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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > „Energiepreisschock“ bremst Wirtschaftswachstum
Wirtschaft

„Energiepreisschock“ bremst Wirtschaftswachstum

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 1. April 2026 16:51
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Eigentlich sollte es für die deutsche Wirtschaft langsam wieder bergauf gehen. Die Zeichen standen auf Erholung: Noch vor etwa einem halben Jahr rechneten die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute für 2026 noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 1,3 Prozent. Die neue Prognose ist nicht einmal halb so hoch: Lediglich um 0,6 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt demnach zulegen können. „Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen“, erklärte der Konjunkturchef des Münchner ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser.

Inhaltsübersicht
Staatsausgaben stützen Wirtschaft, Exportindustrie schwächeltTrübere Konjunkturprognose auch für 2027Iran-Krieg weniger gravierend als Corona und Ukraine-KriegSozialer Ausgleich statt Subventionen oder SteuernachlässenHandlungsdruck für Bundesregierung

Staatsausgaben stützen Wirtschaft, Exportindustrie schwächelt

Das Mini-Wachstum des vergangenen Jahres war vor allem durch die staatlichen Milliardenausgaben für Verteidigung und für die Modernisierung der Infrastruktur getrieben. Hauptsächlich die angekurbelte Binnenwirtschaft habe zur Erholung beigetragen, so die Forscher in ihrer Prognose (externer Link).

Die exportorientierte Industrie hingegen bleibt hinter den Erwartungen zurück. Als Gründe werden die weiter hohe Unsicherheit durch die zahlreichen Konflikte auf der Welt und handelspolitische Belastungen – Stichwort Zollstreit – genannt. Vor diesem Hintergrund sehen Wirtschaftsverbände weiter auch die Politik in der Verantwortung: „Investitionen schaffen die Basis für künftiges Wachstum der Unternehmen. Parallel dazu brauchen wir aber eine deutliche Verbesserung der Produktionsbedingungen, also weniger Bürokratie und niedrigere Arbeits- und Energiekosten“, forderte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Einen gesunden und nachhaltigen Aufschwung bekäme man nur, wenn die Privatwirtschaft in Schwung kommt.

Trübere Konjunkturprognose auch für 2027

Der Iran-Krieg und die dadurch gestiegenen Energiepreise bremsen jetzt allerdings auch die Binnenwirtschaft wieder massiv aus. Die Unternehmen werden das mittelfristig stark zu spüren bekommen und die Wirtschaftsinstitute erwarten ein spürbares Anziehen der Verbraucherpreise.

Nach ihrer Einschätzung wird die Inflationsrate in diesem Jahr auf durchschnittlich 2,8 Prozent steigen und 2027 auf 2,9 Prozent. Für 2027 erwarten die Institute ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 0,9 Prozent. Auch das ist deutlich pessimistischer – zuvor hatten sie mit 1,4 Prozent gerechnet.

Iran-Krieg weniger gravierend als Corona und Ukraine-Krieg

Unterm Strich rechnen die Wirtschaftsexperten aber immerhin noch mit einem weiteren kleinen Wachstum der deutschen Wirtschaft. Auch, weil sie davon ausgehen, dass sich der Konflikt im Nahen Osten im zweiten Quartal des laufenden Jahres beruhigt und dann bis Sommer beigelegt werden könnte.

Die Folgen seien in diesem Fall insgesamt weniger gravierend als 2020 beim Ausbruch der Coronavirus-Pandemie oder 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Trotzdem müsse die Politik jetzt klug gegensteuern.

Sozialer Ausgleich statt Subventionen oder Steuernachlässen

Der Bundesregierung empfehlen die Expertinnen und Experten jetzt dem Reflex zu widerstehen, mit Subventionen oder Steuernachlässen den steigenden Energiepreisen begegnen zu wollen. „Wir raten dringend von pauschalen Markteingriffen wie einen Tankrabatt ab“, sagte ifo-Konjunkturchef Wollmershäuser.

Stattdessen plädieren die Wirtschaftsfachleute für zielgerichtete soziale Ausgleichsmaßnahmen. Etwa könnten Regelsätze der Grundsicherung im laufenden Jahr flexibel an höhere Lebenshaltungskosten angepasst werden. Grundsätzlich sei es sinnvoll, langfristig Arbeitsanreize zu stärken und die Bedingungen für Investitionen und Innovationen zu verbessern

Handlungsdruck für Bundesregierung

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) forderte – bezogen auf die am Mittwoch vorgestellte Prognose – dann auch mutige Strukturreformen: „Der Konflikt im Nahen Osten erhöht den Druck auf die deutsche Politik, Strukturreformen konsequent anzugehen.“

Die Frühjahrs-Gemeinschaftsdiagnose wird vom ifo-Institut München in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung Wien, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, dem Kiel Institut für Weltwirtschaft und dem RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen erstellt. Das Gutachten ist für die Bundesregierung auch eine Grundlage für ihre eigene Prognose. Die soll laut Wirtschaftsministerium am 22. April vorgestellt werden.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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