SMR steht für Small Modular Reactors – also kleine, modular aufgebaute Reaktoren. Das „klein“ bezieht sich dabei weniger auf die benötigte Fläche. Denn auch für ein sogenanntes Mini-AKW braucht man umgerechnet mehrere Fußballfelder. Vergleichsweise „klein“ ist vielmehr die Leistung der neuartigen Nuklearanlagen. Sie liegt in etwa bei einem Viertel bis der Hälfte herkömmlicher Atomkraftwerke.
Kraftwerke vom Fließband
Der Knackpunkt aus Sicht von Herstellern und Betreibern ist allerdings das Wort „modular“. Herkömmliche AKWs sind teure Einzelprojekte, bei denen Genehmigungen, Zertifizierungen und Bau extrem viel Zeit und Geld verschlingen. Industrievertreter wie Thomas Thiemann von Siemens Energy argumentieren, das wäre bei SMRs anders. Es gäbe quasi AKWs von der Stange mit standardisierten Bauteilen aus einer Serienfertigung.
Dafür könnten die Hersteller – ähnlich wie bei Autos oder Flugzeugen – sogenannte Typ-Zertifizierungen beantragen und danach baugleiche Anlagen produzieren. Ein Geschäftsmodell, das sich allerdings erst dann lohnt, wenn Kunden solche baugleichen Kraftwerke in größeren Stückzahlen bestellen.
Siemens Energy kooperiert mit Rolls-Royce
Bei Siemens Energy sieht man jedenfalls großes Potenzial für solche Konzepte. Das Unternehmen erklärte vor einem Jahr, man wolle mit dem britischen Konzern Rolls-Royce kooperieren, der an einem eigenen SMR arbeitet. Siemens Energy würde dafür die sogenannte konventionelle Insel liefern, also zum Beispiel die Turbinen für den nicht-nuklearen Teil des Kraftwerkes. Ob sich die Mini-AKWs in der Praxis durchsetzen und auch rechnen, ist allerdings umstritten.
So scheiterte Ende 2023 ein viel beachtetes Projekt im Westen der USA, weil die Kosten erheblich über ersten Prognosen lagen. Der Strom wäre damit deutlich teurer gewesen als Energie aus Windkraft oder Solaranlagen. Hinter dem Projekt stand mit NuScale Power ein US-Unternehmen, das trotz dieses Rückschlages nach eigenen Angaben an weiteren Anlagen arbeitet.
Projekte in den USA, Kanada und China
Die US-Regierung hat sich von dem 2023 gescheiterten SMR-Projekt in der Nähe von Idaho Falls allerdings nicht abschrecken lassen und will weiter Geld in die Entwicklung kleiner AKWs stecken. Ein wesentlicher Baustein ihrer künftigen Nuklear-Strategie ist der Osten des Bundesstaates Tennessee. In den abgelegenen Tälern der Appalachen wird rund um den Ort Oak Ridge seit den 1930er-Jahren zivile und militärische Atomforschung betrieben. Dort sollen in den kommenden Jahren nicht nur neue, kleine Kraftwerke entstehen, sondern auch eine Wiederaufbereitungsanlage und ein Forschungszentrum zur Kernfusion.
Kanada wiederum hat im vergangenen Jahr die Baugenehmigung für vier kleine Reaktoren erteilt. Die Hersteller Hitachi und GE sollen sie für 15 Milliarden US-Dollar neben dem bereits bestehenden Kernkraftwerk Darlington errichten und teilweise bereits 2030 in Betrieb nehmen. Noch schneller könnte es in China gehen. Dort soll das Projekt „Linglong One“ in der südchinesischen Provinz Hainan noch in diesem Jahr ans Netz gehen. Es wäre der erste kommerzielle SMR an Land – in Russland gibt es bereits eine schwimmende Anlage.
EU will die Entwicklung der Kraftwerke fördern
Auch wenn bisher der Beweis für einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb fehlt – die Europäische Union will die Entwicklung von kleinen Reaktoren in den kommenden Jahren ebenfalls fördern. In Brüssel ist man der Ansicht, es gebe angesichts des rasant wachsenden Strombedarfs die realistische Chance für eine Renaissance der Atomenergie.
Damit deutet sich eine energiepolitische Kehrtwende an. In den vergangenen Jahren hatte die EU vor allem auf den massiven Ausbau der Energieerzeugung aus regenerativen Quellen gesetzt. Künftig könnte der Fokus wieder auf mehr Atomstrom liegen. So erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der vergangenen Woche, es sei ein strategischer Fehler für Europa gewesen, „einer zuverlässigen, erschwinglichen und emissionsarmen Energiequelle den Rücken zu kehren“.
In Deutschland eher keine AKW-Renaissance
Die EU will nun die Entwicklung von SMR-Anlagen mit 200 Millionen Euro fördern. Inwieweit sich Deutschland beteiligt, ist offen. In der Bundesregierung gehen die Meinungen hierzu auseinander. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte den hiesigen Atomausstieg irreversibel. Und Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) gab einer möglichen Rückkehr zu Atomkraftwerken eine klare Absage [externer Link]. Positive Stimmen zu einem Engagement gab es dagegen unter anderem von CSU-Generalsekretär Martin Huber.

