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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Krankenstand: Bayern sind öfter, aber kürzer arbeitsunfähig
Wirtschaft

Krankenstand: Bayern sind öfter, aber kürzer arbeitsunfähig

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 28. Oktober 2024 11:59
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Die Bayern waren im dritten Quartal öfter, aber kürzer krank. Darauf deuten Krankschreibungszahlen der Krankenkasse DAK hin. Auf 100 Beschäftigte kamen ihnen zufolge 40 Krankschreibungen – das sind knapp 10 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Schnitt waren die Betroffenen 10,1 Tage krankgeschrieben – einen weniger als im Vorjahreszeitraum.

Inhaltsübersicht
Krankenstand bleibt insgesamt konstantWarnung vor „Schnellschüssen“ bei telefonischer KrankschreibungÄrztekammer und Hausärzteverband befürworten Telefon-AUÄrzte: Beschäftigte nutzen das nicht ausLindner sieht Korrelation zum hohen Krankenstand

Krankenstand bleibt insgesamt konstant

Der durchschnittliche Krankenstand blieb dadurch konstant. An einem durchschnittlichen Tag waren – wie im Vorjahreszeitraum – 4,4 Prozent der Arbeitnehmer krankgeschrieben. Im bundesweiten Vergleich ist der Krankenstand in Bayern damit weiter unterdurchschnittlich. Der deutschlandweite Wert liegt bei 5,0 Prozent. 

Die beiden Hauptursachen für Fehltage waren psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen und Anpassungsstörungen mit 78 Fehltagen je 100 Versicherten. Knapp dahinter folgten Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 76 Fehltagen. Auch Atemwegserkrankungen waren mit 54 Tagen häufig, hier ergab sich zudem ein deutlicher Anstieg um gut 18 Prozent zum Vorjahresquartal. Dies sei „für ein Quartal mit vielen warmen Sommerwochen eher ungewöhnlich“, hieß es von der DAK. 

Warnung vor „Schnellschüssen“ bei telefonischer Krankschreibung

„Der anhaltend hohe Krankenstand erfordert jetzt eine seriöse und gründliche Debatte, um die wirklichen Ursachen klar zu verstehen und eine nachhaltige Lösung für die Gesundheit der Mitarbeitenden zu finden“, sagte DAK-Landeschef Rainer Blasutto. „Schnellschüsse wie die Forderung nach einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung oder eine Blaumacher-Debatte helfen den Betroffenen und den Betrieben nicht weiter“, erklärte er.

Ärztekammer und Hausärzteverband befürworten Telefon-AU

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, spricht sich für die Beibehaltung der telefonischen Krankschreibung aus. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Die Welt am Morgen) sagte er, das habe er auch Christian Lindner vor einigen Wochen bei einem Treffen gesagt. Er halte es „nicht für klug, das wieder abzuschaffen“. Seine Meinung begründet er mit dem hohen Mehraufwand, wenn jeder in die Praxis kommen müsse, „der eine banale Erkältung hat, aber nicht arbeitsfähig ist oder die andere Belegschaft nicht anstecken soll“.

Auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband verteidigte die telefonische Krankschreibung zuletzt gegen Kritik. „Die Einführung der Telefon-AU war aus medizinischer Sicht sinnvoll und ist bisher eine der ganz wenigen erfolgreichen politischen Maßnahmen zur Entbürokratisierung des Gesundheitswesens“, sagte die Co-Vorsitzende des Verbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, der „Rheinischen Post“. 

Ärzte: Beschäftigte nutzen das nicht aus

Dies jetzt abzuschaffen, gefährde die Patientenversorgung in den kommenden Monaten mit zahlreichen Infektionserkrankungen, so Buhlinger-Göpfarth. „Die Unterstellungen, dass sich die Menschen mithilfe der Telefon-AU einen schlanken Fuß machen“, könnten die Hausärzte „aus unserer täglichen Arbeit nicht bestätigen“.

Auch Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, sagt auf Nachfrage des BR, ob er einen Zusammenhang sehe zwischen hohen Krankenständen und der erleichterten Möglichkeit, sich krankschreiben zu lassen: „Nein, den gibt es für mich definitiv nicht.“

Lindner sieht Korrelation zum hohen Krankenstand

Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte dazu erklärt: „Man wird für die Krankmeldung zukünftig wieder zum Arzt gehen müssen und das nicht einfach nur telefonisch erledigen können.“ Er wolle niemandem vorwerfen, die Regelung auszunutzen. Es gebe aber leider „eine Korrelation zwischen dem jährlichen Krankenstand in Deutschland und der Einführung der Maßnahme.“

Auch die Bundesvereinigung der Arbeitgeber (BDA) fordert eine Abschaffung. Es läge nahe, dass es dort zu Missbrauch komme, sagte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, der „Rheinischen Post“.

Die telefonische Krankschreibung war im Frühjahr 2020 zunächst aufgrund der Corona-Pandemie eingeführt worden, im Dezember 2023 dann als dauerhafte Regelung. Zuletzt war dies jedoch in die Kritik geraten. Im Zuge ihrer Wachstumsinitiative für die Wirtschaft vereinbarte die Bundesregierung wegen erhöhter Krankenstände und wirtschaftlicher Probleme bereits eine Überprüfung der Maßnahme.

Mit Informationen von DPA, KNA und AFP

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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