Irgendwann wird jeder Tarifkonflikt gelöst – ob der im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Bayern aber heute schon? Sie werden es versuchen. Vereinbart ist „open end“, also ausreichend Zeit, um sich auszutauschen. Das allein aber reicht nicht. Sowohl Verdi als auch der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern müssen sich bewegen. Verhandelt wird der Tarifvertrag für den Nahverkehr, TV-N. Er gilt in 20 Kommunen für rund 9.000 Beschäftigte.
Was fordert die Gewerkschaft?
Noch hat Verdi ihr umfangreiches Forderungspaket nicht wirklich verkleinert. Das sieht unter anderem knapp 670 Euro mehr im Monat für die Beschäftigten vor und kürzere Arbeitszeiten: die 35- statt der gültigen 38,5-Stundenwoche. Außerdem soll es längere Mindestruhezeiten geben und höhere Zuschläge. Die Mitarbeitenden in dem Stressjob müssten entsprechend bezahlt werden – so ein Argument. Ansonsten drohe künftig Personalmangel, weil der Nahverkehr wenig attraktiv sei.
Was bieten die Arbeitgeber?
Der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern hatte beim ersten Treffen im Januar schon ein Angebot am Verhandlungstisch präsentiert. Unter anderem sollen die Einkommen in zwei Schritten um fünf Prozent, bei der ersten Erhöhung um mindestens 110 Euro monatlich, steigen. Wer will, soll bei vollem Lohnausgleich und Zuschlägen auch 42 Stunden in der Woche im Einsatz sein können. Und die Arbeitgeber haben nachgerechnet: Bei der Forderung der Gewerkschaft kommen sie auf mindestens 25 Prozent. Das sei angesichts der Kassenlage nicht finanzierbar. Ansonsten müssten die Fahrpreise erhöht oder das Angebot verkleinert werden.
Wo könnte ein Kompromiss liegen?
Die Laufzeit dürfte heute in Nürnberg bei dem Gespräch sicher ein Thema sein. Zunächst hatte Verdi zwölf Monate gefordert. Danach könnte die Gewerkschaft erneut mit Forderungen aufwarten. Den Arbeitgebern ist das eindeutig zu kurz. Sie wollen länger Ruhe an der Tariffront und 3,5 Stunden weniger Arbeitszeit in der Woche ließen sich in einem Jahr nicht umsetzen.
Beim letzten Mal hatte sich Verdi da bewegt und längere Laufzeiten ins Spiel gebracht – vor allem bei der Regelung zur Arbeitszeit. Der Kommunale Arbeitgeberverband wiederum zeigt sich vorab zum Austausch über Inhalte bereit – was konkret damit gemeint sein könnte, dazu will der KAV sich auf Nachfrage vorab nicht äußern.
Wäre eine Schlichtung die Lösung?
Die Arbeitgeber denken darüber nach, einen Unparteiischen anzurufen. Dafür müsste eine Schlichtungsvereinbarung vereinbart werden. Verdi will sich darauf nicht einlassen. Eine solche Schlichtung könne auch scheitern und dann wäre man nicht weiter als zuvor. Die Gewerkschaft ist zuversichtlich, auch ohne Schlichtung weiterzukommen. Das wiederum deuten die Arbeitgeber als gutes Signal. Immerhin sei die Bereitschaft da, zum Ergebnis zu kommen. Ob das reicht? Fraglich.

