Es bläst ein eisiger Wind durch die Fußgängerzone der Münchner Innenstadt, vereinzelt fliegen ein paar Flocken durch die Luft. Es ist elf Uhr Vormittag, die Geschäfte haben längst geöffnet. Und doch haben sich nur wenige Menschen hierher verirrt. Es ist nur eine Momentaufnahme. Doch sie trifft die Stimmung der Konsumentinnen und Konsumenten recht gut. Nicht nur in München, überall im Freistaat und darüber hinaus: Viele Menschen haben derzeit keine große Lust aufs Shoppen.
Ein Minus in den Ladenkassen
Der Handelsverband Bayern rechnet für das Ostergeschäft in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von 360 auf 336 Millionen Euro. Das wäre ein Minus von knapp sieben Prozent und der erste Rückgang seit vielen Jahren.
Damit ist Bayern kein Sonderfall. Auch bundesweit rechnen die Händler mit einem schwächeren Ostergeschäft. Nach 2,3 Milliarden Euro im Vorjahr werden in diesem Jahr nur noch 2,1 Milliarden Euro erwartet. Für den Handel ist das bemerkenswert: Ostern gilt nach Weihnachten als eine der wichtigsten saisonalen Verkaufsphasen. Vor allem Lebensmittel, Dekoartikel und Spielwaren sind in diesen Wochen besonders gefragt.
Teures Benzin verdirbt die Kauflaune
Warum läuft es also heuer schlechter als in früheren Jahren? Aus Sicht des Handels kommt vieles zusammen. Die allgemeine Konsumlaune ist gedämpft, viele Menschen halten ihr Geld zusammen.
Hinzu kommt der Krieg im Nahen Osten, der vor allem die Spritpreise nach oben treibt. „Die Menschen stöhnen über steigende Spritpreise und die geopolitischen Krisen“, so Verbandssprecher Bernd Ohlmann, „und das verdirbt ihnen die Kauflaune“.
Schwierige Zeiten für alle Seiten
Diese Zurückhaltung trifft nicht nur den Handel, sondern auch die Hersteller. In der Confiserie Dengel in Rott am Inn wird zwar weiter mit Hochdruck produziert. Der mittelständische Familienbetrieb stellt nach eigenen Angaben rund 200.000 Schokohasen im Jahr her. Doch auch dort ist die Lage schwieriger geworden.
Geschäftsführer Uwe Dengel verweist auf höhere Kosten bei Energie, Personal und Rohstoffen. Vor allem Kakao sei in den vergangenen Jahren sehr teuer geworden. Ein Teil davon habe an die Kundschaft weitergegeben werden müssen. Allerdings, so betont der Formenchef, habe er darauf geachtet, dass der Schokohase am Ende für möglichst viele bezahlbar bleibe.
Handarbeit als Vorteil
Beklagen will sich Uwe Dengel dennoch nicht. Denn gerade in schwierigeren Zeiten könne er bei seinen Kundinnen und Kunden punkten. Qualität, Frische und Vielfalt seien Vorteile gegenüber industrieller Massenware. Daher setzt er mit seinen insgesamt 60 Mitarbeitenden in der Produktion auf ein breites Angebot.
Im Verkaufsraum neben dem Werk stehen tatsächlich nicht nur klassische Schokohasen in Weiß und Braun, sondern mehr als 50 Varianten von Schokohasen in unterschiedlichsten Farben, Formen und Geschmacksrichtungen. Noch bleiben ein paar Tage, damit auch sie einen Abnehmer finden.
Hoffnung auf den Gründonnerstag
Auch wenn von einem starken Ostergeschäft in diesem Jahr keine Rede sein kann: Eine Hoffnung bleibt dem gesamten Einzelhandel. Der Gründonnerstag ist traditionell der umsatzstärkste Tag der Ostersaison. Noch ist also nicht alles entschieden.
Klar ist aber schon jetzt: Das Ostergeschäft 2026 steht unter schwierigeren Vorzeichen als im vergangenen Jahr. Die Kauflaune ist gedämpft, die Unsicherheit groß, die Kosten hoch. Der Osterhase hat dem Handel in diesem Jahr ein Ei gelegt.

