Bislang ist es ein ungewöhnliches Projekt: Mitarbeiter von Audi sollen im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung an andere Betriebe der Metall- und Elektroindustrie verliehen werden. Das teilt Audi auf Nachfrage dem BR mit. Konkret geht es um Unternehmen in der Rüstungsindustrie, die in der Region Ingolstadt ansässig sind. Das Projekt steht noch am Anfang.
Freiwilliger Wechsel in die Rüstungsindustrie möglich
Der freiwillige Wechsel ist auf 24 Monate befristet. Danach können die Mitarbeiter wieder zu Audi zurückkehren. Während dieser Zeit bleiben sie Mitarbeitende von der Audi AG und erhalten ihr bisheriges Tarifentgelt sowie einen Zuschlag. Laut einem Pressesprecher arbeitet Audi dabei mit den Unternehmen MBDA, Diehl, KNDS und Airbus sowie mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium und dem Bundeswirtschaftsministerium zusammen. Konkret richtet sich das Angebot an Ingenieure, Qualitätsingenieure, Projektmanager sowie Mitarbeitende der Werkstätten in der Technischen Entwicklung und der Qualitätssicherung. Die Nachfrage sei laut Unternehmen „sehr groß“.
Autoindustrie in der Krise – Rüstung boomt
Seit längerem steckt die Autoindustrie in der Krise. Vor allem der Audi-Mutterkonzern VW fährt einen harten Sparkurs. Über 100.000 Stelle im VW-Konzern könnten weltweit wegfallen. Auch Werksschließungen stehen im Raum, neben drei VW-Werken wird auch immer wieder das Audi-Werk in Neckarsulm genannt.
Mehrere Faktoren setzen die deutsche Autobranche derzeit unter Druck: Seit 2025 erheben die USA auf zahlreiche importierte Autos und Autoteile Zusatzzölle von 25 Prozent. Das belastet die Exportperspektiven – insbesondere bei Audi, da das Unternehmen bislang kein eigenes Werk in den USA hat. Am größten Automarkt der Welt, in China, verlieren deutsche Hersteller zunehmend Preiskämpfe gegen heimische Hersteller wie BYD und MG. Zwar verdienen deutsche Autobauer noch immer Milliarden, trotzdem laufen in der gesamten Branche Sparprogramme und Umstrukturierungen. Die hohen Gewinne brauchen die Hersteller, um in den Umbau zur Elektromobilität und in neue Technologien zu investieren.
Hohe Nachfrage nach einigen Rüstungsgütern
Ganz anders sieht es in der Rüstungsindustrie aus: Hier boomt der Markt. Erst vor wenigen Tagen hat Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Besuch in Kiew umfangreiche Abkommen zu Rüstungsprojekten angekündigt. Ein Schwerpunkt sind Flugabwehr und unbemannte Systeme, die vor allem von bayerischen Unternehmen kommen könnten. Das Unternehmen MBDA mit Sitz in Schrobenhausen will nach eignen Angaben beispielsweise seine Raketenproduktion verdoppeln. Auch die Investitionen sollen bis 2030 verdoppelt werden und europaweit 2.800 Mitarbeiter eingestellt werden.
Anders bei Audi: Bis 2029 sollen sozialverträglich 7.500 Stellen beispielsweise über Alterszeitregelungen abgebaut werden. Noch gilt eine Beschäftigungsgarantie bis 2033. Doch: Weder das Werk in Ingolstadt noch das in Neckarsulm sind ausgelastet. In Ingolstadt könnten jährlich 450.000 Autos vom Band laufen. In diesem Jahr liegt man laut internen Informationen bei etwas über 300.000 Autos.
Win-Win für zwei Industriesparten
Audi muss sparen, die Rüstung braucht Personal: Das Modell könnte eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten sein. Von Audi heißt es: Ziel sei es, die Beschäftigungsperspektiven der Mitarbeitenden zu erweitern und den Fachkräftebedarfe in der Region gezielt zu unterstützen. Man wolle, dass Mitarbeitende und Einsatzmöglichkeit gut zueinander passen und alle Beteiligten von dieser Möglichkeit profitieren.
Airbus will Audi unterstützen
Vom beteiligten Unternehmen Airbus heißt es heute dazu: „Wir unterstützen Audi und stehen hierzu in engem Austausch. Konkrete Details befinden sich derzeit noch in Abstimmung.“, so ein Airbus-Sprecher. Bei Audi ist eine größere Info-Veranstaltung für interessierte Mitarbeiter Ende Oktober geplant. Das Interesse sei schon jetzt sehr groß, so ein Unternehmenssprecher. Wie viele Mitarbeiter wechseln können, dazu äußerte sich das Unternehmen nicht. Ob es ein ähnliches Projekt auch für die Audi-Mitarbeiter am Standort in Neckarsulm geben soll, ist noch offen.
Krise der Autoindustrie: Heute Thema bei „jetzt red i“
Die Probleme in der Autoindustrie und welche Folgen das für die bayerische Wirtschaft hat, ist heute Thema der Bürgersendung „Jetzt red i“. Gesendet wird heute Abend ab 20.15 Uhr aus live aus Ingolstadt.
Im Fokus stehen dabei die Fragen: Was erwarten Arbeitnehmer und Arbeitgeber jetzt von der Politik? Müssen Beschäftigte weitere Einschnitte hinnehmen? Welche Verantwortung tragen die Autokonzerne für ihre Belegschaften und die Region? Und wie kann Bayern auch künftig ein starker Industriestandort bleiben? Über diese und andere Fragen diskutieren Bürgerinnen und Bürger live in Ingolstadt mit Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, und Sebastian Roloff, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

