Früher waren es „Cold Calls“ – unerwartete Telefonanrufe – heute sind es KI-generierte Werbung und gefälschte Promi-Profile, die unrealistisch hohe Renditen versprechen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, kurz SdK, widmet der Abzocke über soziale Medien in diesem Jahr ein ausführliches Kapitel.
Millionen-Risiko Bitcoin-Betrug
Bekannte, seriöse Finanzexperten erscheinen in täuschend echten KI-Videos. Wer sich darauf einlässt, der wird meist in eine Gruppe auf Telegram oder WhatsApp eingeladen. Dort gibt es „Tipps“ zu Aktien oder Kryptowährungen. Manchmal geht es auch um gezielte Marktmanipulation. Das heißt, früher oder später investiert das Opfer in eine sehr billige Aktie, mit der sich die Betrüger schon vorher eingedeckt hatten. Sie verkaufen dann mit Gewinn, während das Opfer auf den Verlusten sitzenbleibt.
Richtig gefährlich wird es bei Handelssystemen, bei denen die Anleger auf eine manipulierte Investmentplattform gelockt werden. Mehrmals überweist das Opfer Geld; angeblich entstehen Gewinne. Am Ende droht aber der Totalverlust; die Plattform wird plötzlich geschlossen, und eine Auszahlung ist nicht mehr möglich.
Dirk Müller, Günther Jauch und selbst der Kanzler
Die Prominenten, deren guter Ruf missbraucht wird, können sich kaum dagegen wehren. Die Betrüger sitzen meist im Ausland, was die Strafverfolgung schwierig macht. Wer mit viel Aufwand erreicht, dass ein Account in den sozialen Medien gelöscht wird, der macht die bittere Erfahrung, dass sofort ein neues Fake-Profil anderswo auftaucht.
Die SdK spricht von einem möglichen Interessenskonflikt. Es besteht der Verdacht, der Meta-Konzern (Facebook, Instagram, WhatsApp) würde betrügerische Accounts oft verspätet löschen. „Vermutlich, weil diese Täter große Summen für Werbung auf den Plattformen ausgeben. Eine Studie des Fintechs Revolut zeigt, dass 54 Prozent aller Anlagebetrugsfälle über Metas Plattformen laufen“, so die SdK in ihrem „Schwarzbuch Börse“.
Zu den geschädigten Prominenten gehört auch Thomas Kehl von der Plattform Finanzfluss. Der Finfluencer, also Finanz-Influencer, hat Klage vor dem Landgericht Frankfurt eingereicht. Er fordert, dass Meta proaktiv Maßnahmen einsetzt, wie einen Bildabgleich und eine IP-Clustererkennung, um die falschen Profile schneller zu erkennen.
Die Finanzmarktaufsicht BaFin (externer Link) informiert regelmäßig über die aktuellen Betrugsmaschen. Die Behörde wurde laut SdK aber selbst schon zum Opfer solcher Deepfakes.

