Genau 330.844 Menschen waren Mitte September im Freistaat arbeitslos gemeldet. Das sind 3.237 weniger als einen Monat zuvor. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent und bleibt damit im Vergleich der Bundesländer die niedrigste. Dass die Quote erstmals seit langem wieder identisch mit der des Vorjahres ist, zeigt für den Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, Markus Schmitz, „dass Stabilisierung in Sicht ist“. Zumindest der Anstieg der Arbeitslosigkeit sei gebremst, so Schmitz im Gespräch mit BR24. Sorgen mache ihm aber, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weiterhin leicht zurückgeht, vor allem weil die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.
Lichtblick Oberpfalz
Gegen den Trend ist in der Oberpfalz die Zahl der Beschäftigten leicht gestiegen. Der Regierungsbezirk weist derzeit gemeinsam mit Niederbayern und Schwaben die bayernweit niedrigste Arbeitslosenquote (3,9 Prozent) auf. In der Stadt Amberg sei die Arbeitslosigkeit – ähnlich wie im niederbayerischen Landshut und dem Landkreis Straubing-Bogen – besonders stark zurückgegangen, heißt es von den Arbeitsagenturen. Zurückzuführen sei das vor allem darauf, dass die Auftragslage der Bauunternehmen sich verbessert habe.
Gemischtes Bild in Schwaben und Oberbayern
Auch der oberbayerische Arbeitsmarkt stabilisiert sich laut Agenturchef Schmitz. Zwar gebe es den Arbeitsplatzabbau bei den großen Automobilherstellern. „Aber gerade am Standort München zeigt sich, dass dort die Rüstungsindustrie Fahrt aufnimmt, das gibt Hoffnung.“ Freilich könne diese Branche nur Teile der Arbeitsplatzverluste ausgleichen. Die oberbayerische Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent entspricht dem bayerischen Durchschnitt. Allerdings liegt sie in der Landeshauptstadt München mit 5,7 Prozent deutlich höher. Im Vergleich der Millionenstädte in Deutschland ist das aber der geringste Wert.
Als besonders stabil gilt der schwäbische Arbeitsmarkt. Arbeitsplatzverluste im Maschinenbau oder zuletzt beim Nördlinger Batteriehersteller Varta würden dort regelmäßig von mittelständischen Handwerks- und Industriebetrieben ausgeglichen. Auch Schwaben profitiere vom Rüstungsboom, vor allem im Flugzeugbau.
Zunehmende Probleme in Franken
Noch immer bleibt Mittelfranken unter den Regierungsbezirken das Arbeitsmarkt-Schlusslicht mit einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent. Dafür ist vor allem die hohe Arbeitslosigkeit in der Metropole Nürnberg (7,4 Prozent) verantwortlich. Allerdings ging die Quote dort zuletzt zurück, was die Arbeitsagenturen auf ihre „aktive Arbeitsmarktpolitik“, also vor allem auf viele Weiterbildungsmaßnahmen, zurückführen. Zugleich meldet mittlerweile der Landkreis Roth mit 2,4 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote im Freistaat.
Quoten unter drei Prozent gibt es aktuell sonst nur in acht südbayerischen Landkreisen und dem oberfränkischen Landkreis Bamberg. Bayernweit am höchsten liegt die Arbeitslosenquote mit 8,2 Prozent in der Stadt Hof. Dass die Arbeitslosigkeit hier und im gesamten Nordosten Oberfrankens besonders hoch ist, „liegt daran, dass wir die Transformation nicht so wirklich vorangebracht haben“, analysiert Schmitz. Das betreffe insbesondere den Umstieg von der Verbrennertechnologie auf Elektromobilität.
Arbeitsagenturen wünschen sich mehr Strukturpolitik
Sowohl für Oberfranken als auch für Unterfranken ist nach Ansicht der Arbeitsagenturen mehr Strukturpolitik notwendig. Gerade an Standorten wie Aschaffenburg (Arbeitslosenquote 8,1 Prozent) und Schweinfurt (7,6 Prozent) müsse die Politik helfen. Erforderlich sei eine „Kombination von Hochschulen, Technologietransfer- und Gründerzentren, damit neue Geschäftsideen entstehen“, so Schmitz. Andere Bereiche Bayerns seien damit „sehr erfolgreich“, Unterfranken habe da Nachholbedarf. Das zeige sich auch daran, dass die Arbeitslosigkeit hier, anders als im bayerischen Durchschnitt, um 0,2 Prozentpunkte gestiegen sei.
Fachkräftebedarf bleibt Herausforderung
Auch wenn eine Trendwende am bayerischen Arbeitsmarkt noch nicht in Sicht sei, rechnen die Arbeitsagenturen bald mit „großen Herausforderungen hinsichtlich des Bedarfs an Fachkräften“. Der Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auf zuletzt bayernweit 5,93 Millionen Personen sei weniger dem Abbau von Arbeitsplätzen geschuldet als dem Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsmarkt. Deshalb brauche es „wirksame Ansätze für qualifizierte Zuwanderung“, so Bayerns Agenturchef Schmitz. Dafür sei ein „Klima der Offenheit“ wichtig: „Wir müssen in der öffentlichen Diskussion sehr darauf achten, dass Bayern ein Land ist, das die Menschen willkommen heißt.“

