In den vergangenen Monaten hat das russische Militär seine Luftangriffe auch auf zivile Ziele in der Ukraine ausgeweitet. Die Luftabwehr war damit zuletzt zunehmend überfordert, da Russland seine Drohnenflotte modernisiert hat.
Moskau setzt zunehmend sogenannte Jet-Drohnen ein. Sie fliegen je nach Modell deutlich höher und schneller als ältere Systeme. In der Spitze erreichen sie nach Informationen aus westlichen Militärkreisen Geschwindigkeiten von 600 km/h und mehr. Zum Vergleich: Ein aus einem modernen Sportbogen abgeschossener Pfeil ist ungefähr halb so schnell. Damit sind sie zum Beispiel für Maschinengewehre und bisherige Generationen von Abfangdrohnen kaum zu treffen.
Flugabwehr als Schwerpunkt – Nachbestellung für Iris-T
Zwei der größten Aufträge im Rahmen des Kanzler-Besuchs in Kiew gehen als Reaktion auf diese Entwicklung an bayerische Hersteller von Flugabwehrgerät. Die Nürnberger Diehl-Gruppe soll zusätzliche Iris-T-Systeme liefern, jeweils bestehend aus einer Radaranlage, einer Kommandoanlage und mehreren Feuereinheiten, dazu offenbar eine vierstellige Zahl von Raketen.
Diese haben sich nach Angaben des Herstellers mit einer sehr hohen Trefferquote bewährt, sind allerdings auch teuer. Experten sehen den Stückpreis einer Rakete bei ungefähr 400.000 Euro. Mit der neuen Bestellung baut die Ukraine ihre Position als weltweit größten Nutzer der bodengestützten Variante der Iris-T (SLM) noch einmal aus. So verfügte das Land im Sommer über zehn solcher Flugabwehrsysteme mit insgesamt 40 Feuereinheiten.
Quantum Systems will verstärkt in der Ukraine produzieren
Ein umfangreicher Auftrag geht außerdem an Quantum Systems. Die Firma aus Gilching soll dem ukrainischen Militär in diesem Winter eine große Stückzahl von neuen Abwehrdrohnen zur Verfügung stellen. In Regierungskreisen ist von 15.000 Stück die Rede.
Nach Angaben von Quantum Systems will man die Drohnen in der Ukraine herstellen und damit eine bereits bestehende Produktion hochfahren. Sven Kruck, Co-Geschäftsführer von Quantum Systems sagte, durch die industrielle Herstellung von lokal entwickelten Systemen vor Ort könne man schnell auf sich immer neu entwickelnde Bedrohungen reagieren. Das bayerische Unternehmen ist seit mehreren Jahren in der Ukraine vertreten und beschäftigt dort nach früheren Angaben mehr als 500 Menschen.
Merz: Ukraine-Unterstützung hilft auch Deutschland
Insgesamt wurden beim Besuch von Bundeskanzler Merz nach offiziellen Angaben 14 Kooperationen im Wert von 6,6 Milliarden Euro vereinbart. Dies komme auch dem Schutz Deutschlands zugute, so der Kanzler. Industrie und Bundeswehr profitierten demnach von den Erfahrungen und der Expertise der Ukrainer.
Dies gelte vor allem für den Einsatz und die Abwehr von fliegenden Drohnen. Ein weiteres Beispiel sind sogenannte unbemannte Bodensysteme. An der Front setzt das ukrainische Militär Tausende von Fahrzeugen ein, die entweder ferngesteuert oder autonom unterwegs sind. Sie transportieren unter anderem Material wie Verpflegung, Ersatzteile und Munition, aber auch verwundete Soldaten in Gebieten, die besonders umkämpft sind. Zunehmend sind die unbemannten Fahrzeuge aber auch bewaffnet.
Bundeswehr hinkt bei modernen Systemen hinterher
Einer der wichtigsten Lieferanten für solche Systeme ist das bayerische Start-up Arx Robotics. Gründer und Firmenchef Marc Wietfeld sagte dem BR, westliche Armeen wie die Bundeswehr könnten aus den Erfahrungen des Ukraine-Krieges zum Beispiel mit unbemannten Panzern wichtige Schlüsse ziehen und sich entsprechend modernisieren.
Allerdings laufe die Beschaffung hierzulande viel zu zögerlich, so die Kritik von Managern wie Marc Wietfeld oder Quantum-Systems-Co-Chef Florian Seibel. Während die Bundeswehr bei fliegenden Drohnen inzwischen erste Großbestellungen auf den Weg gebracht hat, verfügt das Heer, und damit die größte deutsche Teilstreitkraft, gerade einmal über ein knappes Dutzend unbemannter Landsysteme. Diese befinden sich zudem bei der deutschen Armee noch in der Testphase. Die Ukraine hingegen will bis zum Ende des Jahres 50.000 solcher Systeme an der Front haben.

