Der neue Ölpreisschock nach der Eskalation im Nahen Osten ist an den Tankstellen angekommen – und zwar schnell. In Deutschland kletterten die Preise innerhalb weniger Tage deutlich nach oben. Laut ADAC stieg der Liter Diesel zuletzt (Stand 4.3.) um rund 25 Cent, Benzin verteuerte sich um 15 bis 20 Cent je Liter. Nicht überall in Europa sind solche Preissprünge aufgetreten – eine Auswahl:
Benzin und Diesel: Nachbarländer besonders teuer
In den unmittelbaren Nachbarländern hingegen schon: Zwischen Sonntag und Mittwoch verteuerte sich der Dieselpreis in Österreich um 19,9 Cent, Super E10 stieg im selben Zeitraum sogar um 24,7 Cent je Liter. Auch in Dänemark schlug der Preisschub durch: Der Liter Diesel kostete am Mittwoch umgerechnet 22 Cent mehr als noch am Sonntag. E10 stieg dort dagegen vergleichsweise moderat – um 5,8 Cent je Liter.
Französische Tankstellen verlangten für den Liter Diesel zuletzt 11,3 Cent mehr als in der Vorwoche. In Belgien legte der E10-Preis im Vergleich zur Vorwoche um 4,3 Cent zu. In Spanien waren es 6,9 Cent. Es zeigt sich: Der Preisanstieg ist kein rein deutsches Phänomen – er betrifft weite Teile Europas, wenn auch unterschiedlich stark.
ADAC: „Unangemessene Preissetzung“
Scharfe Kritik kommt vom ADAC. Der Automobilclub wirft der Mineralölwirtschaft vor, den Anstieg des Rohölpreises nahezu ohne Zeitverzug an die Verbraucher weitergegeben zu haben – obwohl die höheren Beschaffungskosten noch gar nicht angefallen seien. „Die Tanklager sind noch voll mit Kraftstoffen, die zu deutlich niedrigeren Ölpreisen eingekauft wurden“, erklärt eine Sprecherin des ADAC. „Deshalb ist der mit Beginn der Irankrise erfolgte Anstieg der Benzinpreise derzeit unverhältnismäßig.“
Die Branche argumentiere, sie müsse die Preise jetzt so stark erhöhen, um künftig teureres Rohöl erwerben zu können. Das hält der ADAC für nicht stichhaltig. „Fehlende Liquidität ist kein überzeugendes Argument“, heißt es vom Verband. In der Vergangenheit seien die Preise am Ende von Hochpreisphasen schließlich auch nicht so schnell gesunken wie zuvor gestiegen. „Auch für Autofahrer geht es um Liquidität“, betont die Sprecherin.
Forderung: Spritpreisbremse
Zugleich begrüßt der ADAC, dass die Koalitionsfraktionen eine Task-Force zur Entwicklung der Energiepreise eingesetzt haben. Die Politik müsse nun rasch handeln. „Für die Dauer der Krise sollte eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe geprüft werden“, fordert der Club. Diesel könnte demnach auf den EU-Mindeststeuersatz abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. „Das würde für rund 15 Cent Entlastung je Liter sorgen“, so der ADAC.
Ein Vorbild gibt es: Zu Beginn des Ukrainekriegs 2022 hatte Deutschland die Energiesteuersätze im Rahmen des sogenannten Tankrabatts temporär auf den EU-Mindeststeuersatz abgesenkt – parallel wurde das 9-Euro-Ticket eingeführt.
Kartellamt beobachtet Entwicklung – aber mit Grenzen
Auch das Bundeskartellamt verfolgt die Preisentwicklung genau. „Wir analysieren die Preisentwicklung mit der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe ohnehin fortlaufend und stehen darüber auch in engem Austausch mit dem Wirtschaftsministerium“, erklärt Präsident Andreas Mundt: „Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne zeigen, würden wir konsequent dagegen vorgehen.“ Zugleich dämpft Mundt Erwartungen an schnelle Eingriffe: „Es gibt kein Instrumentarium, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern.“
Selbst ein ungewöhnlich hoher Abstand zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den Preisen an der Tankstelle stelle keinen unmittelbaren Verdacht auf illegales Verhalten dar. „Die für die Preisbildung sehr entscheidende Raffinerie- und Großhandelsebene untersuchen wir derzeit ebenfalls in einem laufenden Verfahren“, so Mundt. Für die aktuellen Verwerfungen, insbesondere steigende Weltmarktpreise, schaffe auch das allerdings keine kurzfristige Abhilfe.

