Der Helsing-Deutschlandchef Wolfgang Gammel hatte am Dienstagabend noch einen wichtigen Termin. Der Gemeinderat in Hallbergmoos im oberbayerischen Landkreis Freising soll abstimmen: Was wird aus den 45 Hektar Senderwiese, auf der aktuell vor allem Kiteboards landen? Geht es nach dem KI-Start-up, soll dort eine „Resilience Factory“ entstehen. Seit Dienstagabend steht fest: Das will auch der Hallbergmooser Gemeinderat.
„Das ist für uns ein Sechser im Lotto“, sagt Helsing-Chef Gammel im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Innerhalb von 23 Minuten sei man mit der S-Bahn von der Münchner Firmenzentrale in Hallbergmoos. Auch die Nähe zum Flughafen München und dem dort ansässigen Innovationshub der Technischen Universität München dürfte dem KI-Unternehmen zugesagt haben.
Kommen KI-Drohnen künftig aus Hallbergmoos?
Ein Bauvorhaben, das auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) unterstützt: Bei einer Pressekonferenz präsentierte er am Mittwoch zusammen mit Helsing die Pläne für eine sogenannte „Resilience Factory“.
Helsing hat dazu eine Drohne mitgebracht. Die könnte künftig im Landkreis Freising gebaut werden. Was genau dort produziert werden wird, stehe jedoch noch nicht fest, heißt es von Helsing.
Aiwanger lobt Bayern als Rüstungsstandort
Aiwanger spricht von einem symbolhaften Termin für das, was derzeit in Bayern laufe. Man habe sich mit dem Grundstückskauf bundesweit durchgesetzt und leiste „einen sicherheitspolitischen Beitrag für die EU und einen wirtschaftspolitischen Beitrag für Bayern“. Die Zahl der Arbeitsplätze könne derzeit noch nicht konkretisiert werden, Aiwanger gehe jedoch von mehreren Hundert aus. Der Wirtschaftsminister lobt Bayern aus Rüstungsstandort – der Freistaat punkte mit starker Forschung, politischer Rückendeckung und damit, dass Projekte sehr schnell umgesetzt würden.
Auch Helsing-Chef Gammel betonte auf der Pressekonferenz den Zeitfaktor: Von konkreten Plänen für das Grundstück in Hallbergmoos will er nicht sprechen. „Wir sichern uns ein Grundstück, um eine Option zu haben, unsere Produktion auszubauen“, sagt er und fügt an: „Wir haben alles, nur keine Zeit.“
Helsing sichert sich 250.000 Quadratmeter
Die Fabrik soll in einem ersten Schritt auf 120.000 Quadratmetern errichtet werden, teilt Helsing mit. Insgesamt hat sich das Unternehmen 250.000 Quadratmeter gesichert. Die restliche Fläche sei für Erweiterungen und Ansiedlung von Zulieferbetrieben vorgesehen.
Bis es mit dem Bau losgeht, könne es jedoch noch ein Jahr dauern, so Gammel: Zunächst müsse die Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellen.
Künstlich intelligente Drohnen: Was stellt Helsing her?
Drohnen, wie das Modell HX-2, das Helsing mit zur Pressekonferenz gebracht hat, werden bereits in der Ukraine eingesetzt. Sie sammelt über Sensoren und Kameras Daten und passt sich an Situationen an. Entscheidungen würden jedoch immer von Menschen getroffen, sagt Gammel im „SZ“-Interview. Wöchentlich würden bereits mehrere Hundert dieser Drohnen an einem „geheimen Standort“ hergestellt.
Helsing: Kampfjets im Allgäu, Zusammenarbeit mit Schaeffler
Das Unternehmen Helsing ist noch jung: Erst 2021 wurde das Start-up gegründet. Mittlerweile zählt es zu den wichtigsten europäischen Defence-Tech-Firmen. Das Unternehmen versteht sich als KI- und Softwarefirma. Mittlerweile baut es jedoch auch die Hardware selbst.
Erst im vergangenen Jahr kaufte Helsing den schwäbischen Flugzeug-Hersteller Grob. In der kleinen Gemeinde Tussenhausen im Unterallgäu soll der KI-gesteuerte Kampfjet CA-1 Europa hergestellt werden. Im Dezember kündigte auch der Autozulieferer Schaeffler die Zusammenarbeit mit Helsing an.

