Es ist eine Nachricht, die ein wenig nervös macht: Der Gasspeicher-Verband, INES, meldet infolge des Nahost-Kriegs Probleme beim Auffüllen der Reserven (externer Link). Das Erdgas, das im Sommer nach der Heizperiode sonst immer günstig war, ist nun viel teurer. Im Moment lohne es sich gar nicht, die Speicher voll zu machen, meint der Verband. Aber wie lange kann man damit warten, wenn man sicher über den nächsten Winter kommen will?
Winter mit halbleeren Gasspeichern
Der Winter ist auch die Zeit, in der verstärkt die Gaskraftwerke laufen. Sie springen ein, wenn es in einer Dunkelflaute weniger Sonnenenergie und weniger Windstrom gibt. Über neue Schiffsterminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) wurde seit dem letzten Jahr in Deutschland so viel angelandet, dass die alten Gasspeicher nur noch teilweise (zu maximal zu drei Viertel) befüllt werden mussten. Aber dieses LNG kostet am Markt jetzt mehr, weil Katar als einer der größten Produzenten ausfällt, solange Iran die Wasserstraße von Hormus blockiert.
Strompreise hängen vom Gas ab
Die höheren Gaspreise und der vermehrte Einsatz von Gaskraftwerken dürften dazu führen, dass auch der Strom in Deutschland teurer wird. So warnt das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) in einer Studie davor, dass Strom aus neuen Gaskraftwerken bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde kosten könnte und damit viel mehr als der aktuelle Durchschnittspreis. In jedem Fall ist Strom aus Gas wesentlich teurer als der aus Wind und Sonne. Wenn der Anteil von Gaskraftwerken am Strom-Mix steigt, ist das für Verbraucher also ungünstig.
Nun will aber Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Deutschland so viele neue Gaskraftwerke bauen lassen wie möglich, bis zur Obergrenze, welche die EU erlaubt. Reiche argumentiert mit Versorgungssicherheit. Das könnte aber aus Verbrauchersicht einen überaus negativen Effekt haben – zusätzlich zu den milliardenschweren Baukosten, die am Ende ohnehin bei den Verbrauchern landen – in Form, von neuen Abgaben und Steuern, wie Umweltverbände wie BUND und Deutsche Umwelthilfe bemängeln.
Wie Gaskraftwerke den Strompreis pushen
An den Energiebörsen herrscht das sogenannte Merit-Order-Prinzip. Das besagt: Das teuerste gerade benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis: der Preis für alle Anbieter richtet sich nach dem Gebot des letzten und teuersten Kraftwerks, das noch benötigt wird, um die gesamte Nachfrage zu decken. Selbst wenn nun an der täglichen Stromproduktion nur ein Gaskraftwerk beteiligt ist, können alle Produzenten, auch die von eigentlich günstigeren erneuerbaren Energien, den höchsten Lieferpreis des Gas-Stroms verlangen. Das ist gut für Energiekonzerne und schlecht für ihre Kunden.
Deutschland trifft der Effekt besonders
Nach einer Einschätzung der Marktanalysten von Wood Mackenzie vom März 2026 ist Deutschland vom jüngsten Anstieg des Gaspreises besonders stark betroffen, weil Gaskraftwerke hier besonders oft den Preis an der Strombörse bestimmen. Als Grund wird eben der Merit-Order-Effekt genannt.
Nur wenn im Sommer die Sonnenenergie oder auch die Windenergie den teureren fossilen Strom und den Gas-Strom komplett verdrängt, kommt die günstige Produktion aus den Erneuerbaren preislich auch zur Geltung. Nun wird an der Börse nur ein Teil des Stroms gehandelt. Die Tagespreise schwanken dort stark und zum Glück gibt es langfristige Lieferverträge. Aber billiger kann es mit mehr Strom aus Gas nicht werden, schon gar nicht bei den aktuellen Gaspreisen.

