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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Solidarität und Kritik: Zukunft von Berlinale-Chefin offen
Kultur

Solidarität und Kritik: Zukunft von Berlinale-Chefin offen

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 26. Februar 2026 21:46
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte für heute eine Sondersitzung zur Zukunft der Berlinale einberufen. Sie ging offenbar ohne konkrete Ergebnisse zu Ende. Die Gespräche würden in den kommenden Tagen fortgesetzt, sagte ein Sprecher der Kulturstaatsministers. Tuttle, die seit 2024 das Festival leitet, wird vorgeworfen, sich nicht angemessen gegen Israel-Kritik und antisemitische Aussagen von Teilnehmenden auf der Berlinale positioniert zu haben. Bereits am Mittwoch wurde spekuliert, ob das möglicherweise ihr Aus als Berlinale-Chefin bedeuten könnte. Breite Unterstützung erfährt Tuttle nun aus der deutschen und internationalen Filmbranche.

Inhaltsübersicht
Filmakademie: Kunstfreiheit in Gefahr!Berlinale-Preisträger Çatak droht mit Berlinale-BoykottTilda Swinton verteidigt TuttleIsraelische Filmschaffende gegen Abberufung von TuttleCDU-Kulturpolitikerin: „Neuanfang dringend geboten“

Filmakademie: Kunstfreiheit in Gefahr!

Die Deutsche Filmakademie sieht in einer möglichen Absetzung einen Versuch der politischen Einflussnahme, gar einen Einschnitt in die Kunstfreiheit und die Autonomie kultureller Institutionen. In einer Pressemitteilung von Mittwochabend betont sie, worauf es bei der Berlinale ankomme: „Genau das ist der Kern eines unabhängigen Filmfestivals: künstlerische Ausdrucksformen zu präsentieren, Debatten zu ermöglichen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.“ So müsse die Kunst auch für kontroverse, schmerzhafte und widersprüchliche Stimmen Räume schaffen.

Berlinale-Preisträger Çatak droht mit Berlinale-Boykott

Den offenen Brief der Deutschen Filmakademie haben bereits über 2.000 Menschen unterzeichnet, darunter auch bekannte Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Daniel Kehlmann oder Regisseur und Jurypräsident der Berlinale, Wim Wenders. Wenders hatte bereits selbst für eine Debatte auf der Berlinale gesorgt, als er im Rahmen einer Pressekonferenz zur Rolle des Festivals in Bezug auf Israel und Gaza sagte, dass sich das Festival aus der Politik raushalten müsse.

Zu weiteren Unterzeichnern gehört auch der Berliner Regisseur Ilker Çatak. Çatak hat für sein Politdrama „Gelbe Briefe“ den diesjährigen Goldenen Bären der Berlinale gewonnen. Gestern, bei einer Filmvorführung in Berlin, soll er mehreren Medienberichten zufolge dem Festival mit Boykott gedroht haben. Würde die Antisemitismus-Debatte reale Konsequenzen für Direktorin Tuttle haben, würde er nie wieder einen seiner Filme auf der Berlinale zeigen. Und Kollegen aus der Branche würden ihm damit höchstwahrscheinlich folgen.

Tilda Swinton verteidigt Tuttle

Auf die Berlinale als freien Diskursort mit ihrer institutionellen Unabhängigkeit pochen auch Schauspieler wie Jella Haase, Maximilian Mundt und Hollywood-Star Tilda Swinton. Sie gehören zu den Unterzeichnern eines weiteren offenen Briefes, initiiert durch einen Zusammenschluss mehrerer Filmschaffender. Swinton hatte während der Berlinale noch einen Brief unterzeichnet, der der Berlinale eine Zensur palästinensischer Stimmen vorgeworfen hatte.

Auch Statements seitens des Bundesverbands Regie und der Europäischen Filmakademie lesen sich ähnlich. Die Europäische Filmakademie betont, dass die Berlinale unter der Führung Tricia Tuttles ihre Rolle als wichtiges, internationales Festival für den europäischen Film weiter festigen konnte. Der Bundesverband Regie würdigt die „neue Aufbruchsstimmung“, die sich durch Tuttle entfacht habe.

Israelische Filmschaffende gegen Abberufung von Tuttle

Auf Instagram postete der israelische Filmemacher Tom Shoval ein Bild von sich und Tricia Tuttle aus dem letzten Jahr. Dazu schreibt er, dass Tuttle eine „unersetzliche Bereicherung für die Berlinale“ sei und sich stark für die von der Hamas beim Terroranschlag am 7. Oktober entführten Geiseln eingesetzt habe. So zum Beispiel, indem sie die Dringlichkeit seines Filmes „A Letter to David“ erkannt habe und ihn letztes Jahr auf der Berlinale würdigte. Der Dokumentarfilm um David Cunio, eine der entführten Geiseln, feierte auf der Berlinale seine Weltpremiere.

CDU-Kulturpolitikerin: „Neuanfang dringend geboten“

Die CDU-Kulturpolitikerin Ellen Demuth hält dagegen auch nach dem ersten Krisengespräch zur Zukunft der Berlinale an einer Ablösung von Festival-Chefin Tricia Tuttle fest. „Die antisemitischen Ausfälle bei der Preisverleihung in diesem Jahr waren mit Ansage“, sagte Demuth am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Der Umgang der Berlinale-Leitung damit sei nicht angemessen gewesen. 

Mit Informationen von dpa und AFP

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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