Über 80 Prozent der Pflegebedürftigen in Bayern werden zuhause gepflegt. Viele von ihnen haben keine Angehörigen, die sich um sie kümmern können. Doch Pflegedienste und -heime werden immer teurer.
Hohe Belastung für pflegende Angehörige
Im oberpfälzischen Reuth bei Erbendorf wohnt das Ehepaar Wagner. Jeden Morgen kommt der Pflegedienst für Elisabeth Wagner. Sie kam im Sommer 2024 nach einem langen Krankenhausaufenthalt mit Pflegegrad 3 nach Hause. Eine schwierige Situation, auch für ihren Mann Günter: „Da war ich total überfordert. Ich habe vorher noch nie jemandem beim Anziehen geholfen.“ Auch mit dem Haushalt steht der 85-jährige nun allein da: Wäsche waschen, die Wohnung sauber halten, kochen – viele Aufgaben. Das Paar entschied sich für einen Pflegedienst. Dieser kommt sechsmal in der Woche für 20 Minuten und einmal für 40 Minuten.
Im Monat kostet dieser morgendliche Pflegedienst rund 1.160 Euro. Bei Pflegegrad 3 würde die Pflegekasse fast 1.500 Euro erstatten. Die Differenz bekommen die Wagners jedoch nicht ausbezahlt, sondern nur rund 135 Euro für die Pflege durch Angehörige. Bis Anfang letzten Jahres kam der Pflegedienst auch am Abend. Doch weil die Preise gestiegen sind, können sich die Wagners das nicht mehr leisten.
Pflegedienstleiterin: Lohnkosten steigen stärker als Zuschüsse
Seit Herbst 2022 müssen sich Pflegedienste an das Tariftreuegesetz halten, erläutert Pflegedienstleiterin Tanja Gradl. „Das heißt im Umkehrschluss, dass unsere Lohnkosten natürlich gestiegen sind um ca. 25 Prozent. Der Zuschuss der Pflegeversicherung ist leider nur um neun Prozent gestiegen.“
So müssen Betroffene entweder die Pflege selbst übernehmen, einen höheren Eigenanteil zahlen oder, wenn das nicht geht, staatliche Hilfe beantragen.
Finanzielle Belastung: Eigenanteile deutlich gestiegen
Noch höher sind die Kosten in stationären Einrichtungen, so auch im niederbayerischen Geiselhöring in einem Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt. Dort besucht Xaver Leipold täglich seine schwer an Parkinson erkrankte Ehefrau, die er über eineinhalb Jahre zu Hause gepflegt hat.
Seine Frau hat Pflegegrad 4 und ist das zweite Jahr im Heim. Hier wird sie rundum versorgt, doch das hat seinen Preis. Ein Platz im Geiselhöringer Pflegeheim bei Pflegegrad 4 kostet rund 5.210 Euro im Monat für Pflege, Unterkunft, Verpflegung, Investitionen in die Einrichtung und Ausbildung der Pflegekräfte. Die Pflegekasse übernimmt 1.855 Euro plus einen Zuschuss, der sich mit der Aufenthaltsdauer erhöht. Im zweiten Heimjahr entsteht bei einem Einzelzimmer ein Eigenanteil von rund 2.850 Euro.
Nur so kann die Einrichtung rentabel bewirtschaftet werden, wie Heimleiter Andreas Neumann darlegt: „Die Eigenanteile sind in den letzten dreieinhalb Jahren um ca. 28 Prozent gestiegen. Es liegt ganz einfach daran, weil die Pflegekräfte und auch der Rest vom Personal mehr verdient, was auch wichtig ist.“ Zudem seien Lebensmittel und Energie deutlich teurer geworden.
Wie kann Pflege bezahlbar bleiben? Ein Beispiel aus Unterfranken
Im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen bietet das vom Freistaat Bayern geförderte Projekt „GutePflege“ Lösungen. Ziel ist es, dass Pflegebedürftige so lange wie möglich zu Hause leben können. „Das geht nur, wenn man frühzeitig Unterstützungsangebote involviert und präventiv ansetzt“, erklärt Rita Hillenbrand vom Projektmanagement „GutePflege“. So soll ein Ausbrennen von Pflegepersonen verhindert werden, so Hillenbrand weiter. Damit nicht etwa stationäre Pflege notwendig wird, weil keine Unterstützer mehr da sind.
Zudem vermittelt „Gute Pflege“ geschulte Ehrenamtliche, etwa in Gauaschach, zur Betreuung des Ehepaars Liegl. Beide sind an Demenz erkrankt. Zweimal in der Woche kommt Gudrun Feller für zwei Stunden. „Ich habe einen ganz guten Draht zu Menschen generell und es macht mir Spaß. Ich liebe dieses Glitzern in den Augen“, sagt Feller, „wenn es gelungen ist, die Verbindung aufzubauen“. Die Kosten für die ehrenamtliche Betreuung erstattet die Pflegekasse.

