Wetterextreme setzen den Kakaopflanzen zu. In der Saison 2023/2024 hatte es an der Elfenbeinküste und in Ghana – den zwei wichtigsten Anbauländern der Welt – große Ernteausfälle gegeben. Dürre, Starkregen und Pilzkrankheiten waren die Ursache. Ein internationales Forschungsteam der Harvard University und der Universität von Ghana belegt nun, dass nicht nur Trockenheit, sondern vor allem extreme Niederschläge (externer Link) maßgeblich die Ernte von Kakaobohnen beeinflussen können.
Forderung nach Warnsystem für Kakaobauern
Starker Regen könne zum Beispiel die Kakaoblüten schädigen oder Pilzbefall begünstigen. Dabei stehen extreme Niederschläge mit großräumigen Wettermustern, einer erhöhten Meeresoberflächentemperatur und letztendlich dem Klimawandel in Verbindung.
Für Anbaugebiete in Westafrika sei es aber derzeit noch schwierig, die Veränderungen in Klimamodellen effektiv abzubilden. Doch diese seien ebenso wie Warnmeldungen notwendig, damit Bäuerinnen und Bauern frühzeitig Maßnahmen ergreifen können. Denn die Bauern können in ihrer Existenz bedroht werden und haben meist kaum Rücklagen, um Ernteschäden abzufedern.
Sparmaßnahmen bei Schokoladen-Produzenten
Nach 2023/2024 folgte eine bessere Ernte. Die Kakaopreise gingen zurück, dennoch schwanken sie weiterhin stark und bei Schokoladenherstellern mit langfristigen Verträgen wirken die extrem hohen Preise der vergangenen Jahre nach.
Dabei stehen die Unternehmen nicht nur wegen Kakao- und anderer Rohstoffpreise unter Druck, sondern auch wegen der Kosten für Energie, Verpackung, Produktion oder Logistik. Zudem greifen Verbraucher seltener zu Schokolade als früher. Hersteller reagierten, drosselten zum Teil ihre Produktion und setzten unter anderem auf kakaofreie Alternativen.
Fettglasur statt Schokoüberzug
Der Druck, Kakao in Lebensmitteln zu ersetzen, habe im vergangenen Jahr zwar mit den sinkenden Preisen für den Rohstoff nachgelassen, erläutert die Verbraucherzentrale Hamburg auf BR24-Anfrage. Aber: „Aufgrund des Klimawandels und anderer Faktoren wird das Thema weiterhin von Bedeutung sein“, heißt es weiter. Die Kosten für Kakao seien weiterhin starken Schwankungen ausgesetzt und viele Hersteller werden sich nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg fragen, wie sie Kosten reduzieren können.
Auf ihrer Webseite hat die Verbraucherzentrale Beispiele aus den vergangenen Jahren gesammelt, unter anderem von Rosinen, die nicht mehr mit Vollmilchschokolade, sondern mit einer Fettglasur überzogen sind (externer Link). Dabei sei Kakaobutter komplett durch Pflanzenfette ersetzt worden. Ein anderes Beispiel ist ein Schokoriegel, der früher mit weißer Schokolade überzogen war, aber mittlerweile nur mit einer weißen Fettglasur. Hersteller würden so sparen, ohne dass es Verbraucher auf den ersten Blick sehen, monieren Verbraucherschützer.
Das Vorgehen wird auch Skimpflation (skimp ist Englisch für knausern) genannt. Das gibt es auch bei anderen Lebensmitteln, wenn zum Beispiel in einer Fertigsoße der Fleisch- oder Fruchtanteil reduziert und durch günstigere Zutaten aufgefüllt wird.
Verbraucher melden Produkte
Die Produkte werden oft von Verbrauchern gemeldet. Dies können sie zum Beispiel auf dem Portal „Lebensmittelklarheit“ tun, wo die Meldung dann von der Fachredaktion der Verbraucherzentrale Bundesverband geprüft werden und eine Stellungnahme des Herstellers eingeholt wird.
Auf dem Portal finden sich zum Beispiel Cornflakes oder Erdnüsse, die nur scheinbar von Schokolade umhüllt sind. Bei den Cornflakes, die sich etwa in einem Osterprodukt befanden, kam laut der Verbraucherschützer ein kakaofreies Schokoladenimitat aus Zucker, pflanzlichen Fetten und Sonnenblumenkernen zum Einsatz. Auch Mais, Milchpulver, Zusatz- und Farbstoffe seien enthalten gewesen. Zu erkennen sei das aber erst auf der Zutatenliste gewesen. Die Verwechslungsgefahr in solchen Fällen ist also hoch.
Schokolade enthält Kakaomasse und Kakaobutter und darf sich nach der Kakaoverordnung (externer Link) nur dann Schokolade nennen, wenn eine Gesamtkakaotrockenmasse von mindestens 35 Prozent vorliegt.
Schokoladenalternative Choviva mit klimafreundlichem Anspruch
Etwas anderes ist die Schokoladenalternative Choviva. Das Münchner Start-up „Planet A Foods“ hat bewusst ein kakaofreies Produkt entwickelt und erzeugt den schokoladigen Geschmack mit Sonnenblumenkernen aus Osteuropa statt Kakao aus Westafrika. Dazu kommen pflanzliche Fette, Zucker und zum Teil Milchpulver. Das Ziel: eine nachhaltige klimafreundliche Alternative zu Schokolade zu erreichen.
Auch wenn der Hinweis auf der Produktvorderseite aufgedruckt ist, kann es nach Aussagen von Verbraucherschützern zu Verwechslungen kommen. Zum Beispiel dann, wenn die Verpackung einer bekannten Variante mit Schokolade ähnlich sehe.
Mit Informationen von Florian Zinner, ARD-Klimaredaktion, und der Agentur epd.

