Eines vorneweg: Mit dem „E“ hat es nichts zu tun, dass Reifen für E-Autos teurer sind. Stromer brauchen keine Extra-Reifen. Da sie aber aufgrund der schweren Akkus meist deutlich mehr wiegen als vergleichbare Verbrenner, benötigen sie auch andere Reifen, und das macht den Unterschied.
Wie der Preis für Reifen entsteht
Viele Faktoren bestimmen, wie teuer ein Reifen ist. Der eine Hersteller verlangt für seine Marke mehr als der andere. Dann kann auch ein Auslaufmodell günstiger sein als der Nachfolgerreifen. Außerdem spielt neben den Rohstoffkosten die Qualität ebenso eine Rolle wie die Größe.
So kostet ein Reifen für einen Kleinwagen natürlich weniger, da man eine kleinere Reifendimension braucht, als einer für ein Mittelklasse- oder Oberklassemodell. Durch die kleinere Dimension braucht man auch weniger Material. Eine Rolle spielen daneben auch noch der Geschwindigkeits- und Tragfähigkeitsindex. Ist der Reifen also für höhere Geschwindigkeiten oder schwere Fahrzeuge ausgelegt, dann brauchen sie ein entsprechend stabileres Grundgerüst.
E-Autos sind schwerer – die Reifen deshalb meist teurer
Der Leiter der Fahrzeugtechnik & Sicherheitsforschung im Allianz Zentrum für Technik (AZT), Carsten Reinkemeyer, sieht seit längerem schon den Trend zu immer größeren Autos. Gerade mit den Batterien der Elektroautos sei das noch mal ein größerer Schritt, so dass man hier tatsächlich höhere Fahrzeuggewichte und auch grundsätzlich größere Autos finde. So wiegt zum Beispiel ein VW ID.3 im Vergleich zu einem vergleichbaren VW Golf rund 500 Kilogramm mehr. Das erfordert eben auch andere Reifen mit einem entsprechenden Tragfähigkeitsindex.
Besondere Dämmung bei Elektroauto-Reifen erwünscht
Reinkemeyer macht noch auf einen anderen Unterschied aufmerksam. Elektroautos sind deutlich leiser. Insofern sind die Abrollgeräusche der Reifen deutlicher zu hören als bei einem Verbrenner. Damit auch diese Geräusche entsprechend leiser werden, sind in den Reifen für Stromer zum Beispiel zusätzliche Schäume auf der Innenseite der Lauffläche verbaut. Und die Hersteller produzieren größere Reifen, die leichter abrollen. Während die Reifengröße beim VW Golf zum Beispiel im Normalfall bei 15 oder 18 Zoll liegt, startet der ID.3 erst bei 18 Zoll und geht dann auf 20 Zoll hoch.
Besitzer sollten auf jeden Fall mehrere Angebote einholen
Nach Einschätzung des ADAC ist es aber nicht erforderlich, speziell als E-Auto-Reifen gekennzeichnete Modelle zu kaufen. Man müsse aber die oben aufgeführten Anforderungen bedenken.
Auf die Frage, wie viel der Besitzer eines E-Autos jetzt mehr bezahlen müsse, erklärte der zuständige Pressesprecher bei Continental, Patrick Erdmann, dass dem Zulieferer dazu keine belastbaren Marktdaten vorlägen. Unterschiede ergäben sich in erster Linie aus den jeweils benötigten Reifendimensionen und technischen Spezifikationen des Fahrzeugs und nicht allein aus der Antriebsart. Moderne Continental-Winterreifen erfüllten die Anforderungen von Elektrofahrzeugen ebenso wie die von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, fügt er hinzu. Aufgrund der großen Unterschiede auch zwischen den Marken und individuellen Anforderungen sollte man auf jeden Fall Produkte vergleichen.

