Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland neigen zu gesundheitlich riskanter Nutzung von Online-Videos – etwa bei Tiktok, Netflix oder Twitch. Das geht aus einer Studie hervor, die die Krankenkasse DAK-Gesundheit und das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf am Dienstag veröffentlichten. Die Ergebnisse befeuern die Debatte über ein Social-Media-Verbot für Kinder, zeigen aber auch: Das Problem ist noch viel größer als bisher bekannt, denn auch Chatbots können für Kinder problematisch sein.
Riskante Nutzungsmuster bei Kindern und Jugendlichen
Demnach zeigte im Herbst vergangenen Jahres bundesweit mehr als jeder Fünfte der 10- bis 17-Jährigen (21,4 Prozent) riskante Nutzungsmuster – ein Anstieg um 8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Die krankhafte Nutzung erreichte mit weiteren 4 Prozent der jungen Menschen den bislang höchsten gemessenen Wert. Nimmt man beide Zahlen zusammen, entspricht das hochgerechnet mehr als 1,3 Millionen Betroffenen. Als riskant gilt laut Studie eine Nutzung mit ersten Kontrollproblemen und negativen Auswirkungen im Alltag. Eine krankhafte Nutzung ist durch anhaltenden Kontrollverlust, Vorrang der Mediennutzung und deutliche Beeinträchtigungen etwa in Schule oder Familie gekennzeichnet.
Auch bei sozialen Medien bleibt die Lage angespannt. Hier zeigt – ähnlich wie im Vorjahr – mehr als jeder Vierte der Befragten (28 Prozent) problematische Nutzungsmuster – also riskantes oder krankhaftes Verhalten. Besonders betroffen sind ältere Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Bei Online-Spielen weist rund jeder Zehnte (11 Prozent) problematische Nutzungsmuster auf, was einem leichten Rückgang entspricht. Auffällig ist dabei ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen.
KI-Chatbots als Vertrauens-„Person“: Das Problem wächst
Erstmals beleuchtet die Studie, die seit 2019 jährlich durchgeführt wird, auch die Nutzung von KI-Chatbots. Mehr als ein Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen nutzt solche Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Meta AI mindestens wöchentlich – häufig als Lern- und Informationswerkzeug.
Zugleich gaben 10,4 Prozent der jungen Nutzer an, einem Chatbot Dinge zu erzählen, die sie sonst niemandem oder nur engen Freunden sagen würden. 7,8 Prozent nutzten Chatbots, um sich weniger einsam zu fühlen. Bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen liegt der Anteil bei über 30 Prozent. Die Autoren betonen allerdings, dass daraus keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen abgeleitet werden könnten.
Experten: Automatische Wiedergaben auf Tiktok sind problematisch
Aus Sicht der Forscher ist vor allem der starke Anstieg riskanter Online-Video-Nutzung alarmierend. Ihrer Einschätzung nach führen vor allem Elemente wie endloses Scrollen und automatische Wiedergaben auf Tiktok und Co. zu Suchtverhalten. Sie fordern strengere Regeln für Plattformen, etwa beim Datenschutz, bei altersgerechten Angeboten und beim Verzicht auf manipulative Designelemente.
Für die Studie wurden vom 24. September bis 12. Oktober 2025 insgesamt 1.005 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren sowie je ein Elternteil repräsentativ befragt. Die Antworten basieren auf der Selbsteinschätzung der Befragten. Sie wurden von den Forschern anhand festgelegter Kriterien bewertet und entsprechenden Mustern der Mediennutzung zugeordnet.

