Sie sind die unsichtbaren Maschinenräume der digitalen Welt: In Rechenzentren arbeiten tausende Server rund um die Uhr, verarbeiten Daten und lassen Anwendungen überhaupt erst laufen. Sie gelten als das Rückgrat der Digitalisierung. Ihr Ausbau soll jetzt deutlich beschleunigt werden.
Das Bundeskabinett hat eine neue Strategie verabschiedet, die Investitionen erleichtern und den Standort Deutschland stärken soll. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) spricht von „Fabriken des 21. Jahrhunderts“.
Bayern will aufholen
Tatsächlich wächst der Bedarf rasant: Immer größere Datenmengen, Künstliche Intelligenz und Cloud-Anwendungen treiben die Nachfrage nach leistungsfähiger Infrastruktur. Bundesweit sind derzeit mehr als 70 Großprojekte geplant – mehrere davon in Bayern.
Mit rund 500 Rechenzentren hat sich der Freistaat laut Bitkom inzwischen zum zweitgrößten Standort in Deutschland entwickelt – hinter Hessen. Unterschieden wird dabei zwischen staatlichen, privaten, sowie Rechenzentren aus dem Hochschul- und Forschungsbereich.
KI-Fabrik mitten in München
Ein prominentes Beispiel liegt im Tucherpark, unweit des Englischen Garten. Dort hat das Paderborner Startup Polarise ein unterirdisches Hochleistungsrechenzentrum errichtet – eine der größten KI-Fabriken Europas.
An dem Milliardenprojekt sind unter anderem die Deutsche Telekom und der US-Chiphersteller Nvidia beteiligt. Ziel ist es, KI-Modelle direkt in Deutschland zu trainieren und sensible Daten – etwa aus dem Gesundheits- oder Verteidigungsbereich – unabhängiger von internationalen Tech-Konzernen zu verarbeiten.
Megaprojekte auf dem Land
Auch ländliche Regionen rücken zunehmend in den Fokus. In der Gemeinde Amberg im Unterallgäu plant Polarise ein weiteres, speziell auf KI ausgelegtes Rechenzentrum. Die Anlage soll voraussichtlich Mitte nächsten Jahres in Betrieb gehen.
Das Unternehmen will dafür das Gelände eines stillgelegten Kurzwellensenders nutzen. Der Strom soll größtenteils aus Photovoltaik und einem Windpark stammen – ein Versuch, den enormen Energiebedarf nachhaltiger zu decken. Laut Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (FW) könnte die Kapazität dort sogar doppelt so hoch sein wie in München. Später könne die KI-Fabrik auf eine Kapazität von bis zu 120 Megawatt ausgebaut werden.
Bewerbung für EU-Großprojekt in Unterfranken
In Schweinfurt könnte künftig die sogenannte AI-Giga-Factory “Blue Swan” entstehen. Damit bewirbt sich Bayern für ein Förderprojekt der EU-Kommission. Mit dem Großprojekt soll Schweinfurt zu einem wichtigen High Tech Standort Bayerns werden.
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) betont die strategische Bedeutung: Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur sei heute genauso wichtig wie Straßen, Schienen oder Stromleitungen. “Wenn unsere Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben sollen, wenn Verwaltung effizient arbeiten und unser Alltag digital funktionieren soll, dann brauchen wir eine starke digitale Infrastruktur”, so Aiwanger.
Neuer Quantencomputer im Forschungszentrum
Das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Garching ist das Rechenzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Technischen Universität München und der Akademie der Wissenschaften. Hier arbeiten rund 300 IT-Mitarbeiter und Forschende an innovativen Technologien und Werkzeugen, auch für den nachhaltigen Betrieb von Rechenzentren. Erst vor Kurzem ging hier der erste europäische Quantencomputer in Deutschland in Betrieb.
Zwischen Chancen und Kosten
Wo neue Rechenzentren entstehen, hängt von mehreren Faktoren ab: eine stabile Stromversorgung, leistungsfähige Netzanbindungen und ausreichend Fläche. Gerade deshalb werden ländliche Regionen immer attraktiver.
Gleichzeitig gelten Rechenzentren als kritische Infrastruktur. Sicherheitsanforderungen sind hoch, viele Projekte werden nur schrittweise öffentlich. Auch belastbare Zahlen zum Gesamtmarkt sind schwer zu ermitteln. Hinzu kommt der enorme Energiebedarf: Der Ausbau muss mit nachhaltigen Konzepten einhergehen, um Klimaziele nicht zu gefährden.

