Schirdewan argumentierte, die Statue zeige den „Kaiser einmal in seiner ganzen nackten und überproportionierten Gewalt“. Der Abgeordnete Lukas Sieper (Partei des Fortschritts) zeigte sich im Onlinedienst Instagram begeistert. „Ich will Euch zeigen, wie großartig diese Statue ist“, sagt er in einem Video, das ihn neben dem Kunstwerk zeigt. Er hoffe wirklich, dass auch Trump die Statue sehen werde.
Metapher für das Verhältnis zwischen EU und USA
Die 2,60 Meter hohe Statue des dänischen Künstlers Jens Galschiøt zeigt einen nackten Trump, der auf den Schultern eines Mannes sitzt, der unter dem Gewicht des US-Präsidenten zusammenzubrechen droht. Trump hält in der einen Hand eine Waage, in der anderen einen Golfschläger. Das „Orange Plague“ (Orangene Pest) genannte Werk war bereits am Rande der Weltklimakonferenz in Brasilien sowie bei der Münchner Sicherheitskonferenz zu sehen.
Die SPD-Abgeordnete Maria Noichl sagte AFP, sie fände es „gut und wichtig“, dass die Statue im EU-Parlament ausgestellt werde. Allerdings hätte sie sich gewünscht, dass der Künstler eine weibliche Figur als Trägerin gewählt hätte. Frauen litten schließlich am meisten unter Trumps Politik. Es sei zwar zu erwarten, dass rechten Parteien das Aufstellen der Statue im Parlament kritisieren würden. Es dürfe aber deshalb „keine Schere im Kopf“ geben.
Anspielung auf das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“
Die AfD-Abgeordnete Christine Anderson kommentierte gegenüber AFP: „Über Geschmack lässt sich nicht streiten.“ Die Anspielung auf das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ habe allerdings eine „unfreiwillige Ironie“. Politisch stehe „kaum jemand nackter da als die EU selbst“, argumentierte Anderson.
Galschiøt hat von seiner großen Figur noch hunderte kleiner Kopien mit einem 3D-Drucker nachmachen lassen. Diese hat er kostenlos im Parlament verteilt, die Nachfrage nach diesem Souvenir sei groß gewesen. Selbst aus der Küche hätten sich die Mitarbeiter die fingergroßen Figuren mitgenommen, erzählt er.
Bis Donnerstag ist die Orange Pest noch in Straßburg zu sehen, dann soll sie bei der Weltklimakonferenz in der Türkei aufgestellt werden.
Mit zusätzlichem Material von AFP.

