Bei der Deutschen Bahn wird es in den nächsten Monaten nicht zu Streiks kommen. Der bundeseigene Konzern und die Lokführergewerkschaft GDL haben sich in der Nacht auf Freitag auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt.
So sieht die Einigung aus
Die Einigung sieht vor, dass die Entgelte am 1. August 2026 und am 1. August 2027 um jeweils 2,5 Prozent steigen. Das gaben beide Seiten bekannt. Die Beschäftigten bekommen im April außerdem eine Einmalzahlung von 700 Euro, für Auszubildende und Dual Studierende sind es 350 Euro.
Die GDL konnte auch ihre Forderung nach einer zusätzlichen Entgeltstufe für Beschäftigte mit besonders langer Berufserfahrung durchsetzen. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von zwei Jahren und endet Ende 2027 – zeitgleich mit dem Tarifvertrag zwischen der Bahn und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.
Damit wird es dieses und nächstes Jahr keine Warnstreiks bei der Deutschen Bahn geben. Anfang 2028 muss der bundeseigene Konzern dafür dann mit beiden Gewerkschaften gleichzeitig neue Tarifverträge aushandeln. Mit der GDL wurde vereinbart, dass im ersten Quartal 2028 noch die Friedenspflicht gilt, die Lokführergewerkschaft kann also frühestens im April 2028 wieder zu Arbeitskämpfen bei der Deutschen Bahn aufrufen.
Erste Verhandlungen mit neuem GDL-Chef Reiß
Es ist die erste Tarifrunde zwischen der Deutschen Bahn und der GDL seit dem Jahr 2018, die ohne Arbeitskämpfe endet. Damals wurden die Verhandlungen noch vom streitbaren Ex-Gewerkschaftschef Claus Weselsky geführt. Die nun beendete Tarifrunde war die erste unter dem neuen Bundesvorsitzenden Mario Reiß.
Die Tarifrunde ging nicht nur ohne Streiks zu Ende, beide Seiten verzichteten auch auf in der Öffentlichkeit ausgetragene Streitereien. Lediglich nach der Vorlage des Arbeitgeberangebots äußerte sich GDL-Chef Reiß kritisch über die Bahn und warf ihr eine Verzögerungsstrategie vor.
Reiß drohte damals auch mit dem Abbruch der Verhandlungen und möglichen Warnstreiks – verhandelte aber in den folgenden Tagen weiter. Die Bahn mit Personalvorstand Martin Seiler verzichtete vollständig auf kritische Äußerungen über den Verhandlungspartner.
Gespräche liefen seit Januar
Der bisherige Tarifvertrag war Ende Dezember ausgelaufen, Anfang Januar begannen die neuen Verhandlungen. Dafür wurden fünf Verhandlungsrunden mit insgesamt 14 Verhandlungstagen angesetzt, von denen 13 genutzt wurden. Die Besonderheit dieses Mal: Bis einschließlich Februar galt eine Friedenspflicht, während der die GDL nicht zu Arbeitskämpfen aufrufen konnte.
Mögliche Warnstreiks der GDL sind damit jetzt vom Tisch. Die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat mit der Bahn noch einen Tarifvertrag bis Ende 2027 und kann daher ebenfalls in den nächsten Monaten nicht zu Arbeitskämpfen aufrufen.
Es wurden auch Kompromisse erzielt beim Tarifeinheitsgesetz
Beim langjährigen Streitthema Tarifeinheitsgesetz sind die Bahn und die GDL einen großen Schritt aufeinander zugegangen. Das Gesetz sieht grundsätzlich vor, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge jener Arbeitnehmervertretung angewendet werden, die dort die Mehrheit der Mitglieder hat. Arbeitgeber und Gewerkschaften können aber auch Ausnahmen davon vereinbaren – das haben Bahn und GDL nun getan.
Ab Januar 2027 kann die von der GDL ausgehandelte Entgelttabelle auch für GDL-Mitglieder in Minderheitsbetrieben angewendet werden, ab Januar 2028 gilt das auch für Zulagen und Regelungen zum Arbeitszeitvolumen. Die Vereinbarung bezieht sich auf die drei Unternehmen DB Regio, DB Cargo und DB Fernverkehr und hat eine Laufzeit bis Ende 2030.
Darüber hinaus wurde vereinbart, dass künftig mit einem notariellen Zählverfahren festgestellt wird, welche Gewerkschaft in welchem Betrieb die Mehrheit hat. Von den rund 300 Betrieben bei der Bahn werden derzeit weniger als 20 als GDL-Mehrheitsbetriebe gewertet.
Mit Informationen von dpa und Reuters

