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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > EU-Handelsabkommen mit Australien: Was bedeutet es für Bayern?
Wirtschaft

EU-Handelsabkommen mit Australien: Was bedeutet es für Bayern?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 25. März 2026 08:49
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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„A true mateship“, also eine echte Partnerschaft: So nennt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die EU-australischen Beziehungen vor ihrer Reise in den Pazifikstaat in einem Gastbeitrag in mehreren europäischen Zeitungen [externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt]. Eine „mateship“, die wie gemacht für die beiden Handelspartner klingt: Autoindustrie in der EU trifft auf Rohstoffe, wie seltene Erden in Australien.

Inhaltsübersicht
Australien hat wichtige RohstoffeBayerische Autoindustrie könnte profitierenStudie: Handelsabkommen steigern deutsches BruttoinlandsproduktStrategische Lage: Handel als Weg zu mehr KooperationKompromiss bei Agrarprodukten beschleunigt AbkommenBisher nur wenig Handel zwischen Bayern und AustralienEU erwartet ein Drittel Exportwachstum

Australien hat wichtige Rohstoffe

Australien ist reich an Rohstoffen: Aluminium, Lithium, Mangan. Mit dem neuen Handelsabkommen sieht der Industrie- und Handelskammertag Bayern (BIHK) deshalb einen potenziellen Hauptlieferanten neben China. Das teilt eine Sprecherin des BIHK auf BR24-Anfrage mit. Gerade Lithium ist für die Herstellung von Batterien für E-Autos wichtig.

Auch Handelsexpertin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht im Handel von Rohstoffen und seltenen Erden das größte Potenzial des Abkommens – auch, weil sich die USA vermehrt Rohstoffabkommen in anderen Ländern sichern.

Bayerische Autoindustrie könnte profitieren

Mit dem Handelsabkommen sollen 99 Prozent der Zölle auf EU-Waren wegfallen. In Bayern profitieren davon vor allem die Maschinenbau-, Chemie und Fahrzeugindustrie. „Das sind Branchen, die insbesondere in Bayern stark sind und leiden, weil die USA ihren Markt zunehmend abschotten“, sagt Handelsexpertin Sultan im BR24-Interview.

Studie: Handelsabkommen steigern deutsches Bruttoinlandsprodukt

Auch Lisandra Flach, Leiterin des Zentrums für Außenwirtschaft beim Münchner ifo-Institut, schreibt auf BR24-Anfrage, das Abkommen mit Australien bietet die Chance, „die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und bayerischen Industrie zu stärken“.

Sie verweist auf eine Studie [externer Link], die die Auswirkungen von Handelsabkommen auf die deutsche Wirtschaft analysiert. Dabei hat das ifo-Institut nicht nur Australien, sondern alle sieben Länder einbezogen, mit denen die EU gerade Handelsabkommen verhandelt. Das Ergebnis: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt könnte durch diese Handelsbeziehungen dauerhaft um 0,2 bis 0,5 Prozent steigen.  

Strategische Lage: Handel als Weg zu mehr Kooperation

Für Samina Sultan liegt der wichtigste Faktor in einem Abkommen mit Australien dennoch in der strategischen Lage Australiens, vor allem in Bezug auf Sicherheits- und Verteidigungspolitik: „Handel ist ein wichtiger Weg, um Kooperation zu verstärken“, sagt Sultan.

Kompromiss bei Agrarprodukten beschleunigt Abkommen

Neben Rohstoffen spielen auch Agrarprodukte eine Rolle: Die zollfreien Kontingente für Milch, Zucker, Rind- und Schaffleisch seien jedoch laut Medienberichten längst nicht so hoch, wie australische Bauern gefordert hatten. Im Jahr 2023 ist das Abkommen daran noch gescheitert. Nun soll der Deal auch für europäische Landwirte Vorteile bringen: So öffnet Australien zum Beispiel den Markt für 500.000 Tonnen EU-Weizen und Gerste.

Handelsexpertin Sultan schätzt diesen Kompromiss als ausschlaggebend für den Verhandlungserfolg ein. Statt 25 Jahre Verhandlung wie beim zuletzt unterschriebenen Mercosur-Abkommen, hat die EU mit Australien lediglich acht Jahre verhandelt.

Bisher nur wenig Handel zwischen Bayern und Australien

Und was liefert Bayern im Austausch nach Australien? Für den Freistaat geht es vor allem um Kraftfahrzeuge, Maschinen und elektrische Ausrüstung. Das wird auch bislang schon nach Australien geliefert. Allerdings entfielen auf den Pazifikstaat laut bayerischem Landesamt für Statistik im vergangenen Jahr nur 0,8 Prozent aller bayerischen Ausfuhren. 

EU erwartet ein Drittel Exportwachstum

Die EU-Kommission rechnet mit einem Wachstum von EU-Exporten von einem Drittel in den nächsten zehn Jahren. Vor allem bei Milch (48 Prozent), Kraftfahrzeugen (52 Prozent) und Chemikalien (20 Prozent) sollen die Ausfuhren aus EU-Ländern enorm steigen.

Bis zum Inkrafttreten des Abkommens kann es noch dauern: Bisher handelt es sich um einen Textentwurf, den Ursula von der Leyen mit Australiens Premierminister Anthony Albanese ausgehandelt hat. Wenn der EU-Rat zustimmt, können die EU und Australien das Abkommen unterzeichnen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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