Vor einigen Monaten verursachten Drohnenflüge über Flughäfen und anderen wichtigen Einrichtungen für Unruhe. Es wurde klar: Behörden und Staat in Deutschland hatten den Drohnen nur wenig entgegenzusetzen. Inzwischen wurde ein Drohnenabwehrzentrum gegründet, die Gesetzgebung angepasst und die Forschung bei der Drohnenabwehr läuft auf Hochtouren.
Forschung an diversen Techniken zur Drohnenabwehr
Neben Anti-Drohnen-Drohnen, die Netze auswerfen und Drohnen einfangen oder in einer Art Kamikaze-Angriff zum Absturz bringen sollen, sowie klassischen ballistischen Abwehrmaßnahmen liegt ein Schwerpunkt der Forschung auf der Drohnenabwehr durch Laser. Ein weiterer Fokus ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) beim Zielsystem.
Jeder „Schuss“ bis zu 10.000 Mal günstiger
Bei der Drohnenabwehr durch Laser wird ein konzentrierter Laserstrahl auf bestimmte Teile der Drohne gerichtet. Durch die Hitze des Laserstrahls soll die Drohne so beschädigt oder zumindest irritiert werden, dass sie abstürzt. Die Vorteile liegen auf der Hand. Ein Laser-Abwehr-System braucht keine klassische Munition und dadurch fällt auch viel Logistik weg: von der Produktion bis zum Transport. Das senkt die Kosten enorm: Fachleute sprechen von mehreren 10.000-Euro Unterschied – pro „Schuss“ – im Vergleich zu einer bisher gebräuchlichen Drohnen- oder Raketenabwehr. Der Laser hilft zudem speziell gegen kleine, sehr niedrig fliegende Drohnen – gegen die eine klassische Flugabwehr sich eher schwer tut.
Nachteile: Energiehunger und abhängig vom Wetter
Das System hat aber auch große Nachteile: Der Laser hat einen großen Energiehunger und die Wirkung des Laserstrahls ist abhängig von den Wetterbedingungen. Je trüber oder gar wolkiger es ist, desto schlechter funktioniert er. Selbst bei guten Wetterbedingungen ist der Wirkungsradius der Laserwaffe begrenzt. Nach unterschiedlichen Angaben ist von 1,5 bis zu 3 Kilometern die Rede.
Die Laserwaffe braucht zudem ein hoch entwickeltes Zielsystem, um zum einen die Drohnen oder andere Flugkörper zu erkennen und um sie lang und genau genug anzuvisieren, damit der Laser seine Wirkung entfalten kann. Das wurde erst durch die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz richtig effizient.
Strahlenpistole ist noch ein Lichtjahr entfernt
Das alles bedeutet, dass diese Laserwaffen vergleichsweise groß sind: Von der Strahlenpistole aus Star Wars sind die Systeme noch ein Lichtjahr entfernt. Wenn bei einem Lasersystem von „klein“ die Rede ist, ist gemeint, dass es auf eine Europalette passt und von einem Transporter herumgefahren werden muss.
Lasersystem auf der Fregatte „Sachsen“
Dennoch überwiegen die Vorteile und viele Staaten und Firmen sind an der Entwicklung solcher Systeme interessiert und beteiligt. In Deutschland forschen einerseits etablierte Rüstungsfirmen wie Rheinmetall und MBDA an der Laserabwehrtechnik. So wurde in den vergangenen Jahren ein Laserabwehrsystem auf der Fregatte Sachsen unter Realbedingungen erprobt. Nach Angaben von Rheinmetall soll bis 2029 ein einsatzbereites Waffensystem zur Verfügung stehen.
Know-How aus der Industriefertigung für Drohnenabwehr
Aber auch kleinere Firmen setzen ihr Know-How aus der industriellen Fertigung mit Lasertechnik ein. So hat das Start-up Inleap Photonics eine Drohnenabwehr auf Laserbasis vorgestellt, die nach Unternehmensangaben „augensicher“ und mit weniger Energie als bisherige Lasersysteme Drohnen abfangen können soll. Das System nutze eine Technologie, die ohne Spiegel auskomme. Die KI im Zielsystem analysiere die Schwachpunkte der Drohne, um tragende Strukturen zu zerstören und sie so zum Absturz zu bringen.

