In Zeiten wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit zeigen internationale Unternehmen wachsendes Interesse an Europa. Das geht aus einer Umfrage hervor. „Europa ist für die befragten Führungskräfte die attraktivste Region für Investitionen weltweit“, fasste Deutsche-Bank-Vorstand Alexander von zur Mühlen die Ergebnisse einer Erhebung für den Frankfurter Dax-Konzern zusammen. „Und innerhalb von Europa steht Deutschland deutlich an Position eins.“
Befragt: Unternehmen aus nicht-europäischen Märkten
Das Meinungsforschungsinstitut Kantar hat im Juli und August 1.200 Führungskräfte und Entscheidungsträger von Unternehmen aus 13 Märkten außerhalb Europas befragt. Diese Firmen investieren bereits in Europa oder planen es.
„Je weiter weg ich von Europa bin, desto positiver wird die Stimmung, wenn man über Deutschland und Europa spricht“, sagte von zur Mühlen, der im Vorstand von Deutschlands größtem Geldhaus für die Regionen Asien-Pazifik, Europa, Naher Osten und Afrika sowie Deutschland zuständig ist.
Mehr als ein Drittel der Befragten bezeichnet Europa laut der Umfrage als die weltweit attraktivste Region für das eigene Geschäft. Gleichzeitig erklärt eine große Mehrheit von 81 Prozent, dass Europa für die eigenen Investitionsentscheidungen in den vergangenen drei Jahren wichtiger geworden sei. Deutschland führt die Rangliste der Investitionsziele in Europa an.
Größte Bremse für Europa: Europa selbst
Lob gibt es von den Unternehmen für: politische und wirtschaftliche Stabilität sowie für Innovationskraft. Kritisiert wurden hingegen: Hürden für das grenzüberschreitende Geschäft, hohe Kosten und langsame Genehmigungen.
„Die größte Bremse für Europa ist Europa selbst“, so von zur Mühlen. Wegen der Fragmentierung des Kontinents würden die Vorteile des Binnenmarktes nicht ausgeschöpft. „Das Kapital steht vor der Tür, aber Europa muss diese Tür jetzt öffnen“, meint der Deutsche-Bank-Manager.
Offen bleiben und Reformdruck erhöhen
Angesprochen auf die jüngsten Landtagswahlen in Deutschland, bei denen die AfD sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft geworden ist, sieht von zur Mühlen wachsenden Reformdruck. „Und in dem Zusammenhang ist es wichtig: Populismus löst keinerlei Probleme“, so der Deutsche-Bank-Vorstand. „Wichtig ist, dass Europa, dass Deutschland nach außen eine Offenheit hat, eine Offenheit behält und nach innen den Reformdruck erhöht.“

