Auch in privater Kommunikation und digitaler Bilderspeicherung ist automatische Bilderkennung prinzipiell möglich. In Ländern wie den USA müssen Tech-Firmen etwa Missbrauchsdarstellungen auf ihren Plattformen verpflichtend den Behörden melden. Das Durchsuchen allerdings ist freiwillig. In der EU wurde im Juli die sogenannte Chatkontrolle 1.0 bis 2028 verlängert: eine Ausnahmeregel, nach der Meta oder Google unverschlüsselte Chats freiwillig nach Missbrauchsdarstellungen scannen dürfen.
Überwachung als Geschäftsmodell
Wie Überwachung im öffentlichen Raum zum Geschäft wird, zeigt die US-Firma Flock. Die Firma stellt Kameras her, die an öffentlichen Straßen in den USA automatisch Autokennzeichen scannen. Mehr als 5.000 Polizeibehörden sind Kunde, Investoren bewerten Flock mit über acht Milliarden Dollar. Die Technologie ist, gelinde gesagt, kontrovers: Immer wieder gibt es Berichte über Polizisten, die die Kameras missbrauchen, um etwa privaten Kontakten nachzustellen. Vielerorts ist das Zerstören und Besprühen von Flock-Kameras in den USA zu einer Art Volkssport geworden.
Wo Ausweichen endet
Auch anderswo regt sich Widerstand: Künstler und findige Unternehmer verkaufen T-Shirts mit speziellen Mustern oder reflektierendes Make-up, das gegen automatisierte Gesichtserkennung schützen soll. Doch nicht immer ist es möglich, sich der Überwachung zu entziehen: So müssen beispielsweise seit Ende 2025 alle Nicht-US-Bürger bei Ein- und Ausreise in die USA ihr Gesicht scannen lassen – widersprechen können nur US-Bürger.
Die Debatte um die Spannung zwischen Überwachung und Bürgerrechten ist nicht neu. Die Gewichtung zwischen Gütern wie Privatsphäre auf der einen Seite und Verhinderung und Aufklärung von Verbrechen auf der anderen gehört zu den großen politischen Fragen, die immer wieder neu ausgehandelt werden müssen. Mehr darüber, wie der technologische Wandel diese Debatten beeinflusst, hören Sie in der aktuellen Folge von „Der KI-Podcast„.

