Die Elektromobilität schreitet mit großen Schritten voran. Während Reichweite und Ladegeschwindigkeit immer besser werden, sinken die Preise für Elektroautos. Zudem gibt es immer mehr Ladesäulen. Das kurbelt auch das Geschäft mit den Gebrauchtwagen an.
Bewegung ja – aber Boom?
Auf der Internetplattform mobile.de werden mittlerweile mehr als 86.000 Elektroautos angeboten. Das geht los bei dem Sportwagen Rimac Nevera aus dem Jahr 2024 mit einer Kilometerleistung von gerade einmal zehn Kilometern, der knapp zwei Millionen Euro kosten soll – bis hin zu Modellen schon unter 3.000 Euro, zum Beispiel für einen Renault Twizy aus dem Jahr 2012 mit einer Tachostand von 90.000 Kilometern. Wenn man allerdings sieht, dass auf dieser Plattform insgesamt 1,4 Millionen Autos angeboten werden, relativiert sich die Zahl wieder.
Ähnlich sieht es bei autoscout24 aus. Hier haben bei einem Angebot von knapp 2,1 Millionen Autos etwas über 70.000 einen Elektromotor. Das sind zwar nur 3,4 Prozent, allerdings lag der Anteil 2020 laut autoscout24 bei nur 0,8 Prozent. Die Quote ähnelt den Daten des Kraftfahrtbundesamts. Demnach machten Stromer im vergangenen Jahr auf dem Gebrauchtwagenmarkt gerade einmal 3,6 Prozent der Besitzumschreibungen aus.
Schnäppchen oder nicht?
Die meisten Käufer greifen zu, weil Gebrauchtwagen deutlich günstiger sind als Neuwagen. Das gilt vor allem für die Stromer, die in der Vergangenheit besonders deutlich an Wert verloren. Denn aufgrund der schnellen technischen Entwicklung bei diesem Antrieb werden selbst junge Gebrauchte in kurzer Zeit recht schnell alt.
Das dürfte für viele aber auch ein Hinderungsgrund sein, zuzugreifen. Denn es könnte schwierig werden, manches vermeintliche Schnäppchen wieder loszuwerden, zum Beispiel wenn neue Modelle auf den Markt kommen oder Hersteller ihre Preise deutlich senken. Das drückte in der Vergangenheit auch die Gebrauchtwagenpreise mit nach unten.
Preise für gebrauchte E-Autos fallen
So lag das Durchschnittsangebot für gebrauchte Elektroautos 2025 bei unter 35.000 Euro, 4,1 Prozent niedriger als 2024. 2020 lag der Durchschnitt noch bei 50.000 Euro. Dass die E-Autos im Schnitt nach wie vor deutlich teurer sind als Verbrenner hat einen einfachen Grund: Sie sind meist jünger. So lag der Durchschnittspreis für Verbrenner bei autoscout24 zwar bei 26.300 Euro, doch die auf der Internetplattform angebotenen Verbrenner sind im Schnitt rund sieben Jahre alt, während gebrauchte Elektroautos im Schnitt erst 2,5 Jahre auf dem Buckel haben.
In Wirklichkeit nähern sich die Preise bei vergleichbaren Modellen immer stärker an, gelegentlich kann das Elektroauto sogar günstiger sein. So habe bereits im Frühjahr 2024 ein zwei bis vier Jahre alter ID.3 mit 10.000 bis 75.000 Kilometern Laufleistung das Preisniveau eines vergleichbaren Golfs unterschritten, heißt es bei autoscout24.
Markt wird langsam erwachsen
Im vergangenen Jahr 2025 wurden hierzulande laut Kraftfahrtbundesamt mehr als 545.000 Elektroautos neu zugelassen. Wenn man davon ausgeht, dass ein großer Teil davon als Geschäftswagen geleast wurde, kann man damit rechnen, dass diese Fahrzeuge zumindest mittelfristig – nach rund zwei Jahren – auf den Markt kommen. So kommen jetzt die Leasingrückläufer aus den Jahren 2023/24 verstärkt auf den Markt.
Und im Gegensatz zu früheren Angeboten steigen auch hier die Reichweiten, während die Ladegeschwindigkeit sinkt. Das macht Gebrauchtwagen für viele interessanter. Andererseits befürchten viele Händler, dass die angekündigte neue Kaufprämie für Zurückhaltung an den Märkten führen wird. Diese gilt zwar nicht für Gebrauchtwagen, wird sich dort aber voraussichtlich trotzdem auswirken, wie die Erfahrung von früheren ähnlichen Kaufanreizen gezeigt hat. Es muss mit weiteren Preisrückgängen gerechnet werden und deshalb dürften viele Interessenten wohl erst einmal abwarten.

