Es gibt immer mehr Milliardäre auf der Welt – und ihr Vermögen wächst und wächst. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam zum Start des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos veröffentlicht hat.
Demnach verdient der reichste Mann der Welt, Tesla- und Space-X-Chef Elon Musk, in vier Sekunden das durchschnittliche weltweite Jahreseinkommen. Insgesamt rund 3.000 Milliardärinnen und Milliardäre besaßen weltweit im vergangenen Jahr ein Vermögen von 18,3 Billionen US-Dollar (ungefähr 15,75 Billionen Euro).
„So viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung“
Gleichzeitig werden die Reichen auch immer schneller reich: Seit 2020 wurden die wohlhabendsten Menschen inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent reicher. Der Reichtum an der Spitze konzentriere sich in nie dagewesenem Tempo, allein im vergangenen Jahr hätten Milliardärinnen und Milliardäre 2,5 Billionen US-Dollar hinzugewonnen. „Das ist so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt“, sagt Charlotte Becker, die Vorständin von Oxfam Deutschland. Die zwölf Reichsten hätten nun mehr Geld als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung, das sind mehr als vier Milliarden Menschen.
Auch hierzulande ist die Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Laut Oxfam leben in Deutschland die viertmeisten Milliardäre weltweit – nämlich mehr als 172. Ihr Gesamtvermögen habe inflationsbereinigt ebenfalls um rund 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar zugenommen. Insgesamt, so rechnet Oxfam, verdiene ein deutscher Milliardär in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland.
Oxfam warnt vor Folgen für die Demokratie
„Wir befinden uns in der Ära der Milliardär*innen – und das ist keine gute Nachricht für die Welt“, kommentiert Charlotte Becker, die Vorständin von Oxfam Deutschland. Sorgen macht Oxfam, dass sich die Wirtschaftsmacht der Milliardäre deutlich sichtbar auch in politischer Macht niederschlage. Das sei etwa in den USA zu beobachten, und es höhle die Demokratie immer weiter aus, kritisiert Oxfams Deutschland-Chefin Becker.
Die Entwicklungsorganisation warnt auch davor, dass die große Lücke zwischen Arm und Reich auch in Deutschland „ein idealer Nährboden für antidemokratische Kräfte“ sei. Dem müsse die Bundesregierung mit höheren Steuern für die Reichsten entgegensteuern, forderte Oxfam. Zuletzt hatte die SPD eine höhere Steuer auf Erbschaften in Millionenhöhe vorgeschlagen, die Union lehnt das aber ab.
Dem Bericht liegen Daten aus verschiedenen Quellen zugrunde. So führte Oxfam etwa „Forbes“-Schätzungen zum Vermögen von Milliardären mit Daten der Weltbank und solchen aus dem UBS-Weltvermögensreport zusammen.

