Die Betreuung kleiner Kinder galt lange als kommunale Kernaufgabe. Seit einigen Jahren jedoch gewinnt ein alternatives Modell an Bedeutung: Kitas von privaten Unternehmen, die damit Gewinn machen. Konzerne wie Babilou, AcadeMedia oder Kinderzentren Kunterbunt bieten bundesweit Tausende Plätze an, finanziert durch Elternbeiträge und hohe staatliche Zuschüsse. In Zeiten durchgehend knapper Betreuungsplätze kann das lukrativ sein. Die zentrale Frage dabei: Kann Kinderbetreuung als Geschäftsmodell funktionieren – und für wen?
Was „private Kinderbetreuung als Geschäftsmodell“ bedeutet
Private Kitas werden nicht von Kommunen oder klassischen Wohlfahrtsverbänden wie AWO oder Caritas getragen, sondern von gewerblichen Unternehmen – von kleinen GmbHs bis hin zu internationalen Konzernen. Anders als gemeinnützige Träger dürfen sie Gewinne erwirtschaften. Grundlage ist eine Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII sowie die Einhaltung der Landesvorgaben, in Bayern des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (BayKiBiG).
Ohne staatliche Förderung wäre dieses Modell kaum tragfähig. Diese bemisst sich gemäß BayKiBiG – egal ob öffentlich, gemeinnützig oder privat – nach einer einheitlichen Formel: Maßgeblich ist ein Basiswert von derzeit gut 1.560 Euro pro Kind und Monat. Dieser wird mit einem Buchungsfaktor (Betreuungszeit pro Tag) und einem Gewichtungsfaktor (etwa Alter, Muttersprache oder möglicher Grad der Behinderung der Kinder) multipliziert.
In Bayern tragen Kommunen und Land je nach Betreuungsform rund 70 bis 90 Prozent der laufenden Kosten. Diese Zuschüsse ermöglichen es privaten Anbietern, die Gebühren auf dem Niveau städtischer Kitas zu halten – begrenzen aber zugleich ihre unternehmerische Freiheit.
Ein Drittel der Münchner Kitas sind privat-gewerblich
Bundesweit sind privat-gewerbliche Träger weiterhin eine Minderheit. In München jedoch betreiben sie inzwischen rund 30 Prozent der Kitas. Die Stadt setzt bewusst auf private Partner, weil der Ausbau allein mit städtischen Einrichtungen kaum zu bewältigen ist. Private Anbieter sichern sich so Kita-Standorte in besonders nachfragestarken Stadtteilen und profitieren dort von einer dauerhaft hohen Auslastung.
Das Angebot reicht von geförderten „normalen“ Kitas bis zu hochpreisigen Einrichtungen mit langen Öffnungszeiten, Bio-Verpflegung oder zusätzlichen Services, etwa mehrsprachiger Betreuung. Ohne städtische Förderung liegen die Elternbeiträge schnell bei über 1.000 Euro im Monat – ein Angebot vor allem für Besserverdienende oder Firmenkunden.
Unterschiede zu öffentlichen und gemeinnützigen Kita-Trägern
Städtische Kitas und Einrichtungen von AWO, Caritas oder Diakonie arbeiten in der Regel gemeinnützig. Überschüsse müssen reinvestiert werden – in Personal, Qualität oder Ausbau. Private Träger dagegen stehen unter Renditedruck. Gewinne entstehen vor allem durch hohe Auslastung, das Ausreizen gesetzlicher Personalschlüssel oder Mietkonstruktionen mit verbundenen Immobiliengesellschaften.
In der Vergangenheit berichteten Beschäftigte und Aufsichtsbehörden wiederholt von ähnlichen Folgen: Kostendruck beim Essen, Material und Personal, hohe Fluktuation sowie eine wachsende Belastung für Erzieherinnen und Erzieher.
Kita-Personal: Lösung oder Verschärfung des Mangels?
Der Fachkräftemangel ist das zentrale Risiko aller Modelle. In Bayern fehlen zehntausende pädagogische Fachkräfte. Private Träger können flexiblere Arbeitsbedingungen bieten und ziehen damit Personal von kommunalen oder kirchlichen Kitas ab. Punktuell bieten sie zudem höhere Löhne. Wenn eine private Kita mit einer staatlichen Förderung kalkuliert, ist sie dabei allerdings an Gehaltsobergrenzen gebunden, die sich an den Gehältern im öffentlichen Dienst orientieren.
Wie fragil private Konstruktionen sein können, zeigte zuletzt die Schließung der Münchner Kita Paula, nachdem nahezu das gesamte pädagogische Team gekündigt hatte. Für die betroffenen Familien bedeutete das, kurzfristig eine Alternative für ihre Kinder finden zu müssen – in einem ohnehin überlasteten System.
(Für wen) Lohnt sich das Kita-Geschäftsmodell?
In wirtschaftlicher Hinsicht kann sich ein privates Modell vor allem für große Anbieter durchaus lohnen. Einige Konzerne betreiben bundesweit Hunderte Kitas, verteilen Verwaltungskosten und erzielen stabile Renditen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Besonders lukrativ sind sogenannte High-End-Modelle mit umfangreichen Zusatzangeboten und flexiblen Öffnungszeiten, die allerdings aufgrund geringer oder fehlender Förderung meist hohe Elternbeiträge verlangen.
Private Kinderbetreuung kann helfen, dringend benötigte Plätze zu schaffen. Als dauerhaftes Massenmodell ist sie für breite Nutzergruppen jedoch nur geeignet, solange der Staat massiv mitfinanziert und streng kontrolliert. Gesellschaftlich sind solche Modelle riskant. Wo öffentliche Millionen auf private Rendite treffen, entstehen Fehlanreize – häufig zulasten von Personal und Kindern.

