„Engpassberuf“ nennt die Bundesagentur für Arbeit Berufe, in denen so viele Arbeitskräfte fehlen, dass der Bedarf nur mit ausländischen Arbeitnehmern gedeckt werden kann. Das ist in der Pflege, der Gastronomie, aber auch bei Berufskraftfahrern der Fall. Wie überall in Deutschland fehlen dementsprechend auch in Oberfranken Busfahrer. Deshalb hat die Arbeitsagentur Bamberg-Coburg bereits vor zwei Jahren ein ungewöhnliches Projekt gestartet und in Spanien Menschen angeworben, die hier zu Lkw- und Busfahrern fortgebildet wurden.
Spanische Busfahrer in der Fränkischen Schweiz
Einer von ihnen ist Mamadou Mane Seydi. 2024 kam er gemeinsam mit 21 weiteren angehenden Bus- und Lkw-Fahrern aus Spanien nach Oberfranken und nahm an der Qualifizierungsmaßnahme teil. Diese startete mit einem sechsmonatigen Sprachkurs, anschließend durchliefen die Teilnehmer die Führerscheinausbildung. Bis auf zwei haben alle die Prüfung bestanden. Seit einem Jahr fährt Mane Seydi nun Linienbusse durch die Fränkische Schweiz, beispielsweise zwischen Pegnitz und Ebermannstadt. Die ländliche Umgebung ist ungewohnt für den 47-Jährigen, der aus der Millionenstadt Valencia kommt, wo seine Familie immer noch wohnt. „Ich komme aus der Großstadt, jetzt ist alles neu für mich, aber ich bin zufrieden hier, mir gefällt‘s!“, sagt Mamadou Mane Seydi.
Mangel an Busfahrern nimmt zu
Vor allem bei den Busfahrern habe das Arbeitsmarktprojekt sehr gut funktioniert, sagt Wilhelm Schmitt von der Bamberger Arbeitsagentur, der das Projekt mit ins Leben gerufen hat. Alle sind nach ihrer Ausbildung geblieben und steuern jetzt für Schmetterling Reisen Busse in ganz Nordbayern. Die Firma hat 150 Busse und 300 Fahrer. Junior-Chef Jonathan Singer erklärt, warum das Unternehmen an dem Projekt teilnimmt: „Für uns ist es immer wichtig, neue Fahrer zu gewinnen und Personal zu qualifizieren, auch aus demografischer Sicht. Denn in den nächsten zehn Jahren werden über 50 unserer Leute in Rente gehen.“
Anwerbung zu fairen Bedingungen
Die Fortbildung zum Berufskraftfahrer wird von der Arbeitsagentur Bamberg-Coburg finanziert. Angeworben wurden die Spanier durch die zentrale Auslandsfachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Schmitt erklärt, warum Spanien für die Anwerbung ausgewählt wurde: „Wir rekrutieren dort, wo es dem Markt nicht schadet, wo also ein Überangebot an Arbeitskräften vorhanden ist, die arbeitslos sind. Im Sinne der EU-Freizügigkeit wollen wir dort rekrutieren, denn faire Migration ist uns wichtig, (…) wir wollen Leute nicht dort abwerben, wo sie gebraucht werden.“
Viel Unterstützung durch Arbeitgeber nötig
Die Ausbildung hat gut geklappt – damit die Busfahrer aber auf Dauer in Deutschland bleiben, brauchen sie viel Unterstützung, auch vom Arbeitgeber sagt Jonathan Singer: „Bei Behördengängen, Kontoeröffnung, Anmeldung bei der Gemeinde, Wohnung finden, Familie nachholen, Kindergartenanmeldung. Das sind alles Baustellen, die man mitgehen muss, die sehr viel Zeit erfordern, und die auch aufwendig sind. Aber im Nachhinein, wenn man dann eben zuverlässig gute Mitarbeiter hat, war’s das dann doch wert.“
Pilotprojekt wird wiederholt
Seit diesem Monat sind 22 weitere angehende Bus- und Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen aus Spanien in der Fortbildung. Sie waren in ihrer Heimat beispielsweise an der Supermarktkasse oder in der Gastronomie beschäftigt. Alexei Bogrin aus Barcelona sagt: „Das ist eine gute Chance für mich, ich kann meinen Busführerschein machen und später auch ein bisschen mehr verdienen.“ Und Mohamed Ali aus Gran Canaria ergänzt: „In Spanien arbeiten wir manchmal und manchmal nicht, und hier in Deutschland können wir stabil arbeiten für eine lange Zeit.“ Das ist der Wunsch aller Beteiligten: Wenn alles nach Plan läuft, werden weitere 15 Spanier ab nächstem Jahr Busse durch Oberfranken steuern – denn dort werden sie dringend gebraucht.

