Chef oder Chefin sein ist bei vielen deutschen Arbeitnehmern offenbar nicht mehr sonderlich beliebt – zu viel Arbeit, zu viel Verantwortung und zu wenig Privatleben. Der deutschen Wirtschaft fehlten im vergangenen Jahr mehr als 28.000 Führungskräfte – doppelt so viele wie 2015. Das hat eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft herausgefunden. Für viele Unternehmen ein Problem, sagt die Autorin der Studie, Regina Flake, weil „Vakanzen in Führungspositionen häufig besonders große Folgen für die Geschäftsprozesse haben“.
Die Gründe: Zu viel Verantwortung, zu wenig Privatleben
Laut einer repräsentativen Befragung von gut 3.100 Beschäftigten ohne Leitungsfunktion kann sich nur jeder – oder jede – Siebte vorstellen, eine Führungsposition zu übernehmen, falls der Arbeitgeber dies anbietet (14 Prozent). Weitere 40 Prozent ziehen das nur unter Umständen in Betracht, 43 Prozent lehnen Führungsaufgaben ab. Bei Männern ist die Bereitschaft tendenziell etwas größer.
Die Gründe: Die Befragten scheuen die zusätzliche Arbeitsbelastung (77 Prozent), wollen nicht mehr Verantwortung (75 Prozent) und sie fürchten, nicht mehr genug Privatleben zu haben (73 Prozent). Für viele Befragte ist dafür der Einkommenszuwachs nicht groß genug und sie fürchten, dass ihre Beziehungen zu den Kollegen darunter leiden könnten (je 48 Prozent). Laut Autorin Flake sind Führungsjobs deshalb nicht mehr so attraktiv, weil Status und Privilegien nicht mehr so wichtig sind wie früher: „Ein Führungsangebot wird nicht automatisch als Belohnung wahrgenommen.“
Rat an die Firmen: Mehr Flexibilität und Unterstützung
Wenn Beschäftigte sich für eine Chefstelle interessieren, dann tun sie das meist, weil sie mehr verdienen wollen (95 Prozent). Wichtig sind auch mehr Einfluss und Entscheidungsfreiheit (85 Prozent). Viele legen Wert darauf, einen eigenen Führungsstil entwickeln zu können.
Sollten die Firmen Führungsjobs also besser bezahlen? Nein, meint Studienautorin Regina Flake. Vielmehr müssten die Führungsjobs besser mit dem Privatleben vereinbar sein. Vor allem Frauen und Teilzeitbeschäftigte wären eher bereit, auf den Chefsessel zu steigen, wenn er mehr Flexibilität böte, zum Beispiel auch in Teilzeit oder im Homeoffice.
Außerdem könnten die Unternehmen den Einstieg ins Chefleben erleichtern, indem sie Mitarbeitenden zuerst einmal eine stellvertretende Leitungsposition anbieten oder ihnen einen Mentor oder Coach zur Seite stellen. Flake: „Viele Beschäftigte schrecken vor Führung zurück, weil sie einen Sprung ins kalte Wasser befürchten.“
Mit Informationen der dpa

