregierung nun gesagt habe, sie möchte da jetzt auch im Strafgesetz einen Schritt härter und schneller vorankommen und den Gesetzesentwurf jetzt angekündigt hat.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will den Gefahren sexualisierter Gewalt durch Bilder jetzt mit einem neuen Gesetzesentwurf begegnen. Auch das EU-Parlament will Frauen und Kinder jetzt besser vor künstlich erzeugten, sexualisierten Bildern im Netz schützen. Die Abgeordneten stimmten für ein Verbot von KI-Anwendungen, mit deren Hilfe Nutzer solche Videos und Bilder von Menschen ohne deren Einwilligung erstellen können.
Eisenreich kritisiert mangelnde Verantwortung der Tech-Konzerne
Schulze plädierte zudem dafür, in der Sache parteiübergreifend zusammenzuarbeiten. Und sie forderte, auch auf EU-Ebene ein geschlossenes Auftreten gegen die Tech-Konzerne aus den USA. „Tech-Konzerne verdienen Milliarden, indem sie unsere Gehirne brainwashen, unser Geld uns aus den Taschen ziehen, ältere Menschen in Angst und Schrecken versetzen“ – da erwarte sie von der europäischen Politik, von uns allen, ein klares Zeichen, so die Fraktionsvorsitzende der Grünen. Auch Justizminister Eisenreich kritisierte, dass die Plattformen ihrer Verantwortung nicht gerecht werden würden. „Es ist nicht so, dass Plattformen nicht nichts machen, aber es ist insgesamt überhaupt nicht ausreichend.“

