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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Merz und die Grünen: Wenn die Verhandlung am Piep-Ton zerbricht
Netzwelt

Merz und die Grünen: Wenn die Verhandlung am Piep-Ton zerbricht

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 12. März 2025 16:51
Von Benjamin Lehmann
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3 min. Lesezeit
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„Ich habe Frau Haßelmann unmittelbar nach Ende unserer Sondierungsgespräche informiert, ihr eine Nachricht hinterlassen“, berichtete Merz nach dem Sondierungsgespräch mit der SPD. Was der CDU-Chef als gewöhnlichen Kommunikationsversuch betrachtete, geriet zum Politikum. Denn nach Darstellung der Grünen bot Merz statt einer ernsthaften Verhandlung lediglich an, „irgendwo das Wort Klima vielleicht noch in einer Begründung“ zu erwähnen, wie die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner süffisant aus der Nachricht zitierte.

Inhaltsübersicht
Merz‘ Mailboxnachricht steht in einer langen TraditionDer digitale Niedergang einer revolutionären Erfindung

Dabei waren telefonische Nachrichten einst sowas wie das digitale Epizentrum politischer Kommunikation. Helmut Kohl steuerte seine Partei einst bis in ihre kleinsten Details aus dem Kanzleramt – mit berüchtigten Telefonanrufen. Und die berühmte rote Leitung zwischen Washington und Moskau war zwar keine Mailbox im eigentlichen Sinne, verkörperte aber die gleiche Idee: Wichtige Nachrichten dürfen nicht verloren gehen, selbst wenn der Empfänger gerade wandern ist – wie im Falle Britta Haßelmanns.

Merz‘ Mailboxnachricht steht in einer langen Tradition

Folgenschwere Mailbox-Nachrichten haben eine gewisse politische Tradition. Im Dezember 2011 hinterließ der damalige Bundespräsident Christian Wulff BILD-Chef Kai Diekmann eine folgenreiche Nachricht: „Ich rufe Sie an aus Kuwait. Bin grad auf dem Weg zum Emir“, begann Wulff, um dann zu warnen: Eine Veröffentlichung der Details seines Eigenheimkredits „würde zum endgültigen Bruch mit dem Springer-Verlag führen.“ Wulffs emotionale Botschaft gelangte an die Öffentlichkeit und wurde zum Meilenstein auf seinem Weg zum Rücktritt als Bundespräsident.

Noch dramatischer wirkte 1870 die Emser Depesche – gewissermaßen die Mailbox-Nachricht des 19. Jahrhunderts. Bismarck kürzte ein Telegramm über ein Gespräch zwischen König Wilhelm I. und dem französischen Botschafter ein und machte es öffentlich – wohl wissend, welchen Affront er damit produzierte. Die manipulierte asynchrone Kommunikation führte zum Deutsch-Französischen Krieg und letztlich zur Reichsgründung – ein mahnendes Beispiel für die Macht verkürzter Botschaften.

Der digitale Niedergang einer revolutionären Erfindung

Was einst als revolutionäre Erfindung galt – Nachrichten asynchron zu empfangen – ist heute ein digitales Auslaufmodell. Laut o2 Telefónica ist die Anzahl hinterlassener Voicemails im o2-Mobilfunknetz 2024 um rund zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Zwar landet noch immer etwa jeder zehnte Anruf insgesamt auf der Mailbox, und täglich werden eine „mittlere zweistellige Millionenzahl“ von Nachrichten hinterlassen. Doch der Abwärtstrend ist unaufhaltsam.

„Hat Friedrich Merz echt gedacht, er kann mit uns Verhandlungen per Mailbox führen?“, spottete die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lisa Badum auf X. Die Antwort lautet vermutlich: Ja, das hat er tatsächlich gedacht. Und das ist kein individueller Fehlgriff – eher ein Generationenkonflikt der digitalen Kommunikation.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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