KI werde die Menschheit stärker verändern als die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert. Davon sind die katholischen Bischöfe überzeugt und fordern internationale Regulierung von Künstlicher Intelligenz. „Wir brauchen Standards auf internationaler Ebene, die sich an den allgemeinen Menschenrechten orientieren“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, in Fulda während der Herbst-Vollversammlung der Bischöfe.
KI als zentrale soziale Frage der Gegenwart
Die 60 Bischöfe sprachen über die ethischen Herausforderungen der KI und über die Enzyklika von Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas“ (Großartige Menschheit). Ende Mai hatte das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken sein erstes umfassendes Lehrschreiben zum Thema KI veröffentlicht. KI sei die zentrale soziale Frage der Gegenwart, ist der Papst überzeugt.
Papst Leo XIV. sieht in der Nutzung von KI ein wertvolles Hilfsmittel für die Menschheit. Dem schloss sich die Bischofskonferenz nun an: KI könne Krankheiten früher erkennen, Bildungszugänge erweitern oder schwere Arbeit erleichtern. Aber: „In ihr stecken Interessen, wirtschaftliche Macht, politische Entscheidungen und die Vorurteile derjenigen, die sie entwickeln, finanzieren und einsetzen“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz Heiner Wilmer. Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz betonte, die Kirche müsse aber auch die Chancen von KI sehen. Sie sei weder ein „apokalyptischer Brandbeschleuniger“ noch der „messianische Hoffnungsträger, der alle Probleme löst“.
UN und EU müssten Regeln für KI aufstellen
Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx sagte, die katholische Kirche wolle ihren Beitrag leisten, indem man Demokratie stärkt, Menschenrechte und den Multilateralismus verteidige. Mit den Vereinten Nationen und der Europäischen Union gebe es Institutionen, die Regeln setzen könnten. Denn nur mit Regeln könne der Machtkonzentration der Tech-Konzerne in den USA etwas entgegengesetzt werden.
Auch theologisch und glaubenspraktisch beschäftigt sich die Kirche mit KI. Was mache den Menschen zu einem Mensch und unterscheide ihn von Künstlicher Intelligenz? „Gott wurde nicht Intelligenz, sondern Gott wurde Körper“, sagt der Vorsitzende der Bischofskonferenz Heiner Wilmer. Seine Körperlichkeit und die Fähigkeit zu echter Empathie, grenze Menschen von KI ab. „Der zentrale Ort, der den Mensch zum Menschen macht, ist nicht der Kopf, sondern das Herz.“
Bistum Augsburg erlässt erste bayerische KI-Ordnung
Als erstes bayerisches Bistum hat Augsburg für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden eine KI-Ordnung erlassen, um die „vielfältigen Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung der täglichen Arbeit“ rechtssicher nutzen zu können. Als Beispiele nannte das Bistum die „Erstellung oder Zusammenfassung von Texten, die Erstellung von Illustrationen oder assistierende Hilfe bei Social-Media-Kampagnen“.
Die deutschen Bischöfe bekräftigten in Fulda erneut ihre Position zur AfD und warnten vor den Folgen einer Regierungsbeteiligung. „Die AfD stellt die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage. Sie will ein anderes Deutschland“, erklärte Wilmer. Es sei erschreckend, wie viele Katholikinnen und Katholiken bei den vergangenen Wahlen die AfD gewählt hätten, eine Partei, die dem christlichen Gottes- und Menschenbild widerspreche. „Wir kommen nur gut durch die Fluten und vorbei an den Klippen, wenn wir im Sinne des Heiligen Vaters, Papst Leo, zusammenhalten und uns als große Familie betrachten“, so Bischof Heiner Wilmer.
Leihmutterschaft war Thema auf der Bischofskonferenz
Weitere Themen der katholischen Bischöfe waren die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch, die Entwicklung der Erwachsenentaufe, das Thema Leihmutterschaft, die Lage in der Ukraine und Möglichkeiten der Solidarität mit den Menschen im Nahen Osten.
Auf der Vollversammlung der Bischöfe fielen auch einige Personalentscheidungen: Der Augsburger Bischof Bertram Meier ist weiterhin für den interreligiösen Dialog zuständig, der Münchner Kardinal Reinhard Marx wurde als Kultur-Bischof beauftragt. Seit 2021 war der Erzbischof von München Medienbischof. Dieses Amt übernimmt nun Georg Bätzing, Bischof von Limburg und ehemaliger Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz. Herwig Gössl, Erzbischof von Bamberg, wird Beauftragter der Bischofskonferenz für die Caritas.

