Knapp 10.000 Kilometer liegen zwischen Teheran und New York City. Und doch sind die USA nach der Eskalation im Konflikt mit Iran nicht gänzlich vor Gegen-Angriffen gefeit. Vor allem Cyberangriffe und Hacker-Attacken könnten in den Vereinigten Staaten einigen Schaden anrichten – wirtschaftlich, aber auch psychologisch.
Zunächst einmal gelang der erste digitale Schlag allerdings offenbar der amerikanisch-israelischen Seite. So berichtet etwa die Nachrichtenagentur Reuters (externer Link), dass zusammen mit den Militärschlägen am frühen Samstagmorgen auch iranische Nachrichten-Websites sowie die beliebte Gebets-App BadeSaba attackiert worden seien.
Den Nutzern der rund 5 Millionen Mal heruntergeladenen Anwendung wurden unerwartete Nachrichten angezeigt: „Die Zeit der Abrechnung ist da“, hieß es dort. Zudem wurde dazu aufgerufen, die Waffen niederzulegen und sich mit „dem Volk“ zusammenzutun. Laut Cybersecurity-Experte Hamid Kashfi ein „kluger Schachzug“, da nicht zuletzt Unterstützer des iranischen Regimes beziehungsweise religiöse Iraner diese App nutzen.
Iran kann Cyberkrieg
Klar ist allerdings auch: Nicht nur die Tech-Standorte USA und Israel verfügen über Cyberkriegsarsenale. Das zeigen unter anderem wiederholte Cyberangriffe auf Deutschland, die Russland zugeschrieben werden, aber eben auch Aktivitäten von Iran.
So wurden 2022 von der iranischen Regierung unterstützte Akteure etwa für einen Cyberangriff auf Albanien verantwortlich gemacht, wie die „New York Times“ (externer Link) berichtete. Offenbar nicht zuletzt, weil das Nato-Mitglied eine Gruppe iranischer Dissidenten Unterschlupf bot, geriet Albanien ins Visier der Hacker.
Im Zuge dessen wurde unter anderem eine albanische Bank gehackt und Kunden eine Push-Nachricht zugeschickt, dass ihre Bankkonten gesperrt und geleert worden seien. Zudem spionierten die Hacker in staatlichen Datenbanken, löschten Daten und veröffentlichten sensible Informationen wie die Namen und Adressen von geheimen Informanten der Polizei oder E-Mails des Geheimdienstchefs oder eines ehemaligen Präsidenten.
„Das ist eine Terrorattacke, die Panik und Angst schaffen, Unsicherheit befeuern und den Leuten einreden soll, dass nichts unter Kontrolle ist“, sagte Albaniens Ministerpräsident Edi Rama seinerzeit.
US-Unternehmen in Gefahr
Solche oder ähnliche Attacken könnten auch Behörden und Unternehmen in den USA, Israel und Verbündeten ins Haus stehen – auch wenn die Institutionen dort besser gerüstet sein dürften als die albanischen es waren.
Durch das Machtvakuum in der iranischen Regierung, nach dem Tod von Ali Chamenei, könnten die Attacken nun weniger vorhersehbar und unkoordinierter werden, wie Kathryn Raines, eine ehemalige NSA-Expertin und nun bei der Cybersecurity-Firma Flashpoint, dem US-Medium „Fortune“ (externer Link) sagt.
So könnten auch mittelgroße US-Firmen plötzlich und unerwartet ins Visier hochaggressiver Hacker-Gruppen der iranischen Seite geraten. Viele Unternehmen seien nicht auf solche Attacken vorbereitet. Vor allem nicht auf Angriffe, die weniger dem Datenklau oder Systemlahmlegen, sondern der psychologischen Kriegsführung dienen – wie etwa das Hacken der iranischen Gebets-App zum Versenden von Push-Nachrichten, die Unsicherheit und Verwirrung stiften können.
Erste Anzeichen für bevorstehende Cyberattacken sehen auch gleich mehrere Cybersicherheits-Experten laut Reuters beim Blick auf die aktuelle „Cyber activity“ im Nahen Osten. Spionage, unerwünschte Enthüllungen, aber auch das Sperren und Lahmlegen von Internetdiensten werden als mögliche Formen der Attacke genannt.

