Richtig gut ist Holger Schwannecke nicht auf die Bundesregierung zu sprechen. Er ist Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Der von der Regierung angekündigte Herbst der Reformen sei ausgefallen, sagt er. Die Regierung habe viel angekündigt, es komme aber nicht genug „auf die Straße“. Das verunsichere Betriebe und Menschen und führe zum Teil auch zu Frust. Positiv bewertet Schwannecke, dass nun Eckpunkte für ein neues Heizungsgesetz vorliegen würden. Er begrüßt, dass es deutlich mehr Technologieoffenheit geben soll, das habe man immer gefordert. Ein endgültiges Votum könne man aber erst abgeben, wenn der Gesetzentwurf vorliege.
Heizungsgesetz – Beratungsbedarf könnte steigen
Franz Leutenbauer ist da deutlich zurückhaltender. Er ist Prokurist der Gebäudetechnik-Firma Stumbaum in Schöngeising nahe Fürstenfeldbruck. Es herrsche nun zwar mehr Klarheit, allerdings rechnet Leutenbauer damit, dass der Beratungsbedarf bei den Kunden steigt. Eigentlich sollte er sich darüber freuen, dass das energetische Sanieren von Gebäuden und Wärmepumpen weiter gefördert werden. Er sieht dieses Instrument aber auch kritisch.
Das Problem sei, dass potenzielle Kunden und Auftraggeber einfach warten würden, bis eine Förderung entstehe. Es verfestige sich die Meinung, dass man für alles eine Förderung bekomme, sei es für eine Wärmepumpe oder eine Photovoltaik-Anlage.
Handwerk fehlen Fachkräfte und Auszubildende
Die Lage im Handwerk ist zur Zeit angespannt. Einige Bereiche entwickeln sich zwar positiv, wie Gebäudetechnik und Energieeffizienz. Energieintensive Betriebe, das Bauhauptgewerbe und die Lebensmittelhandwerke seien jedoch unter Druck, sagt Handwerksfunktionär Holger Schwannecke. Damit es vorwärts gehe, brauche es jetzt Impulse.
Die Bundesregierung müsse grundlegende Strukturreformen angehen. Nach wie vor seien die Firmen durch zu viel Bürokratie, hohe Steuern, Sozialabgaben und Energiepreise belastet. In diesem Jahr rechnet Schwannecke damit, dass die Zahl der Beschäftigten im Handwerk um rund 60.000 zurückgeht. Vor allem weil Personen in Rente gehen und Fachkräfte und Azubis fehlen, um die Stellen nachzubesetzen.
Handwerksmesse will Jugendliche für Berufe begeistern
Um mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, gibt es auf der Internationalen Handwerksmesse (4.-8.3.) wieder eine Aktionsfläche, auf der sie 23 verschiedene Gewerke ausprobieren können, erklärt Veranstalter Tobias Gröber. Dort könne man Teig kneten, mit Holz arbeiten oder ein Fahrrad auseinanderbauen. Er freue sich, dass man wieder Schüler dahaben werde, die teilweise zum ersten Mal in ihrem Leben an einem Werkstück arbeiten würden.
Ausbildung – Viele Jugendliche schlecht qualifiziert
Dabei ist Handwerk mehr als nur hämmern und schrauben. Das betont auch Franz Leutenbauer von der Firma Stumbaum. Die Anforderungen würden immer weiter steigen. Da sich die Technik weiter entwickele, würden auch immer mehr Kenntnisse im mathematischen Bereich verlangt. Er sieht jedoch, dass sich auch immer wieder Schüler bewerben würden, die Probleme mit Rechnen und Schreiben hätten.
Er fordert deshalb, dass in den Klassen die Schüler besser gefördert werden. Manchmal habe er den Eindruck, das Handwerk solle auffangen, was andere nicht nehmen. Um die berufliche Ausbildung aufzuwerten, fordert der Zentralverband schon seit langem die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung. Hier warte man auf ein „klares Zeichen“ von der Bundesregierung, so Holger Schwannecke. Eine gute Nachricht ist zumindest, dass sich die Zahl der Azubis im Handwerk positiv entwickelt.
Handwerksmesse soll Aufbruchsstimmung vermitteln
Der Präsident des Bayerischen Handwerkstages, Franz Xaver Peteranderl, erwartet sich von der Messe „eine Aufbruchsstimmung“ und ein positives Signal an die Kunden. Denn hier können nicht nur Jugendliche Berufe ausprobieren, sie bringt auch Betriebe mit potenziellen Kunden zusammen, ob im Bereich Wohnen & Lifestyle oder Küchen.
Außerdem können die Besucher das Handwerk hautnah erleben und einem Schreiner beim Bauen von Skaterrampen über die Schulter schauen. Oder im Uhrmachermobil mit Lupe, Pinzette und Schraubendreher selbst aktiv werden.
Food & Life – Nahrungsergänzung in Tropfenform
Die parallel stattfindende Genussmesse „Food & Life“ befasst sich vor allem mit dem Thema Backen. So zeigt die Tortengala 250 Schautorten von angehenden Konditormeisterinnen und -meistern. Und beim Wettbewerb Bayerns schnellster Bäcker geht es in verschiedenen Disziplinen um Geschick und Zeit.
Außerdem präsentieren sich wieder innovative Food Start-Ups, etwa mit gefriergetrockneten Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln in Tropfenform. Und in einer Halle findet wieder die „Garten München“ statt mit Inspirationen rund ums Gärtnern.

