Nach einigen Krisenjahren hofft die Baubranche in diesem Jahr auf eine Trendwende: Der sogenannte „Bau-Turbo“ und das Investitionsprogramm der Bundesregierung sollen dem Baugewerbe mehr Aufträge verschaffen. In manchen Regionen bereitet man sich deshalb jetzt schon auf einen steigenden Fachkräftebedarf vor. Dementsprechend groß ist die Nachfrage nach einer von der Arbeitsagentur Coburg ins Leben gerufenen Fortbildung zum Baumaschinenführer.
Führerschein für Bagger, Kran und Kettensäge
Insgesamt sechs Wochen dauert die Ausbildung, an deren Ende die rund 20 Teilnehmer eine Führerschein-Prüfung für die verschiedensten Baufahrzeuge ablegen. Nach zwei Wochen Theorie startet nun die Praxisausbildung bei einem Baumaschinenverleih in Neustadt bei Coburg.
Ausbildungsleiter Ulrich Geldner sagt: „Wir haben Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen – manche haben schon Baumaschinen gelenkt, für andere ist das wie der erste Tag beim Auto-Führerschein.“ Neben den Baumaschinen lernen sie auch die Bedienung von Gabelstablern, Kettensägen und Hubsteigern.
Breite Ausbildung verbessert die Chancen am Arbeitsmarkt
Damit sei die Ausbildung nicht nur für Bauarbeiter geeignet, sondern beispielsweise auch für Fensterputzer oder Forstarbeiter. Geldern erklärt: „Die Leute sollen möglichst pauschal ausgebildet werden, so dass sie dann breite Einsatzmöglichkeiten haben und jeder hinterher gute Chancen hat, einen Job zu finden.“
Viele der Teilnehmer werden von ihren Arbeitgeber in Kurzarbeit geschickt, wenn die Baustellen zwischen Dezember und März still stehen. Pro Jahr betrifft das in Bayern rund 50.000 Beschäftigte in der Baubranche. Besonders oft werden weniger qualifizierte Arbeiter ausgestellt – deshalb haben einige von ihnen sich hier angemeldet. Sie hoffen damit, in Zukunft auch im Winter durcharbeiten zu können und nicht von Saison-Kurzarbeitergeld leben zu müssen.
Forschungsinstitute: Mehr Beschäftigte am Bau
Laut dem IFO-Beschäftigungsbarometer vom Februar 2026 (externer Link) ist die Baubranche die einzige, in der mit einer Zunahme von Beschäftigten gerechnet wird. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit Sitz in Nürnberg.
In einem Kurzbericht gibt das IAB einen Ausblick auf das Jahr 2026 (externer Link). Darin heißt es: „Das Baugewerbe (…) profitiert vom Sondervermögen, das steigende Ausgaben für die Infrastruktur ermöglicht. Hinzu kommt, dass weiterhin eine hohe Nachfrage nach Wohnraum besteht. Daher rechnen wir hier nach einem Minus von 10.000 Beschäftigten im Jahr 2025 für 2026 mit einer Erholung und im Jahresverlauf leicht steigender Beschäftigung.“
Win-Win-Situation für alle Seiten
Andrea Böhme, Arbeitsvermittlerin bei der Arbeitsagentur Coburg, sagt, der Kurs sei auch auf Nachfrage der Arbeitgeber ins Leben gerufen worden und schnell ausgebucht gewesen. Die Arbeitsagentur trägt die Kosten für die Maßnahme, die sich für alle Seiten lohnen soll: Die Arbeitgeber, die im Frühjahr, wenn es auf den Baustellen wieder richtig los geht, gut ausgebildete Fachkräfte finden. Die Arbeitnehmer, die in kommenden Wintern nicht mehr auf Saison-Kurzarbeitergeld angewiesen sein sollten und die Arbeitsagenturen, die dieses auszahlen müssten.

