Beim Rückruf des VW-Konzerns wegen einer rostanfälligen Schraube am Lenkgetriebe ist die Zahl der Betroffenen größer als anfangs angenommen. Wer einen VW Golf, Tiguan, Touran oder Caddy, einen Audi Q3, einen Skoda Octavia, Superb, Karoq oder Kodiaq fährt, oder einen Seat Ateca oder Taraco hat, kann davon betroffen sein. Dabei geht es um Autos, die in der Zeit zwischen Herbst 2013 und diesem Sommer gebaut wurden. Entscheidend sind Produktionszeitraum und Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) – nicht allein Modell und Baujahr. 2024 wurde der Fehler bei VW entdeckt, der nun zwei Jahre später endlich beseitigt werden soll.
1.300.000 Fahrzeuge allein in Deutschland betroffen
Bei VW, Audi, Seat und Skoda wusste man zunächst offenbar nicht, um wie viele Fahrzeuge es insgesamt geht. Das verursachte Unsicherheit. Jetzt ist klar, dass allein in Deutschland mehr als 1,3 Millionen Fahrzeuge betroffen sind vom möglichen Abreißen der wichtigen Schraube, die das Lenkgetriebe an der Vorderachse festhält. Die erste Rückrufwelle galt Ende September für fast 900.000 Autos der Marke VW sowie für rund 50.000 weitere bei Audi und Seat in Deutschland. Anfang Oktober kamen 370.000 Skoda hinzu.
Das Kraftfahrtbundesamt gibt zu Rückrufen keine Länderzahlen bekannt. Aber gemessen am bayerischen Marktanteil von 17 bis 18 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge geht es im Freistaat um 225.000 bis 240.000 Autos. Weltweit sind insgesamt rund 4,6 Millionen Fahrzeuge betroffen.
Schraube könnte abreißen und Lenkung blockieren
Es geht um eine von zwei Schrauben am Gehäuse des Lenkgetriebes, die möglicherweise verrostet ist und im schlimmsten Fall, wenn sie abreißt, zu einer Blockade führen kann. Das Auto würde sich dann nicht mehr steuern lassen. Die stärkste Belastung für Lenkgetriebe und -Gehäuse tritt normalerweise beim Einparken auf, wenn die Räder im Stand gedreht werden, oder bei niedrigen Geschwindigkeiten.
Nur eine von zwei Schrauben muss getauscht werden
Der mögliche Rost an einer der beiden Schrauben liegt auch an einem Konstruktionsfehler. Der hat dafür gesorgt, dass sich in einer Mulde des Gehäuses direkt an einer Schraube Feuchtigkeit ansammeln kann. Dieser Fehler wird dadurch behoben, dass der neue Schraubentyp nicht mehr rosten kann. Außerdem ist die neue Schraube auch länger und hat einen dickeren Kopf, damit die kritische Stelle möglichst frei bleibt von Wasser, Salz und Schmutz.
Viele Autobesitzer müssen zweimal in die Werkstatt
Ein Problem bleibt, dass von der neuen Spezialschraube im Moment noch zu wenige verfügbar sind. Deren Produktion ist offensichtlich zu spät angelaufen. Man war in Wolfsburg und andernorts offenbar von viel niedrigeren Stückzahlen für den Rückruf ausgegangen.
Da die verbesserte Schraube bei VW heute immer noch Mangelware ist, wird zunächst auch noch ersatzweise der alte Schraubentyp neu eingebaut. Das bietet aber nur vorübergehend Sicherheit. Wenn dann die neue Schraube mit dem Korrosionsschutz ausreichend verfügbar ist, werden viele ein zweites Mal in die Werkstatt müssen, möglicherweise sogar die meisten.
Warten, bis VW sich meldet, oder selbst aktiv werden?
Außerdem wird es noch ein paar Wochen dauern, bis alle Halterinnen und Halter per Post benachrichtigt sind und anschließend aktiv werden müssen, um einen Werkstatt-Termin zu bekommen. In der Zwischenzeit darf man weiterfahren, weil es sich um eine Vorsichtsmaßnahme handelt. Insofern kann man abwarten und alles auf sich zukommen lassen.
Alle, die es angeht, bekommen auf jeden Fall ein offizielles Schreiben. Der VW-Konzern nutzt dafür die Halterdaten des Kraftfahrtbundesamts. Oft brauchen Werkstätten dieses Schreiben dann, um Maßnahmen kostenfrei mit dem Hersteller abzurechnen.
Online oder per Hotline für erste Gewissheit sorgen
Wer selbst nachforschen will, kann kostenlose Telefon-Hotlines der Hersteller wählen. Aber auch online lassen sich Rückruf-Datenbanken von Volkswagen und Audi nutzen oder beim Kraftfahrtbundesamt oder mit dem Fahrzeug-Rückruf-Finder des ADAC prüfen, ob die eigene Fahrgestellnummer (FIN) betroffen ist. Die findet sich in der Zulassungsbescheinigung Teil I.
Was passiert, wenn betroffene Halter nicht reagieren?
Da eine fehlerhafte Schraube am Lenkgetriebe die Sicherheit betrifft, ist dem damit verbundenen Aufruf zu folgen. Sonst kann am Ende der Verlust des Versicherungsschutzes drohen und eine zwangsweise Stilllegung des fehlerhaften Fahrzeugs. Das wieder rückgängig zu machen, wäre aber deutlich aufwendiger und teurer als zwei Mal in die Werkstatt zu fahren, um die rostende Schraube tauschen zu lassen.

